Der Kopf in der Kanone

Der Film ist, kulturgeschichtlich gesehen, das bewegte Bild. Deshalb lebt die Filmgeschichte nicht nur von den vielen Leuten vor und hinter der Kamera, sondern auch von Bildern.

Erinnern Sie sich noch an Harold Lloyd, wie er in Ausgerechnet Wolkenkratzer (1923) in schwindelnder Höhe an einer Uhr hängt? An Marilyn Monroe und den Luftschacht in Das verflixte siebte Jahr (1955)? Oder an Max Schreck, wie er in Nosferatu (1922) bei Sonnenaufgang durchsichtig wird? David Bennent drischt in Die Blechtrommel (1978) auf dieselbe ein. Klaus Kinski dirigiert in Fitzcarraldo (1981) Hunderte von Menschen, die mühsam ein Dampfschiff über einen Berg schleppen. Die expressionistischen Kulissen von Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) sind ebenso imposant wie die Bauten in Metropolis (1926). Die Architektur von Monumentalfilmen wie Quo Vadis (1951) und Ben Hur (1959) ist auf eine ganz andere Art faszinierend als das düstere alte Haus in Psycho (1960). Nie tanzten Fred Astaire und Ginger Rogers beschwingter als in Ich tanz‘ mich in dein Herz hinein (1935), das sieht man sogar auf Fotos. Ebenfalls sogar noch auf Fotos spürbar ist die enorme Wirkung Rudolph Valentinos in Der Scheich (1921). Der Anfang von Fanny und Alexander (1982) strahlt eine Wärme aus, die in späteren Sequenzen auffallend fehlt. Jack Benny steht in Sein oder Nichtsein (1942) auf der Bühne, gibt Hamlets „To be or not to be“ von sich – und blickt einem Zuschauer nach, der sich genau in diesem Moment entfernt. In Der General (1926) steckt Buster Keaton seinen Kopf in die Mündung einer Kanone.

Peter W. Engelmeier hat in 100 Jahre Kino – Die grossen Filme über 1000 Fotos aus seinen Lieblingsfilmen zusammengetragen.

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