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10. Juli 2018

Die Fahrt der Frau Benz

von Gabriel Weber

Berta Benz, die Gattin von Carl Benz, fuhr 1886 mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard von Mannheim nach Pforzheim – die erste Autoreise der Geschichte. Frau Benz wollte der Welt (und insbesondere ihrem Ehemann) beweisen, dass diese neue Maschine etwas taugte.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Auto ein kostspieliges Luxusobjekt. Unternehmen wie Rolls-Royce (Blog vom 29. März 2016), Maybach und Duesenberg bauten exquisite Strassenkreuzer für eine wohlhabende Kundschaft. Obwohl die Vorteile des Kraftwagens offensichtlich waren (im Gegensatz zu Pferden verbraucht er nur dann Treibstoff, wenn man ihn benutzt), hatte das Automobil in manchen Gegenden Mühe, sich durchzusetzen. Kaum hatte man sich einigermassen an das neue Verkehrsmittel gewöhnt, wollte man auch schon seine Grenzen austesten. Autorennen kamen in Mode, immer noch weiter und noch spektakulärer. Einer der Höhepunkte war das Rennen Peking-Paris im Jahr 1907 (siehe Blog vom 20. Oktober 2015). In den 1950er Jahren begann schliesslich das Zeitalter des Autos als Massenprodukt, und zwar mit allen Nebenwirkungen. 30 Jahre später wurde der „Umweltverschmutzer Nummer 1“ dann vom Sockel gestürzt. Ein eigenes Kapitel ist die Beziehung zwischen dem Auto und dem Kino. Das Automobil und der Film sind nicht nur fast gleich alt, sie haben sich auch gegenseitig beeinflusst, man denke nur an James Bonds legendären Aston Martin in Goldfinger oder an das Wunderauto Chitty-Chitty-Bang-Bang (siehe Blog vom 19. Januar 2016).

Jetzt bei buchplanet.ch: Eine Jahrhundertliebe. Menschen und Automobile von Judith Jackson. In zahlreichen Bildern (und mit einem Geleitwort von Henry Ford II, dem Sohn von Autokönig Henry Ford) erlebt man da die ganze Geschichte der „Kutschen ohne Pferde“.

5. Juli 2018

Will ich in mein Gärtlein geh’n…

von Gabriel Weber

Auf weit mehr als das „bucklicht Männlein“ aus dem Gedicht stossen die Protagonisten im Jugendbuch Wolfsgarten von Antonia Michaelis.

Achim und Karl sind zwei Jungen, die in einem Kinderheim aufgewachsen sind. Inzwischen leben beide in Adoptivfamilien, aber jetzt kehren sie noch einmal in das Heim zurück, in dem sich nämlich rätselhafte Dinge abspielen. Achim und Karl finden in der Nähe des Kinderheims einen ummauerten Garten, in dem ein uraltes, verlassenes Herrenhaus steht. Das wäre ja noch nicht so aussergewöhnlich – aber die Tatsachen, dass sich erstens das Tor des Gartens von innen nicht mehr öffnen lässt und dass sich zweitens die Jungen, als sie schliesslich über die Mauer klettern, in einer völlig fremden Welt wiederfinden, sind doch recht merkwürdig. Die Strassen und Häuser ausserhalb des Gartens sind plötzlich verschwunden, stattdessen erstrecken sich Getreidefelder bis zum Horizont, nur das bewusste Kinderheim ist noch da. Dort lebt jetzt eine Gruppe von Kindern unter dem strengen Regiment einer gewissen Frau Heinrich, welche die Kinder zu einem intensiven Lauf-Training zwingt. Aber wozu? Was ist mit den „Hohen Herren“, von denen immer wieder die Rede ist? Wer sind die weisse und die schwarze Gestalt, die im Garten herumgeistern? Wer ruht unter der Grabplatte vor dem Herrenhaus? Lässt ein mysteriöser Tee die Trinkenden alles vergessen? Gibt es im Garten tatsächlich Wölfe, wie behauptet wird? Wo sind Achim und Karl überhaupt? Und wie zum Kuckuck kommen sie wieder nach Hause?

