Doktor Luthers Lesebücher

Bereits Martin Luther befasste sich mit der Frage, was Kinder lesen sollten. Natürlich dachte er dabei in erster Linie an die Schule, denn Privat-Bücher gab es damals noch sehr wenige.

An erster Stelle stand für Luther, nicht weiter überraschend, die Bibel. Das hatte auch praktische Gründe: Wenn ein Normalverbraucher im 16. Jahrhundert überhaupt ein Buch in die Hand bekam, dann wahrscheinlich dieses. Jahrhundertelang bildeten Bibel, Katechismus und Gesangbuch die Grundpfeiler jeder Lektüre für junge Leute. 1658 läutete Amos Comenius mit seinem Orbis Pictus eine neue Ära ein. Von nun an existierte das Sachbuch, das Kindern anhand von Bildern die Welt um sie herum erklärte. Belletristik speziell für Kinder gab es hingegen erst später. Im 19. Jahrhundert hatten Kinderbücher noch einen moralischen Hintergrund. Nicht die Unterhaltung stand im Mittelpunkt, sondern die Erziehung! Beziehungsweise die Abschreckung! Man denke nur beispielsweise an den Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann. Zu den ersten nicht-pädagogischen Jugendautoren im deutschsprachigen Raum gehörte Erich Kästner; er unterhielt sich mit seinem jungen Publikum nicht mehr von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Lisa Tetzner und Kurt Held (Blog vom 10. Dezember 2013) verwendeten die Situation von Kindern für massive Sozialkritik.

Das alles und noch mehr kann man in der Geschichte des deutschen Jugendbuches von Irene Dyrenfurth nachlesen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.