Das Wagenrennen

Ähnlich wie Quo vadis von Henryk Sienkiewicz (Blog vom 28. August 2018) ist auch der Roman Ben Hur von Lewis Wallace (amerikanischer Offizier im 19. Jahrhundert und Mitglied des Militärtribunals, das Henry Wirz zum Tode verurteilte [Blog vom 10. Januar 2017]) insbesondere durch seine Verfilmungen bekannt geworden.

In den ersten vier Kapiteln wird zunächst die Weihnachtsgeschichte erzählt. Erst dann geht es los mit der eigentlichen Romanhandlung: Der Israelit Judah Ben Hur und der Römer Messala waren einst die dicksten Freunde. Doch nun ist Messala nach fünf Jahren Schule in Rom als hochmütiger Imperialist nach Jerusalem zurückgekehrt und dem Freunde entfremdet. Ben Hur weist ihn von sich und bekommt bald (einem Römer gibt man nicht ungestraft einen Korb!) den Zorn des gekränkten Imperiums zu spüren: Ein unglücklicher Zufall, das Vorbeiziehen des römischen Statthalters, ein loser Dachziegel – und schon sitzt Ben Hur als Rudersklave auf einer Galeere. Doch Schtägeli uf, Schtägeli ab, juhee! Das Schicksal führt den jungen Juden mit dem reichen Römer Quintus Arrius zusammen, der ihn adoptiert und zu seinem Erben macht. Als vermögender römischer Patrizier kehrt Judah Ben Hur nach Jerusalem zurück. Und der Hölle Rache kocht in seinem Herzen! Er will Vergeltung üben an dem Mann, der ihn, seine Mutter und seine Schwester ins Unglück gestürzt hat: Messala. In Kapitel 25 findet das legendäre Wagenrennen statt, in dem Ben Hur seinen Widersacher besiegt. Doch zur gleichen Zeit zieht ein geheimnisvoller Mann durch das Land Israel, der Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth, und predigt, dass man seine Feinde lieben und ihnen vergeben soll… Diese neue Lehre bleibt nicht ohne Eindruck auf Ben Hur.

Historisch gesehen ist es übrigens sehr unwahrscheinlich, dass ein römischer Offizier (Messala) und der Adoptivsohn eines Patriziers (Ben Hur) sich jemals in eine Renn-Arena verirrt hätten. Rennfahrer standen damals nämlich auf derselben sozialen Stufe wie Schauspieler und Prostituierte, also ziemlich weit unten.

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