„Es stand an seines Schlosses Brüstung…

…der Ritter Fips in voller Rüstung“ (Heinz Erhardt). Um Schlösser, Ritter und Rüstungen geht es auch in den Schreckenstein-Büchern von Oliver Hassencamp.

Das Knaben-Internat auf Burg Schreckenstein ist eine Schule der besonderen Art. Da sie in einer echten, mittelalterlichen Burg wohnen, betrachten sich die Schüler als Ritter und verhalten sich entsprechend. Das bedeutet: nicht lügen, nicht abschreiben, nicht aufschneiden, sich zu seinen Untaten bekennen, kurz „auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein„. Diese Doktrin des gegenseitigen Vertrauens hat ihre Vorteile. Schuldirektor Meyer (genannt „Rex“) verfolgt gegenüber seinen Schüler eine ausgesprochene laisser-faire-Politik. Solange dabei niemand ernsthaft zu Schaden kommt, dürfen die Jungs mehr oder weniger tun und lassen, was sie wollen. Auch Graf Schreckenstein (genannt „Mauersäge“), der adlige Hausherr und Vermieter, drückt des Öfteren ein Auge zu. Und das ist nötig, denn „Brav sein“ gehört nicht zum ritterlichen Ehrenkodex! Der Schulkapitän Ottokar, der Musterschüler Strehlau, der Kraftprotz Dampfwalze und der kleine, aber schlagfertige Mücke gehören sozusagen zum „Generalstab“ der Schreckensteiner Ritter. Eine innige Hass-Liebe verbindet diese mit den jungen Damen vom nahen Mädchenpensionat Schloss Rosenfels. Was mir persönlich an diesen amüsanten und unterhaltsamen Internatsgeschichten nicht ganz behagt, ist das politische Prinzip. Ein mehr oder weniger selbsternanntes Führungsgremium fällt (ohne jede Legitimation) Entscheidungen und die Übrigen haben sich gefälligst daran zu halten. Renitenz wird nicht geduldet! Wer – wie der Neuling Stephan – nicht freiwillig pariert, wird nötigenfalls mit Gewalt „bekehrt“. Der manchmal geradezu rabiate Gruppendruck und der „Korpsgeist“ der Schreckensteiner, verbunden mit einem gewissen Harte-Kerle-Kult, haben in diesem Fall zwar ausgesprochen positive Folgen, aber es könnte auch anders sein…

Bei buchplanet.ch sind zwei Sammelbände mit insgesamt sechs Schreckenstein-Geschichten erhältlich. Man merkt den Büchern an, aus welcher Zeit sie stammen. Die Schüler haben teilweise recht ulkige Vornamen, es gibt noch ganz offiziell „Fräuleins“ – insbesondere aber riecht man die Epoche der antiautoritären Erziehung.

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