Der Glöckner der Oper

Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame (Blog vom 26. Mai 2016), und Erik, das Phantom der Oper (Blog vom 3. Mai 2018), sind Leute, die wegen ihres abnormen Aussehens von der Menschheit ausgestossen wurden. So ähnlich fühlt sich die Hauptperson in Wonder von R. J. Palacio.

August Pullman, genannt Auggie, ist eigentlich ein ganz gewöhnlicher zehnjähriger Junge. Eigentlich! Allerdings leidet er seit seiner Geburt an einer fürchterlichen Gesichts-Deformation, die ihn zum Aussenseiter macht. Dass andere Kinder auf dem Spielplatz bei seinem Anblick schreiend davonrennen; dass selbst Erwachsene unwillkürlich vor einer Berührung mit ihm zurückschrecken – aus Angst, es könnte womöglich ansteckend sein; das hat Auggie alles schon erlebt. Er liebt Halloween, weil er sich dann kostümieren und maskieren, kurz: sein Gesicht verbergen kann, ohne weiter aufzufallen. Bisher wurde er zuhause unterrichtet, jetzt soll er zum ersten Mal in seinem Leben eine öffentliche Schule besuchen. Ein grosser Schritt für den schüchternen Auggie! Was soll aus ihm werden, wenn er sich nicht mehr gewissermassen „im Keller des Opernhauses“ verbergen kann, sondern unter die Leute muss, ohne Maske und ohne Astronautenhelm? Wie werden die anderen Kinder auf ihn reagieren? Glücklicherweise findet Auggie in Summer und Jack Freunde, die erkennen, welche Qualitäten sich hinter der Fratze verbergen. Der Knabe mit den bis dato 27 Operationen ist nämlich sympathisch, witzig und sehr klug. Leider kommen diese Eigenschaften viel zu selten zur Geltung, weil die meisten Leute bei Auggies Anblick reflexartig auf Distanz gehen.

2017 wurde Wonder verfilmt, mit einem grossartigen Make-Up für Auggie. Bei buchplanet.ch ist die englische Originalversion des Romans erhältlich.

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