Was als reine Fantasie-Geschichte beginnt, bekommt ganz plötzlich eine neue, historisch-politische Komponente. Die beiden Protagonisten bilden ein geradezu klassisches Duo: Achim ist der schüchterne, zurückhaltende Denker – Karl der kräftige, zupackende Mann der Tat. Ihre Beziehung zueinander wird im Laufe dieser Geschichte auf eine harte Probe gestellt. Achim will sich nicht mehr dauernd von Karl beschützen lassen und Karl will nicht mehr, dass Achim ständig für sie beide denkt.

3. Juli 2018

Hereinspaziert!

von Gabriel Weber

„Wenn ich in den Zirkus gehe, abends dann und wann…“ Das ist aus Emmerich Kalmans Operette Die Zirkusprinzessin. Genau in diesem Milieu spielt auch das Kinderbuch Die Zirkusbuben von Jenö Marton.

Jimmy und Jacky Fontanelli sind Zwillinge, Söhne des Zirkusdirektors Orlando Fontanelli und die jüngsten Kunstreiter der Welt. Als besonderes Merkmal tragen sie stets Breecheshosen (elegante Reithosen, die am Oberschenkel weit und am Unterschenkel eng sind) und Reitstiefel. Mit dem elterlichen Zirkus ziehen sie durch die Welt und erleben dabei so Manches. Zum Beispiel adoptieren sie mit dem Waisenjungen Jonny noch einen dritten Zwilling bzw. Drilling dazu. Aber am wichtigsten ist die Reise nach Atlantika. Die Zirkusbuben planen nämlich nicht nur eine spektakuläre neue Nummer für diese Tournee, sondern sie sind auch den dubiosen Machenschaften eines Tierwärters mit dem hochtrabenden (angeblichen) Namen Jean Jacques de Huquenbergée auf der Spur. In der atlantikanischen Stadt Coxburry machen Jimmy, Jacky und Jonny zunächst die Bekanntschaft von Betty, der Tochter des steinreichen Industrie-Magnaten Thomas Th. Knätschbull. Ausserdem schliessen die Zirkusbuben auch noch weitere nützliche Freundschaften mit einheimischen Kindern. Wird es ihnen wohl gelingen, den Schmugglern in der Flibustierbucht das Handwerk zu legen?

Eine echte Trouvaille im Katalog von buchplanet.ch, vom Autor selber originell illustriert.

28. Juni 2018

Von Hunden und Pferden

von Gabriel Weber

Da wir gerade von Detektiven sprechen: Ein ganz frühes Exemplar dieser Spezies findet man bei Voltaire. Moment mal! Hat Voltaire (vergleiche Blog vom 26. September 2013) etwa Krimis geschrieben? Das nicht gerade, aber in seinem Roman Zadig erlebt das Publikum ein Kabinettsstück des detektivischen Spürsinns.

Zadig ist ein ebenso reicher wie kluger junger Mann, der in Babylon lebt. Eines Tages werden der Hund der Königin und ein Pferd aus den königlichen Stallungen vermisst. Zadig kann über die Tiere genau Auskunft geben: Es handelt sich einerseits um eine kleine Hündin mit langen Ohren, die erst kürzlich Junge bekommen hat und auf dem linken Vorderfuss hinkt. Und andererseits um ein 5 Fuss hohes Pferd mit auffallend kleinen Hufen und einem 3,5 Fuss langen Schweif. Die Buckel des Zaumzeugs sind aus Gold, die Hufeisen aus Silber. So weit, so gut. Bloss… Zadig hat keines der beiden Tiere je gesehen. Aber er hat Spuren entdeckt: Pfotenabdrücke eines kleinen Hundes, wobei beim linken Vorderfuss der Sand weniger eingedrückt ist, als bei den anderen; längliche Furchen, die nur von herabhängenden Zitzen herrühren können; herabgefallene Blätter, die aus einer Höhe von 5 Fuss stammen; Abrieb von Metall an einem Stein…

Das nenne ich Schlussfolgerungen! Sherlock Holmes hätte es kaum besser machen können.

26. Juni 2018

Kombiniere…

von Gabriel Weber

Mal ehrlich: Was wäre die Filmwelt ohne den Kriminalfilm bzw. ohne Detektive?

