Der Sami

Ein neues „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann, der Sami genannt wurde. Geboren wird er (man weiss es nicht genau) 1858 oder 1859 in Lipto Szent Miklos (damals Königreich Ungarn, heute Slowakei). Der Vater ist Kaufmann und der Sohn schlägt ebenfalls diese Karriere ein. Nach einem Intermezzo in Wien landet Sami schliesslich in Berlin. Zunächst tut er sich mit Hugo Steinitz zusammen, dann, am 1. September 1886, wird sein eigener Verlag ins Handelsregister eingetragen, Mohrenstrasse 10 (später Bülowstrasse 90). Emile Zola und Henrik Ibsen gehören zu den ersten Autoren, die er herausbringt, dann ein Deutscher: Gerhart Hauptmann. Nach der Jahrhundertwende mausert sich der Verlag zu einer der ersten Adressen im deutschsprachigen Raum. Der Verleger ist in der Lage, vielversprechende junge Autoren anzuwerben und jahrzehntelang in seiner Firma zu behalten: Sami (seit 1893 mit Hedwig Landshoff verheiratet und innerhalb von 22 Jahren dreimal Vater) verlegt Thomas Mann (der später erklärt, dass „ich der geborene Autor für ihn und er mein geborener Verleger war„), Hermann Hesse („[Samis] Einladung spornte mich sehr an„), Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und andere Schriftsteller, die ihm nicht nur Geld, sondern auch literaturgeschichtlichen Ruhm einbringen. Doch von Schicksalsschlägen bleibt Sami trotzdem nicht verschont; 1913 stirbt sein Sohn Gerhart im Alter von neunzehn Jahren. Und einmal macht Sami, geschäftlich gesehen, einen riesigen Fehler; Erich Maria Remarque bietet ihm ein Manuskript mit dem Titel Im Westen nichts Neues an – Sami sagt nein… Das Jahr 1933 bedeutet auch für den Verlag eine Zäsur. Der Chef ist Jude und viele erfolgreiche Autoren fallen bei den neuen Machthabern in Ungnade. Sami stirbt am 15. Oktober 1934, sein Schwiegersohn Gottfried Beermann (ursprünglich Arzt von Beruf) führt den Verlag weiter und emigriert bald nach Schweden.

Nein, hier handelt es sich nicht um den Samichlaus! Dieser Sami war der Gründer des S. Fischer Verlags, Samuel Fischer, dessen Leben Barbara Hoffmeister in S. Fischer – Der Verleger beschreibt.

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