Habe nun, ach

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann namens Agrippa. Geboren wird er am 14. September 1486 in Köln (lateinisch colonia agrippinensis, daher sein Name). Über seine frühen Jahre ist wenig bekannt, aber schon während seiner Studienjahre in Köln und Paris entwickelt sich der wissbegierige Agrippa zum Universal-Gelehrten gemäss dem Ideal der Renaissance; er studiert mit heissem Bemühn so ziemlich alles, was ihm in die Hände kommt – Medizin, Juristerei und Philosophie und leider auch Theologie, aber auch Astrologie und Alchemie. Und schon bald beginnt Agrippa, Bücher über okkulte Wissenschaften zu schreiben. Seine Ansichten sind bemerkenswert; Agrippa postuliert eine „weisse Magie“, die durchaus mit dem Christentum vereinbar sei. Ausserdem vertritt er die Meinung, Frauen seien den Männern keineswegs unterlegen und würden nur von den Umständen (Gesellschaft, Erziehung usw.) daran gehindert, zu zeigen, was sie eigentlich könnten. Er ist auch ein entschiedener Gegner der Hexenverfolgungen. Die Zeiten sind ziemlich turbulent und mit seinen unkonventionellen Ansichten macht Agrippa sich natürlich nicht nur Freunde; deshalb ist er, mitsamt seiner Familie, viel unterwegs. Lyon, Pavia, Turin, das heimatliche Köln, dann eine Zeit lang Metz, später Genf und Antwerpen. Doch der mittlerweile europaweit bekannte „Magier“ (über den schon zu Lebzeiten viele Legenden kursieren) schreibt nicht nur Bücher und hält nicht nur Vorlesungen, er ist auch politisch und diplomatisch tätig. So reist er zum Beispiel 1510 im Auftrag von Kaiser Maximilian I. zum neuen König Henry VIII nach London. Agrippa stirbt am 18. Februar 1535 in Grenoble. Seine kulturhistorische Nachwirkung ist bedeutend; Johann Wolfgang Goethe mit seinem Faust und Mary Shelley mit ihrem Frankenstein (Blog vom 24. Oktober 2013) beziehen sich auf ihn.

Arzt, Rechtsgelehrter, Philosoph, Magier, Schriftsteller… Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim hiess dieser ungewöhnliche Mann mit vollem Namen. Michael Kuper hat seine Biografie geschrieben mit dem Untertitel Ein echter Faust. Ach ja: Agrippa von Nettesheim soll einen schwarzen Pudel besessen haben…

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