Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst!

Heute gibt es ausnahmsweise zwei Blogs! Tolldrastische Geschichten (Contes drolatiques) heisst ein Buch von Honoré de Balzac. Der Titel ist Programm.

Es handelt sich um Erzählungen, die im Mittelalter oder in der Renaissance spielen und in denen es allerdings tolldrastisch zugeht. Da geht die Post ab! Es wird gekämpft und ge***, bis die Schwarte kracht! Einige Kostproben gefällig?

So war nun Bruyn just in der rechten Laune, für nichts und wieder nichts um sich zu hauen und zu stechen, dem ersten besten alle Knochen im Leib entzweizuschlagen und mit einem jeden, der ihm über den Weg lief, Händel vom Zaun zu brechen, um eines strittigen Fliegendrecks willen. (Meistens bleibt es nicht bei der blossen Laune.)

Ach“, seufzte Blanche, „wäre doch dieser Edelknabe nur schon fünfzehn Jahre alt, wie gerne wollte ich in seiner Nähe einschlafen!“ (Ähem, kein Kommentar!)

Kommt näher“, hauchte sie mit leiser Stimme, denn das Bübchen gefiel ihr so gut, dass sie darob gänzlich von Sinnen ward. (Es ist derselbe Edelknabe wie oben.)

Der Schäfer, todesmutig wie ein Mensch, der nur noch ein Ziel im Auge hat, riss die Tür zu dem prächtigen Gemach auf, in dem die Paquerette schlief, und sah sie entstellt und grässlich zugerichtet mit wirren, aufgelösten Haaren und verdrehtem Hals blutüberströmt auf dem Teppich liegen. (Mahlzeit!)

Geradeso machte es der arme Keuschling, der, als der Tag zu Grauen anfing, sich genötigt sah, seiner geliebten Frau zu gestehen, er wisse nicht, wie er seines Amtes walten müsse, noch sei ihm überhaupt klar, was seines Amtes sei, auch nicht, wo und warum dies sein Amt vollzogen werde. (Es hat ihn nämlich niemand aufgeklärt. Aber grammatikalisch gesehen ist es ein wunderbarer Satz, nicht wahr?)

Und so geht es weiter, Hunderte von Seiten lang! Nicht nur der Adel wird von Balzac zur Kasse gebeten, sondern auch die Geistlichkeit.

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