Hoch die Tassen!

Und zwar die Tassen im Schrank! In der Weltgeschichte gibt es zahlreiche Herrscher, die angeblich „wahnsinnig“ waren. Über diese hat Vivian Green ein Buch geschrieben: Macht und Wahn.

Obwohl das Römische Kaiserreich relativ wenig „verrückte“ Herrscher hatte, wurde der Cäsarenwahnsinn sprichwörtlich. Caligula und Nero stammten aus einer Familie, in der Macht- und Sexgier weit verbreitet waren; diese Vorbelastung, verbunden mit der fast uneingeschränkten Macht über ein Weltreich, wurde den beiden psychisch labilen Imperatoren zum Verhängnis. Und der sechsfache Ehemann Henry VIII, König von England? Übersteigerte Egozentrik, Minderwertigkeitskomplex, Hirnschaden durch seinen Turnier-Unfall im Januar 1536 oder doch eine pathologische Persönlichkeitsstörung? „Verrückte“ Herrscher waren nicht unbedingt dumm; der russische Zar Iwan der Schreckliche zum Beispiel war intelligent und hochgebildet. Doch traumatische Kindheitserlebnisse, eine gewisse sadistische Ader und eine schwere Erkrankung (vielleicht Enzephalitis oder Syphilis) ergaben bei ihm eine äusserst gefährliche Mischung. Wohl nirgends stellt sich die Frage nach der Grenze zwischen Exzentrik und „Sprung in der Schüssel“ so wie bei König Ludwig II. von Bayern. Wie in den meisten Fällen ist auch hier eine klare Diagnose sehr schwierig. Ganz „normal“ war Ludwig sicher nicht und eine gewisse familiäre Vorbelastung ist nicht auszuschliessen (sein Bruder Otto war eindeutig geisteskrank). Deutet sein Abgleiten in eine Fantasiewelt vielleicht auf Schizophrenie hin? Oder war der „Märchenkönig“ schlicht eine hypersensible Künstlernatur, die der unangenehmen Realität entfliehen wollte?

In den meisten Fällen spielten wohl verschiedene Faktoren eine Rolle, sowohl medizinische als auch nicht-medizinische. Auf Seite 56 steht folgender Satz: Eigentlich erfüllt [XY] alle Kriterien, mit denen ein Psychologe heute eine narzisstische Persönlichkeitsstörung beschreiben würde. Er war extrem von seiner eigenen Bedeutung überzeugt und versank völlig in seinen Phantasien von Eleganz und Macht – bis hin zur völligen Ausschaltung aller politischen Realitäten. Wer ist hier wohl gemeint? Nein, nicht der, an den Sie jetzt denken! Es geht um den römischen Kaiser Elagabal.

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