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19. September 2017

Uuund Action!

von Gabriel Weber

Das Hollywood alten Stils, das Hollywood der 30er Jahre ist die Szenerie, in welcher der Roman Die Liebe des letzten Tycoon von F. Scott Fitzgerald (Der grosse Gatsby) spielt.

Monroe Stahr ist zwar noch nicht alt, aber ein Filmproduzent der alten Schule: Er regiert unumschränkt in seinem Studio, ist immer und überall mit dabei, dirigiert die Herstellung seiner Filme vom Anfang bis zum Schluss. Mitten in diesem Eintopf aus Kunst und Geschäft investiert er eine Menge Herzblut; Mittelmass oder Banalität wird nicht geduldet. Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren – Stahr jongliert mit vielen Leuten, um gute Filme zu machen. Eines Tages (bzw. eines Nachts) geschieht es, dass er, der Witwer, sich verliebt. Bis über beide Ohren. Kathleen Moore heisst die junge Dame, die übrigens, im Gegensatz zu vielen anderen jungen Damen, überhaupt nicht an einer Film-Karriere interessiert ist. Stahr ist so sehr von ihr fasziniert, dass er die Annäherungsversuche von Celia Brady, der Tochter seines Geschäftspartners (und Ich-Erzählerin des Romans), völlig übersieht. Jetzt ist natürlich die grosse Frage: Was wird daraus? Schliesslich ist das Leben ja bekanntlich kein Film…

Dieses Fragment – Fitzgerald starb 1940 mitten in der Arbeit – ist vermutlich der erste Hollywood-Roman überhaupt. Das Vorbild für Stahr soll Irving Thalberg gewesen sein.

18. September 2017

Aber ich glaub schon

von Julia S.

Aus dem HANDBUCH DES ABERGLAUBENS sind wunderlich und suspekte Dinge zu lesen unter anderem aufgeschlagen bei A wie Achsel: Die A.höhle ist vielfach für den Zauber bedeutsam, weil sie für die Entstehung des Körpergeruchs wichtig ist. Aus der A.höhle stammendes fein geschnittenes Haar wird von den Mädchen unbemerkt dem geliebten Mann zu essen gegeben, worauf er unlöslich an sie gebunden ist. Bon appétit, kann ich da nur wünschen – igitt igitt igitt mi früürts – oder ich probiere es mal aus?! Dann gehen wir lieber dem Schmalzvogel auf den Grund, also dem Buttervogel: Eigentlich eine Hexe in Schmetterlingsgestalt, die in dieser Form leichter an Butter und Milch herankommt. Die gleiche Vorstellung liegt dem englischen Wort für Schmetterling, butterfly, zugrunde. Überdies haben Sie vielleicht schon von dem Gähnen gehört: Weit verbreitet ist der Gedanke, dass einerseits beim Gähnen die Seele durch den Mund entweichen, andererseits wie eine Mücke der Teufel in dieselbe eindringen kann. So soll sich der Gähnende zur Sicherheit am besten im Namen der heiligen Dreifaltigkeit bekreuzigen, zumindest aber die Hand vor den Mund halten. Soviel zu dieser höflichen Geste. Ein Brauch, der es ebenfalls in unsere Zeit geschafft hat ist der Hals und Beinbruch: Da im Zauberglauben der Wunsch häufig mit einer Beschwörung gleichbedeutend ist, kann auch durch die Umkehrung ein negativer Wunsch eine positive Bedeutung erlangen. So wünscht man H. u. B., um das gewünschte Glück nicht durch Bereden zu verrufen. Die Mundsperre ist: Den Vögeln, die Saatschädlinge sind, hatte man die M. angezaubert, indem der Bauer ein paar Körner in den Mund nahm und auf den Acker spuckte. Man verwendete gegen die M. auch ein Hängeschloss, das verkehrt an der Stalltüre hing. Zum Schluss der allseits beliebte Zucker: Gegen Schluckauf muss man ein Stück Zucker essen. Auf Granulationen in einer Fleischwunde streut man weissen Zucker als Sympatiemittel. Und gegen Rotlauf hilft das blaue Papier, in das Zuckerhüte eingepackt sind. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Heilmittel nicht irgendwann einer modernen Designänderung zum Opfer fällt. Mit drei Bänden sind Sie über die Wintermonate, am warmem Kaminfeuer und den wandelnden Schatten bestens unterhalten, den uns noch heute geläufigen Redewendungen auf den Grund zu gehen. Vom Aal bis zur Gyromantie, vom Haar bis zum Otterköpfchen (weiss der Geier was das ist?!) und vom Palm bis zum (Sonntag) ach nein bis zum Z wie Zypresse.

