Drei Töne höher

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Franzose. Am 12. September 1888 erblickt er in Paris das Licht der Welt. Die Familie ist arm und der Franzose muss schon früh mitverdienen; doch weder in einer Schreinerei noch in einer Reissnägelfabrik hält er es lange aus. Dafür hat er mit 12 Jahren seinen ersten Auftritt als Sänger in einem Quartier-Café. Ohne Probe, drei Töne höher als die Klavierbegleitung und offenbar so verkrampft, dass das Publikum brüllt vor Lachen. Ein grossartiger komödiantischer Erfolg – wenn es Absicht gewesen wäre… Trotzdem macht der Franzose Karriere im Showbusiness, singt und tanzt sich in die Music-Halls von Paris. Krieg und Gefangenschaft bedeuten einen Rückschlag, doch dann, in den „Goldenen Zwanziger Jahren“, geht es wieder aufwärts. Und irgendwann klopft Hollywood an die Tür – 1928 macht sich der Franzose auf den Weg zu Paramount, wo er mit Ernst Lubitsch zusammenarbeitet. Nach sieben Jahren folgt die Rückkehr nach Paris. Dann: ein neuer Krieg. Der Franzose ist gerade beim Duke und der Duchess of Windsor zu Besuch, als die Neuigkeit vom deutschen Angriff auf Polen im Radio verkündet wird. Angebote aus Übersee lehnt er ab, weil er seine besetzte Heimat nicht im Stich lassen will, und muss sich dafür nach Kriegsende – zu Unrecht! – den Vorwurf der Kollaboration anhören. Doch seine Karriere geht weiter: Der Franzose ist und bleibt der unumstrittene Star der Pariser Music-Halls. Und er steht auch wieder in Hollywood vor der Kamera, etwa unter der Regie von Billy Wilder. Ein Ehrenoscar für sein Lebenswerk und ein Stern auf dem Walk of Fame dokumentieren die filmische Bedeutung des Franzosen. Nachdem er sich erst 1968 zur Ruhe gesetzt hat, stirbt der Franzose am 1. Januar 1972 im 84. Lebensjahr in „seinem“ Paris.

Für viele Leute war unser Franzose der Franzose schlechthin: Maurice Chevalier. In Chanson meines Lebens erzählt er von seinen Erlebnissen auf und hinter der Bühne.

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