Fichen-Farce

Zu den Leuten, die jahrzehntelang systematisch von der Schweizer Bundespolizei observiert wurden, gehörte auch der Schriftsteller Max Frisch. Die Beobachtungsergebnisse wurden in sogenannten Fichen festgehalten, deren Banalität oftmals unfreiwillig komisch wirkt. Als der Fichen-Skandal schliesslich aufflog, nahm Frisch Einsicht in die Unterlagen und schrieb dazu einen bissigen Kommentar.

Schon die Seite mit den Personalien ist ein Witz. Frisch konstatiert eine ganze Reihe von Fehlern: Vorname – Max (er heisst eigentlich Max Rudolf); Kinder – keine Eintragung (er hat deren drei); Militär – keine Eintragung (er hat Aktivdienst geleistet, und zwar ohne einen Tag Arrest)… Nicht einmal die Adresse stimmt! Frisch spöttelt, dass beispielsweise bei einer Bank jeder Angestellte, der Formulare auf diese Weise ausfüllt, sofort entlassen würde. Bei einer anderen Gelegenheit wird auf einen Text von Frisch verwiesen, aber nur vom Hörensagen. Was würde es den Steuerzahler kosten, wenn ein Sachbearbeiter des Staatsschutzes, angesetzt auf einen Literaten, auch noch Bücher lesen müsste! bemerkt der Autor dazu. Auch ein offener Brief an den Bundesrat wird missbilligend vermerkt, was Frisch mit einem trockenen Ein Offener Brief an den Bundesrat ist keine Bombenlegerei quittiert. Er fragt sich, warum die Polizei nicht nach Geldwäschern oder Waffenschmugglern sucht, anstatt so viel Energie auf Leute zu verschwenden, deren einziges „Verbrechen“ darin besteht, bestimmte Ansichten zu haben. Und am Schluss stellt Frisch eine Liste auf mit Tatsachen, die aus irgendeinem Grund nicht in seiner Fiche stehen.

Ignoranz als Staatsschutz? ist der Titel von Max Frischs letztem Manuskript. Und sein Fazit: Ich bekenne, dass ich dieser Regierung kein Vertrauen mehr schenke.

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