Der Schriftleiter

Wissen Sie, was „Hohnspott“ ist? Nein? Das deutsche Wort für Ironie. So steht es in Entwelschung, dem „Verdeutschungwörterbuch“ von Eduard Engel aus dem Jahre 1918.

Im vierten Jahr des Weltkriegs trommelt Engel mit Leidenschaft gegen „Küchenlateinisch, Apothekergriechisch, Kellnerfranzösisch, Stallknechtenglisch, Leierkastenitalienisch“ und überhaupt alles, was „ebensogut und besser auf Deutsch“ ausgedrückt werden könnte. Anstelle von Bibliothekar wird Bücherwart und allen Ernstes Bücherer vorgeschlagen. Ein Biograph ist für Engel ein Lebensbeschreiber, ein Spalier ein Gitter, Ozeanien sind die Südseeinseln. „Engländereien“ wie Gentleman, Steward, Spray, Bob oder Missing Link sind dem Autor ein besonderer Gräuel. Beim Wort Sozialdemokrat höhnt Engel, dass „deutsche Arbeiter durchaus lateingriechisch [Sozial: lateinisch, Demokrat: griechisch] benannt werden müssen.“ Ein Journalist ist ein Zeitungsschreiber, ein Kadett ein Kriegsschüler. Manchmal muss aber selbst dieser Kreuzritter für das Deutschtum kapitulieren (Pardon, äh, Entschuldigung – ich meine natürlich er muss sich ergeben, die Waffen strecken): Zu Anapäst fällt ihm nichts Besseres ein als Versmass kurz kurz lang. Interessant sind auch die Einträge über Fremdwörter, die wir heute kaum noch als solche wahrnehmen: normal (ordnungsmässig, gutdurchschnittlich), fair (redlich, ehrlich, anständig), Photographie (Lichtbildnerei), Polizist (Schutzmann), applaudieren (Beifall klatschen)…

Ebenso gut und besser auf Deutsch? Na, ich weiss nicht… Ein Schriftleiter ist übrigens nichts anderes als ein Redakteur.

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