Oh sancta justitia!

John Grisham gilt als Meister des amerikanischen Justiz-Thrillers. Für Einsteiger und Einsteigerinnen hält buchplanet.ch sein Jugendbuch Theo Boone und der unsichtbare Zeuge bereit.

Theodore „Theo“ Boone, dreizehn Jahre alt, hat ein ungewöhnliches Hobby: Er beschäftigt sich leidenschaftlich mit Recht und Gesetz. Theo geht im Gerichtsgebäude ein und aus, kennt dort alle Mitarbeitenden persönlich, versäumt keine Verhandlung (ausser dann, wenn er in der Schule sitzen muss) und träumt von einer grossen Karriere als Jurist. Ja, er hat sogar ein eigenes Büro, wo er Rechtsberatung für Gleichaltrige anbietet. Und jetzt gibt es sogar einen Mordprozess, einen richtigen, echten Mordprozess in dieser verschlafenen Provinzstadt! Ein Mann namens Pete Duffy ist angeklagt, seine Ehefrau Myra erwürgt zu haben. Motiv: Die Lebensversicherung. Theo verfolgt das Verfahren mit grossem Interesse (auch wenn er zwischendurch hin und wieder für eine Weile in die Schule muss) und kommt bald zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Angeklagte ist vermutlich schuldig, aber die Anklage wird es nicht beweisen können – Freispruch eines Mörders, sozusagen das perfekte Verbrechen. Doch dann erfährt Theo über Umwege von einem Zeugen, dessen Aussage den Angeklagten schwer belasten, ja den Prozess entscheidend beeinflussen könnte; dummerweise handelt es sich dabei um einen illegalen Einwanderer, der panische Angst vor jeder Art von Behörden hat und Theo nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit einweiht. Was tun? Soll Theo sein Wort und den Mund halten, selbst wenn dadurch ein Mörder ungeschoren davonkommt? Oder soll er reden und seinen Zeugen dadurch in Teufels Küche bringen? Ein klassischer Gewissenskonflikt.

Aus Filmen und Fernsehserien gewinnt man manchmal den Eindruck, ein Strafprozess in Amerika sei in erster Linie eine grosse Show, in der nicht jene Partei gewinnt, die Recht hat, sondern jene, die sich bei der Verhandlung besser in Szene setzt. Wenn man dieses Buch liest, könnte man das ebenfalls glauben. Aber interessant ist es trotzdem.

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