Det änä am Bärgli…

Jetzt bei buchplanet.ch: Der Junge auf dem Berg von John Boyne.

Pierrot Weber (welch schöner Nachname!) ist 1936 ein Waisenknabe in Paris – zweisprachig, Mutter Französin, Vater Deutscher. Nach dem Tod seiner Eltern kommt er in die Obhut seiner Tante Beatrix, die in Deutschland Wirtschafterin in einem vornehmen Haushalt ist. So fährt Pierrot nach Berchtesgaden und versucht, sich auf dem feudalen Anwesen in den bayrischen Alpen, dem sogenannten „Berghof“, zurechtzufinden. Die von ständiger Angst geprägte Atmosphäre irritiert ihn. Und eines Tages steht er per Zufall plötzlich dem Hausherrn gegenüber – jenem Mann mit dem quadratischen Schnurrbärtchen, den er bisher nur von Bildern kannte… Adolf Hitler findet Gefallen an dem Jungen. Sooft der Führer auf dem Obersalzberg weilt, sind er und Pierrot fast unzertrennlich, unterhalten sich, gehen spazieren… Pierrot, der jetzt natürlich nur noch in HJ-Uniform herumläuft und sich „Peter“ nennen muss, verfällt dem charismatischen Diktator immer mehr, lernt aber auch dessen unberechenbare Wutanfälle kennen. Er darf mit Hitler und Eva Braun im offenen Wagen durch Berchtesgaden fahren (historisch gesehen ist das allerdings unwahrscheinlich, da Hitler sich kaum je mit Fräulein Braun in der Öffentlichkeit zeigte) und ist auch dabei, als der Duke of Windsor zu Besuch kommt. Der Junge merkt zu spät, dass er, berauscht von der Droge namens „Macht“ und im Bestreben, dem Führer seine Ergebenheit zu beweisen, seine ganze persönliche Anständigkeit über Bord geworfen hat und immer arroganter und rücksichtsloser geworden ist. Als schliesslich die Alliierten vor der Tür stehen, gibt das Dienstmädchen Herta Pierrot zum Abschied einen guten Rat: „Red dir nie ein, du hättest von nichts gewusst. Das wäre das schlimmste Verbrechen überhaupt.“

Pierrot lernt Hitler nicht als brüllendes Ungeheuer kennen und auch nicht als Möchtegern-Weltherrscher mit Globus, sondern als liebenswürdigen, leutseligen Menschen wie du und ich. Der Massenmörder wird dadurch keineswegs verharmlost; im Gegenteil, er wirkt umso gefährlicher.

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