14. September 2017

Bewahret Euch vor Weibertücken!

von Gabriel Weber

Dieses Zitat aus der Zauberflöte könnte man Christoph Nettersheims Buch Schrecklich nette Frauen als Motto voranstellen. Darin erzählt er von 30 historischen Verbrecherinnen und ihren Untaten – teils widerwärtig und degoutant, teils skurril bis tragikomisch, aber jedenfalls in perverser Weise faszinierend.

Neben den „Stars“ wie Bonnie Parker (von Bonnie and Clyde) und Belle Starr gab es da zum Beispiel die Quacksalberin Linda Burfield Hazzard, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihrer Klinik für Fastenkuren die Patienten buchstäblich verhungern liess, um sich dann ihr Geld unter den Nagel zu reissen. Vera Renczi hatte solche Angst davor, verlassen zu werden, dass sie auf Nummer sicher ging – und jeden Mann, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte, tötete (insgesamt 2 Ehemänner und rund 30 Liebhaber). Auf der Suche nach dem Mann fürs Leben räumte Nannie Doss rücksichtslos alle, die ihr im Weg standen, aus demselben (darunter 4 ihrer 5 Ehemänner). Als Giftmischerin im grossen Stil betätigte sich Gesche Gottfried aus Bremen (15 Opfer). Vergleichsweise harmlos waren die Vergehen der Hochstaplerin Cassie Chadwick, die eine ganze Bank in die Pleite trieb, und der Betrügerin Adele Spitzeder, die um 1870 herum in München Tausende von Anlegern um ihr Geld prellte. Kate Barker kochte und wusch für ihre vier kriminellen Söhne, weiter nichts; erst nach ihrem Tod 1935 machte sie in der Populärkultur Karriere als die legendäre Bandenchefin Ma Barker. Am grusligsten sind die Geschichten von Mörderinnen wie Belle Gunness, Kate Bender oder Sharon Kinne, die eines Tages von der Bildfläche verschwanden, ohne dass irgendjemand mit Sicherheit weiss, was aus ihnen geworden ist…

Walburga Oesterreich (die hiess wirklich so), genannt Dolly, schiesst bezüglich Skurrilität ihres Falles den Vogel ab: Sie verhalf ihrem Liebhaber zur Flucht, nachdem dieser ihren Ehemann erschossen hatte. Das Besondere daran? Der Liebhaber hatte zuvor zehn Jahre lang im Einfamilienhaus der Oesterreichs gewohnt – und zwar auf dem Dachboden, ohne Wissen des Herrn Gemahls.

12. September 2017

Das grosse Goethe-Wort

von Gabriel Weber

Das wohl bekannteste Zitat der deutschsprachigen Literatur findet man im 3. Akt von Johann Wolfgang von Goethes Drama Götz von Berlichingen: „Er aber, sags’s ihm, er kann mich am [oder im] Arsch lecken.“ (Die drei letzen Wörter werden oft unterdrückt.) Heinz-Eugen Schramm untersucht in L. m. i. A. – Götz von Berlichingens denkwürdige Fensterrede die einmalige Karriere dieses Zitats.

