Das heilige Holz

Wer einen Spaziergang in die tiefsten Abgründe des Sündenpfuhls Hollywood unternehmen will, sollte Hollywood Babylon von Kenneth Anger lesen.

1921 wurde der beliebte (und beleibte) Komiker Roscoe „Fatty“ Arbuckle nach einer Alkohol- und Sex-Orgie mit Todesfolge des Mordes angeklagt (allerdings freigesprochen). 1924 kam der Regisseur Thomas Ince auf der mit Filmgrössen bemannten Yacht des Presse-Magnaten William Randolph Hearst (von Orson Welles als „Citizen Kane“ verewigt) ums Leben – die gerichtliche Untersuchung wurde diskret abgewürgt; im gleichen Jahr heiratete Charlie Chaplin die minderjährige Lita Grey, die von ihm schwanger war – drei Jahre später ging diese Ehe spektakulär in die Brüche; der Tod Rudolph Valentinos 1926 gab zu wilden Spekulationen Anlass – von Syphilis bis zu Gift. Überhaupt lief die Gerüchteküche bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf Hochtouren! Wie ging es wohl zu, wenn Erich von Stroheim hinter verschlossenen Studiotüren seine Orgien-Szenen drehte? Hatte Friedrich Wilhelm Murnau seinen tödlichen Unfall, weil er im Auto gerade mit einem jungen Filipino… ähm… dings…? Dass William Haines eine zweite Karriere als Innenarchitekt startete, lag jedenfalls daran, dass MGM ihn seiner Homosexualität wegen gefeuert hatte! Gloria Swanson gab jährlich 10 000 Dollar für Unterwäsche aus, besass eine goldene Badewanne und machte undurchsichtige Geschäfte mit dem späteren Präsidenten-Vater Joseph Kennedy. Die Erfindung des Tonfilms brachte Buster Keaton zeitweise ins Sanatorium. 1942 standen sowohl Errol Flynn als auch Lionel Atwill vor Gericht. Neben dem offiziellen, von der Filmindustrie angestellten „Sittenwächter“ Hollywoods, Will Hays, gab es natürlich auch viele selbsternannte Moralapostel*innen, die mit heuchlerischer Spiessigkeit immer wieder gegen das „Sündenbabel“ ins Feld zogen, allen voran Hedda Hopper (Blog vom 28. März 2017) und Louella Parssons.

Ramon Novarro wurde 1968 tot aufgefunden, einen bleiernen Dildo (den ihm einst Valentino geschenkt hatte) in den Hals gerammt… Alkohol, Drogen, Sex, Mord und Totschlag! Der Autor schreibt recht flapsig und manchmal etwas „klatschtantenhaft“, aber dennoch interessant. Lesen Sie dazu auch den Blog vom 3. November 2016.

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