Von den Gemüthsaffecten

Der Geheime Medizinalrat Professor Doktor Karl Wilhelm Ideler aus Berlin befasst sich in seinem Lehrbuch der gerichtlichen Psychologie von 1857 mit der menschlichen Psyche.

Die Kardinalfrage lautet immer: „Warum begeht jemand ein Verbrechen, obwohl er doch erstens ein Gewissen hat und sich zweitens über die Folgen für ihn im Klaren sein dürfte?“ Ideler zufolge gibt es zwei innere Ursachen für eine verbrecherische Tat. Einerseits eine psychische Störung (wenn man zum Beispiel Stimmen hört), andererseits die Leidenschaft. Letztere wird von Ideler als „das beharrliche und maasslose Vorherrschen einer Neigung über alle anderen“ definiert (Hass, Eifersucht, Habgier etc). Ist die Leidenschaft eine Krankheit? Wie wirkt sie sich auf das Denkvermögen aus? Und in welchem Verhältnis steht sie zum Wahnsinn? Wo liegt die Grenze zwischen den beiden? Was ist eigentlich der berühmt-berüchtigte Wahnsinn, wissenschaftlich betrachtet? Wie kann man echten von simuliertem Wahnsinn unterscheiden? Wie hängen körperliche Erkrankungen mit dem Geisteszustand zusammen? Wann ist jemand zurechnungsfähig oder eben nicht? Setzt eine psychische Störung einen schlechten Charakter voraus? Und von welchen „Gemüthsaffecten“ können Leute heimgesucht werden, die geistig eigentlich völlig gesund sind?

Ein interessantes Werk, auch wenn wahrscheinlich vieles überholt ist. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die moderne Psychologie damals noch in den Kinderschuhen steckte.

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