…da schrie ich wieder zu ihm hinauf, er sollte mich hinten lecken…“ So steht es in den Memoiren des historischen Götz. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Goethe den fraglichen Kraftausdruck schon in seiner Kindheit gekannt haben dürfte; woher, das wird wohl immer ungeklärt bleiben. Im Laufe der Zeit entstanden dann unzählige Variationen und Umschreibungen von Du kannst mir… oder Du kannst mich... (Ich behaupte, hochgeschätztes Publikum, das jeder und jede von Ihnen einige davon kennt – LMAA zum Beispiel oder LMA²). Übrigens war der Herr Geheime Rat aus Weimar nicht der einzige Klassiker, der das A-Wort kannte und benutzte. Auch Leute wie Mozart oder Luther konnten sich recht deftig ausdrücken.

Das Buch enthält auch einen Sprachführer, in dem aufgelistet ist, wie das „Grosse Goethe-Wort“ in anderen Sprachen lautet. Zum Beispiel auf Lateinisch: Lambe mihi podicem! Oder auf Schweizerdeutsch: Bloos mir is Füdli!

11. September 2017

Ich gehöre ihm

von Julia S.

Kaum den ‚Chatroom-Falle‘-Blog (vom 21.8.2017) geschrieben, flattert eine neue Warnung aus dem Bücherregal. Hierbei handelt es sich um ein hochaktuelles Thema, das sich weiter verschärft. Es wuchert schon einige Jahre, scheint aber immer wieder in Vergessenheit zu geraten. Gemeint ist die Loverboy-Methode. Die Holländerin Merel van Groning, als Opfer dieser Erfahrung erzählt in ihrem Buch über ‚Gefangen im Netzt eines Loverboys‘ UND PLÖTZLICH GEHÖRST DU IHM… (Zu dem gleichen Thema gibt es einen Film: „Ich gehöre ihm“). Was sich in den Niederlanden ausgebreitet hat, ist in Deutschland und anderswo längst keine Seltenheit mehr. Es war bekannt, dass diese meist jungen Männer auf Schulhöfen, in Jugendtreffs, Fastfood-Restaurants oder natürlich im Internet Mädchen und sehr junge Frauen kontakten. Mädchen, die freigiebig Informationen über sich, ihre Lebenssituation, ihre Probleme in Chatforen preisgeben, sind ein leichtes Ziel für einen Loverboy, denn diese Informationen kann er für sich nutzen, um gezielt auf ein Mädchen eingehen zu können. Er spricht es an, hält den Kontakt, schenkt ihm Beachtung, verwöhnt es mit Aufmerksamkeit, mit Geschenken und Einladungen und heuchelt echte Zuneigung und die grosse Liebe. So beginnt für die Mädchen der Weg in die emotionale Abhängigkeit, schnell vernachlässigen sie sämtliche anderen Freundschaften und die Familie oder lehnen sie sogar völlig ab. Erst wenn das Mädchen regelrecht isoliert ist, wendet sich das Blatt: Dann sind sexuelle Gewalt und weitere kriminelle Handlungen der Loverboy-Täter an der Tagesordnung. Opfer sind aus allen Gesellschaftsschichten verzeichnet. (Alarm-Anzeichen sind mit Sicherheit, wenn der eigene Freund verlangt, dass das Mädchen mit seinen Freunden schläft. In einer gesunden Beziehung mit echter Liebe würde der Freund darüber Eifersüchtig sein.)

Merel ist das erste Mal verliebt und trifft auf Mike, der um einiges älter ist. Er überhäuft sie mit Komplimenten macht Geschenke, isoliert sie von ihrer Familie. Er achtet peinlich genau darauf, dass die Schule besucht und ihre Hausaufgaben erledigt werden. Er wird zu ihrem Mittelpunkt und macht sie von sich abhängig. Sie ziehen zusammen in eine Wohnung und er vermittelt Merel Liebe und Sicherheit. Er beteuert, sich immer um sie zu kümmern. Plötzlich schlägt sein Verhalten um und er vernachlässigt sie regelrecht bis sie Unterernährt ist. Nach scheinbar finanziellen Problemen glaubt Merel sogar selbst, dass es keinen Ausweg mehr gibt als den, dass sie sich verkauft…“

