Im Wald und auf der Heide

In Wäldern geschieht oft Unheimliches, man denke nur an Rotkäppchen oder an Hänsel und Gretel. Aber der Roman Wildwood von Colin Meloy ist in dieser Hinsicht wirklich der Gipfel.

Die zwölfjährige Prue hat ein nicht gerade alltägliches Problem: Ihr kleiner Bruder Mac ist entführt worden. Und zwar von Krähen, die ihn gepackt und ihn die Undurchdringliche Wildnis geschleppt haben – ein unwirtliches, dicht bewachsenes Waldgebiet am Stadtrand. Ach, das glauben Sie nicht? Nun, Prue selber glaubt es eigentlich auch nicht, aber es ist trotzdem so! Und deshalb bleibt ihr auch nichts anderes übrig, als, mit Schulfreund Curtis im Schlepptau, zur Rettungsexpedition aufzubrechen. Und die Beiden hätten sich bestimmt nie träumen lassen, was sie erwartet! In diesem Wald gibt es nämlich Kojoten, die Uniformen tragen und Englisch sprechen. Vögel, die den Verkehr durch ihr Territorium streng kontrollieren. Dachse, die Rikschas ziehen. Füchse, die Pfeife rauchen. Überhaupt leben in diesem Wald Menschen und Tiere in recht zivilisierten Gemeinwesen, abgeschieden von der Aussenwelt, auf magische Weise vor Eindringlingen geschützt. Es gibt das ländlich geprägte Nordwald, das eher städtische Südwald, das Vogelfürstentum und den Wildwald, so eine Art „Niemandsland“. Doch von Idylle kann keine Rede sein! Die beiden Kinder aus der „Aussenwelt“ werden in massive politische Turbulenzen verwickelt. Die skrupellose Gouverneurswitwe Alexandra plant einen gewaltsamen Umsturz – und dazu braucht sie ausgerechnet den kleinen Mac. Während Curtis sich eine Weile als Offizier für diese Suppenhexe von einer Schwarzen Witwe betätigt, aber glücklicherweise noch rechtzeitig ihre wahren Absichten erkennt, setzt Prue alle Hebel in Bewegung, um ihren Bruder zu retten. Doch Alexandra hat durchaus nicht die Absicht, den Kleinen wieder herauszurücken!

Das Buch erinnert an Narnia und Oz. Hinzu kommt noch ein klarer politischer Unterton. Die verzwickten diplomatischen Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen, die Rebellion gegen eine schlechte Regierung, die Aussöhnung zerstrittener Parteien, Ärger mit der Bürokratie…

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