Das Schwindel-Genie

Ähnlich wie Boris Sidis (Blog vom 25. April 2019) will auch Ayyan Mani seinen Sohn zum Genie machen, wählt dabei jedoch eine ganz andere Methode.

Ayyan Mani arbeitet an einem wissenschaftlichen Institut in Mumbai. Nicht als Forscher, dazu fehlt ihm der passende soziale Hintergrund, sondern als bescheidener Sekretär im Vorzimmer eines unbescheidenen Astronomen. Nach Ayyans Wunsch soll sein Sohn Adi, zehn Jahre alt und auf dem linken Ohr taub, es später einmal besser haben; aber dafür fehlt erstens das Geld und zweitens die erforderliche Kastenzugehörigkeit. Da gibt es nur eines: Der Junge wird ein Genie! Weil der kleine Adi zwar klug und aufgeweckt, aber keineswegs übermässig genial ist, wird hochgestapelt, was das Zeug hält. Einige sorgfältig einstudierte hochgestochene Fragen in der Schule, eine kleine Falschmeldung in der Zeitung, et voilà: Schon bald geniesst Adi den Ruf eines Wunderkindes. Die Nachbarn veranstalten einen grossen Wirbel, sogar die hochnäsigen Professoren am Institut sind begeistert von dem „hochbegabten“ Kleinen, dem sich ganz plötzlich ungeahnte Möglichkeiten eröffnen. Ayyan macht es enormen Spass, die Leute hinters Licht zu führen. Menschen, die ihn früher gar nicht zur Kenntnis genommen haben, staunen jetzt über ihn und sein Söhnchen. Aber kann das gut gehen? Und wenn nun der Schwindel auffliegt? Wenn Ayyans Frau Oja dahinterkommt, was ihr Mann und ihr Sohn da treiben? Oder wenn Adi unvorsichtig wird, weil er sich irgendwann tatsächlich für ein Genie hält?

Ernste Männer heisst dieser Roman von Manu Joseph. Man merkt, dass in Indien die Kastenzugehörigkeit auch heute immer noch eine grosse Rolle spielt.

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