Die Eltern und die Polizei kämpfen gegen die Macht sogenannter Loverboys. Oft ist es zu spät. Im schweizerischen Gesetzbuch (StGB) werden Menschenhandel, Selbstbestimmungrecht und die Entscheidungsfreiheit immer wieder angepasst, dass Opfer besser geschützt werden. Leider werden sehr wenige Fälle zur Anzeige gebracht. Für Eltern gibt es genaue Informationen bei eilod.de eine Elterninitiative, die ein betroffener Vater ins Leben gerufen hat. Die Institution ‚Liebe ohne Zwang‘ lehrt mit Workshops an Schulen, die Loverboymasche zu entlarven und das Selbstbewusstsein zu stärken! Klären auch Sie auf. Danke.

 

7. September 2017

Möbellos

von Gabriel Weber

Stellen Sie sich einmal vor, geschätztes Publikum: Sie kommen eines Abends nichtsahnend nach Hause und die Wohnung ist leer. So ergeht es Mr. und Mrs. Ransome in Alan Bennetts Così fan tutte.

Bei der Rückkehr von einem Opernbesuch müssen die Ransomes feststellen, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Doch die Täter haben nicht bloss einige Wertgegenstände mitgehen lassen, sondern die komplette Wohnungseinrichtung, vom Bett im Schlafzimmer bis zum letzten Teelöffel in der Küche, nicht einmal das Toilettenpapier haben sie da gelassen (deshalb muss das Così fan tutte-Programm zweckentfremdet werden…). Dieser neue Sachverhalt stellt die Eheleute Ransome vor verschiedene Probleme: Wie ruft man die Polizei, wenn man kein Telefon mehr hat? Was soll man essen, wenn der Backofen mitsamt dem darin befindlichen Schmorbraten verschwunden ist? Nach den ersten paar Dutzend Schrecksekunden entdeckt Mrs. Ransome das Positive an der Situation. Ihre Ehe ist im Grunde schon seit längerer Zeit ein Auslaufmodell; ihr Gatte und sie haben sich nicht mehr viel zu sagen. Mr. Ransome scheint sich mehr für Klassische Musik zu interessieren als für seine Frau Gemahlin. Vielleicht könnte dieser Ausbruch aus der faden Alltags-Routine ihrem Leben wieder neuen Schwung geben…

Richtig interessant wird die Geschichte, als der Hausrat plötzlich wieder auftaucht!

5. September 2017

Si tu veux faire mon bonheur, Marguerite

von Gabriel Weber

Ein weiteres Exemplar aus meiner Sammlung „Wahre Märchen“:

Es war einmal eine Frau namens Marguerite. Sie wird in New York geboren, und zwar in eine steinreiche Familie Schweizer Abstammung hinein. Vom Reichtum ihrer Familie hat sie allerdings nicht besonders viel; als ihr Vater 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kommt, ist er längst aus dem Familienunternehmen ausgeschieden und hinterlässt nur relativ wenig Geld (aber „relativ wenig“ ist in diesem Fall immer noch eine ganze Menge!). Als junge Frau entdeckt Marguerite dann die beiden Leidenschaften, die ihr ganzes Leben bestimmen werden: die Kunst – und die Männer. Wassily Kandinsky, Max Ernst, Jackson Pollock, Hans Arp und Sophie Taeuber, Piet Mondrian, Alexander Calder, Fernand Léger, Alberto Giacometti, Samuel Beckett – Marguerite kennt und fördert sie alle (obwohl sie, wie gesagt, keineswegs unermesslich reich ist), manche liebt sie auch, den einen oder anderen heiratet sie sogar. Lange lebt die Kunstsammlerin und Galeristin in Paris, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, kehrt sie (als Jüdin) vorübergehend nach Amerika zurück. Ihre Bilder und Skulpturen (im Nazi-Vokabular „entartete Kunst“) hat sie in Frankreich sorgfältig versteckt. Nach dem Krieg kauft Marguerite in Venedig einen alten Palazzo, in dem sie repräsentativ wohnen und ihre ständig grösser werdende Sammlung standesgemäss unterbringen kann. Übrigens besitzt sie die letzte Privat-Gondel in der Geschichte der Lagunenstadt.

