„Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht…“

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau namens Friederike. Am 21. März 1882 kommt sie in Wien zur Welt und entscheidet sich sechzehn Jahre später, zum Entsetzen ihrer gutbürgerlichen Kaufmannsfamilie, zum Theater zu gehen. Die Befürchtungen der Familie scheinen sich zunächst zu bewahrheiten – 1903 bringt Friederike ein uneheliches Kind zur Welt. Der selber noch minderjährige Vater, Karl-Kuno Graf von Coudenhove, wird von seinen erbosten Eltern nach Amerika geschickt; die Tochter Elisabeth, genannt Liesl, wird später den Schriftsteller Bruno Frank heiraten. Bald darauf gelingt Friederike der entscheidende Schritt, nämlich der Schritt nach Berlin. Dort, am Metropol-Theater, wird sie zum Star. Operetten und Revuen – Friederike arbeitet fleissig und diszipliniert, spielt und singt alle möglichen Rollen und das Publikum liebt sie, im Frieden und im Krieg. Nach dem erfolglosen Versuch mit dem Adel findet Friederike ihr Glück auf der Bühne; am 30. März 1917 heiratet sie ihren Kollegen Max Pallenberg. Das Ende kommt, wie so oft, mit den Nazis. Nach fast dreissig Jahren geht eine grosse Karriere krachend in die Binsen; Friederike ist jüdischer Abstammung. Vor Kurzem noch bejubelt, ist die „Kaiserin von Berlin“ plötzlich nicht mehr erwünscht. Zusammen mit Max zieht sie in die Schweiz, an den Luganer See. Dann das nächste Drama – im Juni 1934 kommt Max bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Kurz vor Kriegsbeginn folgt Friederike ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn nach Amerika, wo sie in Kalifornien viele alte Bekannte trifft, die Manns, die Werfels, die Feuchtwangers etc. Obwohl sie finanziell abgesichert ist, leidet Friederike unter dem Verlust ihres Star-Seins. Da sie im Filmgeschäft nicht Fuss fassen kann, beschränkt sie sich darauf, ihren Garten zu pflegen und sich als mondäne Gastgeberin zu betätigen. Am 30. Januar 1969 stirbt Friederike in Beverly Hills.

Friederike Massarik, verwitwete Pallenberg, hiess auf der Bühne Fritzi Massary. Carola Stern erzählt in Die Sache, die man Liebe nennt das Leben des Operettenstars.

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