Ab in den Urwald!

In dieser Zeit der Pandemie kann man Lesestoff gebrauchen. Da kommen die 364 Seiten des Romans Tigermond von Antonia Michaelis (vergleiche Blogs vom 10. Dezember 2019 und vom 5. Juli 2018) gerade recht.

Nach bewährter orientalischer Tradition handelt es sich hier um eine „Geschichte in der Geschichte“. Eine unglücklich verheiratete Kaufmanns-Gattin erzählt sie im Harem einem Eunuchen: Als der junge Dieb Farhad eines schönen Morgens nach einem silbernen Amulett greift (aus beruflichen Gründen natürlich), hätte er es sich wohl nicht träumen lassen, in was für ein unglaubliches Abenteuer er hineingeraten würde. Kurz zusammengefasst: Er, der Held wider Willen, hat einen Monat Zeit, um eine schöne junge Prinzessin zu befreien, die von einem furchtbar bösen Dämonenkönig gefangen gehalten wird – diese Konstellation kommt einem doch irgendwie bekannt vor, finden Sie nicht auch? Und natürlich muss ein Held im Einsatz auch einen „Sidekick“ haben, einen treuen Begleiter! In Farhads Fall ist dies Nitish, ein wasserscheuer weisser Tiger mit blauen Augen (Jawohl, Sie lesen richtig!). Dass Farhad sich mit Nitish unterhalten kann, gehört noch zu den weniger erstaunlichen Fakten in dieser Geschichte. So machen sich die Beiden auf den Weg, der (wer hätte das gedacht) mit Hindernissen gepflastert ist. Die Distanz. Der zeitliche Rahmen. Der Monsun. Eine junge Engländerin. Ein durchgeknallter Franzose. Ein roter Edelstein. Das grösste Hindernis ist jedoch die schlichte Tatsache, das Farhad eigentlich überhaupt kein Held ist…

Die Autorin beschreibt nicht nur die farbenprächtige Sagenwelt Indiens, sondern verbindet sie auch mit der sehr realen Geschichte Britisch-Indiens im 19. Jahrhundert. Langsam verschwindet die Grenze zwischen Märchen und Realität.

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