Offiziell hiess sie zwar Marguerite, aber für alle Welt war sie Peggy, genauer gesagt Peggy Guggenheim. Ihr Palazzo in Venedig ist heute ein Museum. Ihre Memoiren Ich habe alles gelebt sind jetzt im Katalog von buchplanet.ch zu finden.

4. September 2017

Lebendige Biographien

von Julia S.

In unserem www.buchplanet.ch finden unsere jungen Leser reizvolle Lektüre, Geschichte abenteuerlich zu lernen. Da gibt es zum einen den ‚Leonardo da Vinci, der Zeichner der Zukunft‘ und zum andern ‚Gutenberg und das Geheimnis der schwarzen Kunst‘ (Das ist nicht so düster, wie die Eltern gerade glauben.) Zwei Bücher mit ereignisreichen Lebensgeschichten von wahren Menschen.

Wir erfahren wer Leonardo da Vinci war, sein Name steht für Kunst und Wissenschaft, er war ein Genie als Maler, Architekt, Ingenieur und Forscher und war seiner Zeit Jahrhunderte voraus. Der helle Wahnsinn, wie viele Alltagsmaterialien und Vorgänge wir heute von ihm kennen – die für uns ganz selbstverständlich sind – die da aus seinem Kopf entsprungen sind! Eine Menge kann ich euch sagen! Kaum zu glauben, dass er soviel Zeit gehabt hat, das alles zu erfinden. Nun gut, im Hinblick darauf, dass er nicht vor der Fernsehkiste oder dem Computer sass, könnte man schon annehmen, dass da etwas mehr Zeit übrig bleibt, Nützliches zu erfinden, zu entwerfen, zu bauen und der Menschheit für die Zukunft zu hinterlassen um, sozusagen ewig zu leben.

Johannes Gutenberg erfand im 15. Jahrhundert den Buchdruck – den man die schwarze Kunst nannte – eine Idee die, die Welt veränderte! Aber erst einmal waren da die Kindheitstage, der gebräuchliche Spitzname für Johannes und der witzige Namenshergang, gut wurde daraus ein angenehmer ‚Gutenberg‘. Andere Kinder machten sich über ihn lustig. Wie viele von uns musste auch Johannes durch schwere Zeiten. Aber seine Erfindung, hat das Mediale Zeitalter gebracht. Dank des Buchdrucks konnte sich auf einmal jeder, der lesen und schreiben lernte, Wissen verschaffen. Die einfachen Leute konnten nun selbst die Worte von Jesus Christus lesen, dazu Wörterbücher, Erlasse, medizinische Anweisungen und bald Zeitungen. Und warum ist heute die Gutenberg-Bibel so wertvoll?

31. August 2017

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist

von Gabriel Weber

Im Wiener Stadtpark steht er, die Geige am Kinn, sogar vergoldet: Johann Strauss Sohn, der Walzerkönig. Der Donauwalzer, die Tritsch-Tratsch-Polka, der Kaiserwalzer, die Annen-Polka, Rosen aus dem Süden – „Schani“ Strauss hat der Welt viele unvergessliche Melodien beschert.

