Wie der Sohn, so der Vater

Wissen Sie, was Vice Versa heisst? Soviel wie umgekehrt, andersrum (ein Hoch auf das gute alte Latein!). Es ist aber auch der Titel eines berühmten Romans von F. Anstey (alias Thomas Anstey Guthrie), erschienen 1882.

Der ebenso wohlhabende wie selbstgefällige Londoner Geschäftsmann Paul Bultitude und sein Sohn Dick verstehen sich nicht besonders gut. Sie haben keinen „Draht“ zueinander. Gerade jetzt soll Dick wieder ins Internat zurück und versucht vergeblich, seinem Vater klarzumachen, wie sehr er diese Schule hasst. Die beiden Bultitudes reden komplett aneinander vorbei, doch dann passiert etwas Merkwürdiges. Ein geheimnisvoller Stein aus Indien (mitgebracht von Onkel Marmaduke Paradine, dem schwarzen Schaf der Familie) macht’s möglich – plötzlich erblickt Paul sich im Spiegel als perfektes Ebenbild seines Sohnes, während Dick es sich in Körper und Kleidung des Vaters bequem macht. Dem mit (für seinen Geschmack) viel zu hoher Stimme zeternden Paul bleibt letztlich nichts anderes übrig, als sich in Dicks Gestalt und in Dicks Schulkleidung auf den Weg ins Internat zu machen, in die Obhut des von ihm so hochgeschätzten Dr. Grimstone, wo er alsbald am eigenen Leibe erfährt, warum sein Sprössling diese Institution nicht mag. Währenddessen haut Dick zuhause in London mächtig auf die Pauke. So eine günstige Gelegenheit gibt es nicht nochmal…

A lesson to fathers lautet der Untertitel. F. Anstey hat mit diesem Roman ein Sujet geprägt, das seither in unzähligen Büchern, Filmen, Fernsehserien usw. immer wieder variiert wurde: Das Sujet des Körpertauschs, des „Die-Welt-einmal-aus-der-Perspektive-des-Anderen-Sehens“. Anstey hat dieses Motiv zwar nicht erfunden, aber er hat es populär gemacht.

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