Durch dick und dünn

Eine ganze Industrie lebt davon, dass die Menschen ein gewisses Körper-Ideal erstreben. Michèle Didou-Manet, Tran Ky und Hervé Robert zeigen in ihrem Buch Dick oder dünn?, wie sich der Körperkult im Laufe der Zeit verändert hat.

In der prähistorischen Zeit war es einfach: Man musste essen, was und wann man konnte. Einen Notvorrat an Fett anzusetzen war wichtig, konnte sogar lebenswichtig sein. Magerkeit bedeutete Versagen bei der Selbsterhaltung und war ganz bestimmt kein Pluspunkt bei der Partnerwahl. Die alten Griechen entwickelten ein sehr raffiniertes Schönheits-Konzept, bei dem besonders die Proportionen wichtig waren. Man durfte schon ein bisschen füllig bzw. massig sein (man denke nur an die muskelbeladenen Athleten), solange die körperlichen Proportionen insgesamt stimmten. Bei den Römern (zumindest bei jenen, die es sich leisten konnten) spielte das Essen eine sehr wichtige Rolle. Was erzählen die Geschichtsbücher nicht alles über diese extravaganten Gelage, die römischen Orgien sind bis heute sprichwörtlich! Dementsprechend galt auch in Rom Körperfülle als Zeichen des Wohlstandes. Das Christentum mit seinen Geboten von Mässigung, Fasten und Körper-Verachtung setzte dem ein Ende; die Urchristen waren die Ersten, die ein ausgesprochenes Magerkeits-Ideal vertraten, wenn die Gründe auch weniger ästhetischer als theologischer Natur waren. Ihre Nachkommen sahen das hingegen viel weniger eng – die masslose Völlerei der Geistlichkeit (während grosse Teile der Bevölkerung hungerten) war einer der Kritikpunkte der Reformation.

Dies war erst der Anfang; die Erzählung liesse sich fortsetzen. Der heutige Schlankheitsfimmel ist also kulturell bedingt und nicht „allgemeingültig“. Die Zeiten ändern sich und das menschliche Schönheitsideal tut es ebenfalls.

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