Geboren wird Johann Strauss am 25. Oktober 1825. Er ist das erste Kind seiner (übrigens erst seit gut drei Monaten verheirateten) Eltern Johann und Anna Strauss. Johann Strauss Vater (Urheber der heimlichen Nationalhymne Österreichs, des Radetzkymarsches) macht in den folgenden Jahren eine grosse Karriere als Musiker und Orchesterleiter. Das Familienleben hingegen ist ziemlich zerrüttet. 1844 gibt Johann sein Debüt vor Publikum und wird auf einen Schlag der grösste Konkurrent seines Vaters. Nach dessen Tod 1849 ist der Junior der unbestrittene neue Walzerkönig. Johann ist ungeheuer aktiv, schreibt Walzer, Polkas, Quadrillen etc. am laufenden Band, entdeckt später auch die Bühne, unternimmt Reisen, verdient viel Geld, wird mit Ehrungen überschüttet. Selbst der notorisch unmusikalische Kaiser Franz Joseph äussert sich wohlwollend. Doch Johann hat nicht nur Erfolg. Von seinen diversen Operetten können sich längerfristig nur Die Fledermaus und Der Zigeunerbaron wirklich durchsetzen. Das Familienleben bleibt turbulent: Johann heiratet Henriette Treffz, genannt Jetty, eine Frau mit bewegter Vergangenheit. Ihr plötzlicher Tod 1878 stürzt ihn in einer ernsthafte Krise. Völlig überstürzt geht Johann eine zweite Ehe ein, die sich als Debakel erweist. Von Angelika Dittrich, genannt Lily, lässt er sich scheiden – selbst wenn er dafür Staatsbürger von Sachsen-Coburg-Gotha und Protestant werden muss, weil im katholisch-konservativen Österreich damals keine Ehescheidung erlaubt ist – und findet 1887 in Adele Deutsch endlich die richtige Frau für seinen Lebensabend. Am 3. Juni 1899 stirbt Johann unter grosser Anteilnahme der Wiener Bevölkerung, die ihm sogar seine „Auswanderung“ nach Coburg verziehen hat.

Ich liebe die Werke von Johann Strauss sehr. Bei seiner Musik kann man einfach keine schlechte Laune haben. Jetzt bei buchplanet.ch: Johann Strauss. Um die Welt im Dreivierteltakt von Franz Endler.

29. August 2017

Tooooor!

von Gabriel Weber

Von einer etwas ungewöhnlichen Fussballmannschaft erzählt Eduard Bass in seinem Buch Klapperzahns Wunderelf, erstmals erschienen 1922 (einer der ältesten Fussball-Romane überhaupt).

Herr Klapperzahn aus Nieder-Buckwitz in Tschechien hat sage und schreibe elf Söhne. Was tut man mit elf Söhnen? Dumme Frage, man gründet eine Fussballmannschaft! Nach Jahren intensiven Trainings betritt die Klapperzahn-Elf den Rasen – und erobert im Sturm die tschechische Meisterschaft, ohne auch nur ein einziges Gegentor zu kassieren. Doch das ist noch längst nicht alles! Berlin – Mailand – Barcelona (schon damals eine Fussballhochburg) – London (König George V ist very amused, trotz der englischen Niederlage – er verleiht sogar seinen ältesten Sohn, den Prince of Wales, für eine Weile als Ersatzspieler an die Klapperzähne). Nichts scheint die Jungs aus Nieder-Buckwitz aufhalten zu können. Doch dann erleben die Klapperzähne ihre erste Niederlage, und das nicht einmal während eines Spiels. Ein kleiner Junge sagt ihnen mitten in die elf Gesichter, sie würden ja nur des Geldes wegen spielen, er hingegen für die Ehre. Dieser Vorwurf erschüttert die Brüder zutiefst; sie haben sich selber gar nie als Profis verstanden, sondern nur immer voller Leidenschaft gespielt, während ihr Vater – Klapperzahn Senior, Vater, Trainer und Manager in einer Person – für das Geschäftliche zuständig war. Jetzt wollen die Klapperzähne ihre Karriere schleunigst beenden und künftig nur noch als Amateure „tschutten“. Doch ein wichtiges Spiel steht ihnen noch bevor.

Ein witziges Buch, selbst wenn dem Leser (so wie mir) die Welt des Fussballs völlig fremd ist. Im Anhang werden glücklicherweise noch die vielen zeitgenössischen und länderspezifischen Anspielungen im Text erklärt.