Der Neurosenkavalier

Doktor Freuds Geheimnis von Carol de Chellis Hill ist eine Mischung aus Krimi und Historischem Roman.

Wien, um 1900: In der Stadt geht ein Serienmörder um. Sogar an der Berggasse 19, in der Wohnung von Dr. Sigmund Freud, wird eines Nachts eine Leiche entdeckt – eine Leiche, die wenig später jedoch spurlos verschwunden ist. Auf Wunsch Seiner apostolischen Majestät, des Kaisers Franz Joseph, wird ein bekannter Kriminalist aus Frankreich hinzugezogen, Inspektor Maurice Cheval LeBlanc (ob die Namens-Ähnlichkeit mit dem ArsèneLupin-Autor [Blog vom 27. September 2018] wohl Zufall ist?). LeBlanc beginnt seine Nachforschungen bereits in Paris, wo gerade der Dreyfus-Prozess (übrigens demnächst im Kino) die Gemüter erhitzt und wo der zu Besuch weilende Freud das rätselhafte Ereignis zuhause der Hysterie seiner Frau Martha zuschreibt. Der Inspektor ist anderer Ansicht und stürzt sich in die Ermittlungen. Ein Mord ohne Leiche, obendrein in der Wohnung des berühmtesten Arztes von ganz Wien! Und der Serienmörder? In der Kaiserstadt blüht zu jener Zeit der Antisemitismus, angefeuert durch Bürgermeister Karl Lueger, bereits machen Gerüchte über jüdische Ritualmorde die Runde. Deshalb muss gehandelt werden! Inspektor LeBlanc und Kriminalkommissar Voll müssen schnell zu einem Ergebnis kommen! Carl Gustav Jung und Sabina Spielrein; Edith Wharton und Henry James; Theodor Herzl… eine ganze Epoche defiliert am Publikum vorbei.

Obacht: Hier herrscht nicht pausenlose Action. Bei diesem Krimi muss man sich auf die Couch legen und Geduld haben; schliesslich spielt die Psychoanalyse eine wichtige Rolle. Die zeitgeschichtlichen Hinweise sind etwas verwirrend, man gibt sich am besten mit der einfachen Zeitangabe fin de siècle zufrieden.

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