Weisst du, wie viel Sternlein stehen…

Er gehört zum „Wilden Westen“ wie der Saloon oder die Postkutsche: Der Mann mit dem Stern, Der Sheriff. So heisst auch ein Buch von Dietmar Kügler. Vergleiche dazu Blog vom 15. März 2018.

Der Westen war nicht so chaotisch und gesetzlos, wie es scheint. Die Menschen, die im Amerika des 19. Jahrhunderts immer weiter in Richtung Pazifik zogen, wussten genau, dass sie in der endlosen, menschenleeren Weite gegenseitig aufeinander angewiesen waren und daher eine gewisse Ordnung brauchten. Allerdings bestand diese Ordnung weniger aus trockenen Papier-Paragraphen, sondern mehr aus einem Ehrenkodex auf praktischer Grundlage. Wo Zusammenhalt lebenswichtig war, mussten Störenfriede bestraft werden; wo es keine Gefängnisse gab, war man schnell mit der Todesstrafe bei der Hand; und wo Gangsterbanden besser organisiert waren als die staatlichen Autoritäten, musste notfalls Selbsthilfe erlaubt sein – selbst wenn die Selbsthilfe im schlimmsten Fall aus Lynchjustiz bestand. Dieses System bestand auch weiter, als fast überall (wenigstens theoretisch) Sheriffs, Marshals und Texas Rangers zuständig waren. Ein Sheriff musste durchgreifen und sich Respekt verschaffen, sprich: gut mit einer Schusswaffe umgehen können. Bildung, juristische Kenntnisse oder ein guter Leumund waren hingegen nicht zwingend notwendig. Daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass oftmals Personen von eher zweifelhaftem Ruf das Gesetz hüteten – ein krasser Gegensatz zum Mythos des tadellosen Beschützer-der-Witwen-und-Waisen-Sheriffs à la Lucky Luke! Ein anderer Mythos sind die privaten Gangster-Töter um der Belohnung willen, die sogenannten Kopfgeldjäger. Trotz Steckbriefen und Kopfprämien gab es nur sehr wenige davon – es war eine zu riskante und zuwenig lohnende Branche, die obendrein sozial verachtet wurde.

Kügler erzählt viele exemplarische Geschichten. Zum Beispiel von Henry Plummer, der ein regelrechtes Doppelleben als Sheriff und Gangsterboss führte. Von Dallas Stoudenmire, der den Mythos vom knallharten, gefürchteten Ordnungshüter prägte (und standesgemäss auf offener Strasse eine tödliche Kugel abbekam). Oder von Allan Pinkerton, dessen Privatdetektei besonders von den Eisenbahngesellschaften als „Ersatzpolizei“ geschätzt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.