Ihre königliche Hoheit

Ein „wahres Märchen“ zum heutigen Tag der deutschen Einheit:

Es war einmal eine Frau namens Therese. Am 12. November 1850 zu München in ein deutsches Fürstenhaus hineingeboren, scheint ihr Lebensweg von Anfang an klar: brav sein, repräsentieren, heiraten, Kinder bekommen! Doch Therese, intelligent, wissbegierig und gebildet, denkt gar nicht daran, irgendeine Vernunftehe einzugehen. Ihre Neigung gehört ausschliesslich ihrem Vetter Otto; und weil sie diesen wegen seiner schweren psychischen Krankheit nicht heiraten kann, verzichtet sie ganz. Fortan führt Therese ein selbstbestimmtes Leben, das Leben einer (wie man damals sagt) „alten Jungfer“ und einer finanziell relativ unabhängigen Privatgelehrten: Sie reist – keine Strapazen scheuend – nach Nord- und Südamerika (meistens unter dem Pseudonym „Gräfin Therese Elpen“), betätigt sich als Naturforscherin und Geographin, legt umfangreiche botanische und zoologische Sammlungen an. Neben ausgestopften bringt sie sogar lebende Tiere von ihren Reisen mit, um zuhause ihr Verhalten zu studieren. Wissenschaftlerinnen sind damals noch eine ausgesprochene Seltenheit und Wissenschaftlerinnen mit blauem Blut erst recht! So dauert es eine Weile, bis Therese in akademischen Kreisen Anerkennung findet. Doch schliesslich ist es soweit: 1897 erhält sie als erste Frau überhaupt die Ehrendoktorwürde der Universität München. Auch die Bayerische Akademie der Wissenschaften und andere Institutionen dieser Art öffnen, nach ersten Berührungsängsten, der gelehrten Hoheit ihre Türen. Mit der patriotischen Kriegsbegeisterung im Sommer 1914 kann Dr. h. c. Therese überhaupt nichts anfangen; sie ist von Anfang an gegen den Krieg und scheut sich nicht, das laut zu sagen. Am 19. September 1925 stirbt Therese in Lindau am Bodensee. Trotz der Revolution wird sie mit alter königlich bayrischer Pracht und unter grosser Anteilnahme der Öffentlichkeit in München beigesetzt.

Sie muss wirklich ein aussergewöhnliches Exemplar ihrer Spezies gewesen sein, Ihre königliche Hoheit, Prinzessin Therese von Bayern! Hadumod Bussmann hat ihrer Biografie der Prinzessin ein Zitat vorangestellt: „Ich habe mich vor nichts im Leben gefürchtet“. Ja, es hat tatsächlich diesen Anschein.

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