Ein Kahlkopf

Was tut ein junger Mensch, wenn er weiss, dass sein Tod unmittelbar bevorsteht? Darum geht es im Roman Superhero von Anthony McCarten.

14 Jahre alt ist Donald Delpe (für den Vornamen kann er nichts, das Buch erschien 2005!). Ein künstlerisch begabter Teenager, zu dessen mangelhafter äusserlicher Attraktivität zweifellos die Tatsache beiträgt, dass ihm die Haare fehlen. Und die Augenbrauen ebenfalls. Eine Nebenwirkung der Chemotherapie; denn Donald hat Krebs. Er weiss nicht, wie viel Zeit ihm noch bleibt – aber ein Lebensziel hat er: Donald Delpe wird nicht jungfräulich in die Ewigkeit entschwinden! Er steckt nämlich bis über beide Ohren in der Pubertät, was sich bei ihm in einer äusserst unfeinen, ja geradezu obszönen Fantasie äussert. Doch welches Mädchen würde sich schon mit ihm einlassen? Während die Behandlung Donalds Körper fast noch mehr schlaucht als die Krankheit selber, das Familienleben der Delpes in Mitleidenschaft gezogen wird und der Zweckoptimismus der Ärzte irgendwann ins Leere läuft, versucht der Psychologe Adrian, dem jungen Patienten zum Verlust seiner Unschuld zu verhelfen.

Als Onkel eines Neffen, der im vierten Lebensjahr vom Krebs dahingerafft wurde, kann ich das Umfeld, in dem dieser Roman spielt, recht gut nachvollziehen. Und als Mensch, dem Suizidgedanken nicht fremd sind, verstehe ich Donalds Verzweiflung.

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