Angefangen hat es (wie könnte es anders sein) mit… Na? Erraten! Sherlock Holmes. Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam er berühmteste Detektiv der Welt mehrmals auf die Leinwand – obwohl es gerade im Stummfilm eher schwierig war, die komplexen Gedankengänge eines Meisterdetektivs darzustellen – und ist im Lauf der Jahrzehnte immer wieder dorthin zurückgekehrt, dargestellt durch ganz verschiedene Leute von Basil Rathbone über Robert Downey junior bis zu Ian McKellen. Im Fall von Agatha Christie war es so, dass zunächst vor allem ihre „Werke ohne Detektiv“ verfilmt wurden (Ten little Indians, Witness for the Prosecution). Hercule Poirot- und Miss Marple-Filme gab es erst etwas später, da diese Bücher ursprünglich als zu literarisch (zu viel Intellekt, zu wenig Action) für die Leinwand galten. In den Dreissiger Jahren kamen asiatische Detektive in Mode (wohlgemerkt waren nur die Figuren Asiaten, die Darsteller nicht): Charlie Chan, dargestellt von Warner Oland, Mr. Moto, dargestellt von Peter Lorre, und Mr. Wong, dargestellt von Boris Karloff, traten alle in mehreren Filmen auf. Nicht zu vergessen, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, ist natürlich auch der private eye, der typisch amerikanische Privatdetektiv im Trenchcoat – gewissermassen das Gegenteil des klassischen europäischen Lehnstuhl-Ermittlers. Nicht intellektuell, sondern kämpferisch; kein „besserer Herr“, sondern eine eher bescheidene, um nicht zu sagen gescheiterte Existenz; kein idealistischer Verbrechensbekämpfer, sondern ein bezahlter Arbeiter. Oft hat ein solcher private eye, im Gegensatz zu diesen unterkühlten Kopf-Akrobaten, auch ein Privatleben ausserhalb der Arbeit. Humphrey Bogart hat dieses Fach geprägt wie kaum ein anderer. Mit der Zeit entstanden immer wieder neue Sub-Genres des Kriminalfilms, zum Beispiel die Kriminalkomödie, der Krimi mit paranormalem Unterton und der Krimi für Kinder bzw. Jugendliche. Entsprechend gab und gibt es auch immer mehr unterschiedliche Variationen der Detektiv-Figur.

Jetzt bei buchplanet.ch: Filmwissen Detektive von Georg Seesslen.

21. Juni 2018

Keine grosse Freiheit

von Gabriel Weber

In Die kleine Freiheit betrachtet Erich Kästner mit Kurzgeschichten, Liedern und Glossen die ersten Jahre der Bundesrepublik Deutschland.

Die grosse Freiheit ist es nicht geworden. / Es hat beim besten Willen nicht gereicht. So kommentiert Kästner ohne Illusionen den Neuanfang nach dem Krieg. Den Schulkindern gibt er einige gute Ratschläge mit: Haltet das Katheder weder für einen Thron noch für eine Kanzel! Lacht die Dummen nicht aus! Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Auch das Goethe-Jahr 1949 wird eingehend betrachtet, besonders die zahlreichen Publikationen dazu: „Goethe und die Bekämpfung der Kleidermotten“, „Goethe als Christ“, „Goethe als Atheist“, „Goethe als Junggeselle“, „Goethe und die doppelte Buchführung“ und so weiter und so fort. „Wir haben ziemlich jeden Schwur / geschworen und gehalten. / Das liegt nun mal in unsrer Natur / und wir sind noch ganz die alten. / Wir kommen, sehen und siegen / in ziemlich allen Kriegen, / ganz wurscht, unter welcher Regierung.“ Wem legt Kästner wohl diese Worte in den Mund? Ganz einfach: Die militärische Wiederaufrüstung der jungen Bundesrepublik brachte vielen ehemaligen Wehrmachts-Generälen wieder Arbeitsmöglichkeiten.

