Nicht Engerling, sondern Keyserling

Eduard Graf von Keyserling steht im Zentrum des Romans Keyserlings Geheimnis von Klaus Modick. Ach, diesen Grafen kennen Sie nicht? Dann werden Sie ihn kennen lernen!

München, zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Eduard Graf von Keyserling schreitet durch die Stadt wie ein Denkmal seiner selbst. Baltischer Aristokrat, arrivierter Schriftsteller, geistreicher Dandy, dem Wermut zugeneigter Bohemien… vornehm herausgeputzt zwar, doch zerfressen von der Syphilis, die sein (nie sonderlich attraktives) Gesicht entstellt hat und langsam sein Augenlicht ruiniert. Seine Schwabinger Stammtischrunde (zu der Frank Wedekind und andere Künstler gehören) hat beschlossen, in die Sommerfrische an den Starnberger See zu fahren. Dort lässt sich Keyserling von Lovis Corinth porträtieren – das Bild befindet sich heute in der Neuen Pinakothek in München. Die Geistesgrössen streiten und versöhnen sich, verzapfen Blödsinn, rauchen Zigarren und Zigaretten, gehen baden (wörtlich gemeint)… Doch es gibt da einen Punkt in seiner Vergangenheit, über den der Graf gar nicht gerne spricht. Da war etwas in seiner Studentenzeit in Dorpat (heute Tartu, Estland) – nicht nur Burschenherrlichkeit mit Wein, Weib und Gesang, sondern etwas, dass Keyserling in seinem damaligen Umfeld unmöglich machte.

Eine schillernde Persönlichkeit im Zentrum eines Künstler-Zirkels und dazu ein altes, plötzlich wieder aktuelles Geheimnis – was will man mehr von einem Roman?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.