Trulla, Trulla, Trullala

Der schönste Teil der Bundesrepublik Deutschland: Baden-Württemberg. Der schönste ausserschweizerische Dialekt im deutschsprachigen Raum: Schwäbisch. Nach diesen Aussagen dürfte klar sein, dass ich eine tiefe Zuneigung zum Schwobeländle hege.

Höchstdero Wildsäue haben meine alleruntertänigsten Kartoffeln gefressen“ beklagte sich einmal ein Pfarrer bei Herzog Karl Eugen (das war der, mit dem Schiller nicht auskam). Ich weiss zwar nicht, was alleruntertänigste Kartoffeln sind, aber die herzogliche Hofjagd war bei den Bauern nicht sehr beliebt. Andauernd musste man das Wild hegen und pflegen, durfte es nicht anrühren, wie hoch die von ihm verursachten Schäden auch sein mochten (das wäre Wilderei gewesen); dann kamen eines Tages der Herzog und seine Hofgesellschaft zur Jagd, zertrampelten die Felder und Äcker, holten die Bauern von der Arbeit fort, frassen und soffen (Pardon!) – übrig blieben am Schluss viele unbezahlte Rechnungen und manchmal kam nach neun Monaten noch eine lebendige Quittung. Auch wenn wieder einmal Soldaten einquartiert wurden, gab es meistens Unruhe im Dorf. Jeder Ort hatte einen Schultheiss oder Schultes, so eine Art Dorfkönig, und natürlich auch ein Zuchthäusle, eine Gefängniszelle für Delinquenten, die keine Geldstrafe (für die Gemeinde wesentlich lukrativer) zahlen konnten. Ausserdem gab es den Inventurzwang. Bei jeder Eheschliessung und bei jedem Todesfall wurde das gesamte Hab und Gut der Betroffenen von Amtes wegen genau erfasst und geschätzt, von jedem einzelnen Stück Vieh im Stall über das Ehebett bis zum Nachttopf. Eine weitere Einrichtung war das Blechle, so eine Art Abzeichen für Leute, die Anspruch auf die Armenfürsorge der Gemeinde hatten. Der Beruf der Leichensägerin (auch Heulendes Elend genannt) klingt zwar unappetitlich, hatte aber nichts mit einer Säge zu tun; ihre Aufgabe bestand darin, von Leichen zu sagen, also Todesfälle in der Gemeinde öffentlich bekannt zu geben.

In Der Schwabe und die Obrigkeit von Angelika Bischoff-Luithlen kann man viel Kurioses und Amüsantes aus alten Zeiten nachlesen.

One Reply to “Trulla, Trulla, Trullala”

  1. also ich wollte ja wirklich nichts bestellen, aber da kann ich ja beim besten willen nicht anders!

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