Dann gibt es, wie überall, in der BRD auch den Pechvogel. Der Pechvogel hat immer die Finger dazwischen, wenn irgendwo eine Tür zufällt. Sogar dann noch, wenn es sich zuletzt um die Himmelstür handelt…

18. Juni 2018

Klimbim

von Gabriel Weber

(Dies ist mein Blog Nr. 450!) Einer der grössten Skandäle in der Geschichte Frankreichs war im Jahr 1785 die sogenannte Halsbandaffäre (L’affaire du collier).

Louis René Édouard de Rohan –  Aristokrat, Kardinal, Bischof von Strassburg, Gross-Almosenier von Frankreich etc. – hatte fast alles. Doch etwas fehlte ihm: Königin Marie Antoinette strafte ihn mit Verachtung. Um die Gunst Ihrer Majestät zu gewinnen, war der lebenslustige Kirchenfürst bereit, fast alles zu tun. Jeanne de La Motte war eine verkrachte Gräfin, die unbedingt ein Leben in Saus und Braus führen wollte. Zu diesem Zweck becircte sie den Kardinal, tat so, als verstehe sie sich gut mit der Königin, und bat ihn „für sie“ um Geld. Kardinal de Rohan tat ihr natürlich gern den Gefallen. Zur gleichen Zeit hatte zwei Pariser Juweliere ein Diamanten-Collier fabriziert, dass nicht seinesgleichen hatte; Die Königin zeigte jedoch wenig Interesse. Deshalb wandte sich die Juweliere Böhmer und Bessange mit der Bitte um Fürsprache an Madame de La Motte, die angebliche Busenfreundin der Königin. Das Ende vom Lied: Die Königin sah das Collier nie; Die Juweliere sahen ihr Geld nie; Die La Motte verduftete mit den Diamanten; Rohan, der die Sache vermittelt und für die Bezahlung gebürgt hatte (im Glauben, Ihrer Majestät damit einen Gefallen zu tun), war blamiert. Er wurde sogar verhaftet, später allerdings freigesprochen. Der Skandal war auf jeden Fall perfekt. Umso mehr, als auch ein guter Bekannter des Kardinals, Graf Cagliostro, in die Sache verwickelt zu sein schien. Ungerechterweise entlud sich der Volkszorn weder über Seiner leichtgläubigen Eminenz noch über der später verurteilten Comtesse, sondern über der schon damals sehr unbeliebten Marie Antoinette.

Nachlesen kann man die ganze Geschichte in Marie Antoinette und die Halsbandaffäre von Benedetta Craveri. Wie konnte aus einem im Grunde harmlosen Betrug eine solche Staatsaffäre werden? Auch sonst gibt es in diesem Thriller noch einige offene Fragen.

14. Juni 2018

Bilder eines Jahrhunderts

von Gabriel Weber

Decades enthält unzählige Fotos aus dem 20. Jahrhundert. Nach Jahrzehnten geordnet und ausführlich kommentiert, wird so eine zum Teil noch gar nicht so ferne Zeit lebendig.

Willy Brandts Kniefall in Warschau (1970), Wladimir Lenin in seinen letzten Wochen (1923), Emmeline Pankhurst wird nach einer politischen Aktion vor dem Buckingham Palace von der Polizei buchstäblich weggetragen (1914), Sowjetische Panzer rollen durch Budapest (1956), Michail Gorbatschow und Ronald Reagan in Genf (1985). Leute wie Harry Houdini (1900), James Matthew Barrie (1906), Mata Hari (1907), Anna Pawlowa (1913), Josephine Baker (1920), Walt Disney (1924), Shirley Temple (1935), Edith Piaf (1960), Orson Welles (1971) und Günter Grass (1997). Zu sehen gibt es Kuriositäten wie den achtjährige Mark Harman aus London, der pro Woche sechs Stunden lang zur Entspannung auf einem Nagelbett liegt (1976) oder eine Karmeliterin, die der Kamera den Rücken zuwendet, weil die Ordensregeln ihr verbieten, ihr Gesicht der Aussenwelt zu zeigen (1904). Der kleine Maharadscha von Jodhpur spielt, auf einem vornehmen Stuhl sitzend, selbstvergessen mit einem einfachen Spielzeughäuschen (1925). Kriminalbeamte testen eine kugelsichere Weste – über das Schicksal des Mannes, der die Weste bei diesem Test trug, ist leider nichts bekannt (1930). Ein älterer, vollschlanker Lette promeniert am Nudisten-Strand (1992).

Nicht zu vergessen sind natürlich auch Szenen aus dem Alltagsleben von damals. Haushalt, Schule, Sport… Grandiose neue Errungenschaften wie das Telefon oder das Flugzeug…

12. Juni 2018

Die Krone im Tornister

von Gabriel Weber

Ein weiteres „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann – nennen wir ihn ganz einfach Karl. Karl stammt aus relativ bescheidenen Verhältnissen und beginnt seine Karriere als einfacher Soldat. Innerhalb von 24 Jahren bringt er es bis zum Marschall, dem höchsten Dienstgrad in seiner Armee. Während er noch Unteroffizier ist, ereignet sich in seiner Heimat nämlich ein politisches Erdbeben, infolgedessen die Offizierslaufbahn fortan nicht mehr den Adligen vorbehalten ist. Seine Karriere schafft Karl zum Teil im Gefolge eines anderen Militärs, der zuerst im eigenen Land die Macht übernimmt und schon wenige Jahre später den grössten Teil Europas beherrscht. Und eines Tages nimmt Karls Leben ein ganz unerwartete, geradezu märchenhafte Wendung. In einem Land im Norden wird dringend ein Thronfolger gesucht. Karls militärisches Können und seine Beziehungen zum damaligen Herrscher Europas geben den Ausschlag; der vom einfachen Soldaten zum Marschall aufgestiegene Bürgerliche wird vom Parlament des betreffenden Landes zum Thronerben gewählt und vom alten, kinderlosen König adoptiert. Acht Jahre später stirbt dann der König und Karl (der den Sturz seines einstigen Förderers dadurch überstanden hat, dass er rechtzeitig die Seite wechselte) besteigt im Alter von 55 Jahren den Thron. Es ist im wahrsten Sinn des Wortes die Krönung seiner Laufbahn.

Vom Tornister über den Marschallstab zur Königskrone – Jean Baptiste Bernadotte bzw. König Karl XIV. von Schweden und Norwegen (1763-1844) und seine Frau Desirée Clary bzw. Königin Desideria (einst die Verlobte Napoleons) begründeten eine Dynastie, die bis heute auf dem schwedischen Thron sitzt. Bürger – Marschall – König ist eine Publikation zu einer Ausstellung auf der Insel Mainau 1998.

7. Juni 2018

Schützen wir die Lehrer!

von Gabriel Weber

Dass Schüler von Lehrern gepiesackt werden, ist ja nichts neues. Im Deszö Kosztolanyis Roman Der Goldene Drachen ist es einmal anders herum.

Doktor Antal Novák ist Mathematik- und Physiklehrer am Gymnasium einer kleinen Stadt in Ungarn. Die Schüler grinsen über seinen Strohhut, über seine Anzüge, über seine Gewohnheiten, aber im Grunde ist er gar nicht so unbeliebt. Übrigens ist der Doktor Witwer und hat eine Tochter namens Hilda. Diese wiederum ist mit dem Schüler Tibor Csaijkás liiert, was ihr Vater gar nicht schätzt. Vili Liszner, Gyuszi Oláh, Bandi Huszár und die anderen Pennäler bereiten sich inzwischen auf das Abitur vor, allerdings mit wenig Enthusiasmus. Besonders Vili hat mit der Schule wenig am Hut; er ist Sportler, ein richtiger Athlet, und dafür braucht er weder Quadratwurzeln noch Pendelbewegungen! Novák wiederum kann nicht begreifen, warum er sich eigentlich jahrelang mit so einem vernagelten Burschen herumschlägt. Dann kommt es zum offenen Konflikt: Vili fällt beim Abitur durch und sinnt auf Rache. Eines Abends wird der nichtsahnende Doktor Novák auf der Strasse überfallen und verprügelt. Und das ist erst der Anfang…

Schützen wir die Polizei! forderte einst Georg Kreisler (siehe Blog vom 12. November 2013). Ich würde sagen: Schützen wir die Lehrer! Sie haben es nötig!