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Archiv vom ‘Standart’

19. Juli 2018

Marlenes Suppe

À propos Essen (Blog vom 17. Juli 2018): Interessant ist auch die Frage, was berühmte Leute vor ihrem Ableben gespeist haben.

Es gibt Leute, die ganz genau wissen, welche Mahlzeit ihre letzte sein wird. Marie Antoinette nimmt vor ihrer Enthauptung nur ein Mignonette-Brötchen und ein Tasse Schokolade zu sich. Aus Hühnchen mit Pommes Frites und Erbsen besteht die Henkersmahlzeit von Bruno Richard Hauptmann, ehe der angebliche Mörder des Lindbergh-Babys den Gang zum Elektrischen Stuhl antritt. Heinrich von Kleist isst eine heisse Bouillon, bevor er sich das Leben nimmt. Maria Stuart lässt sich Haferbrot und Wein servieren. Die berühmteste Henkersmahlzeit überhaupt besteht ebenfalls aus Brot und Wein: jene von Jesus. In anderen Fällen ist es eher Zufall. Am Abend vor der Katastrophe, die für ihn tödlich enden wird, geniesst John Jacob Astor auf der Titanic ein Menü mit sage und schreibe elf Gängen. Franklin D. Roosevelt verzehrt einige Löffel Haferschleim. Ein amerikanisches Frühstück ist das letzte, was John F. Kennedy konsumiert. Menelik II., Kaiser von Äthiopien, isst (kein Witz!) einige Seiten aus dem Alten Testament, bevor er dahinscheidet. Marlene Dietrich lässt sich noch einmal ihr Leibgericht zubereiten: Hühnersuppe.

Richard Fasten (welch passender Name!) hat in Das letzte Gericht diese Fakten zusammengetragen, inklusive Rezepte.

17. Juli 2018

Än Guätä!

Auguste Escoffier war zu seiner Zeit der berühmteste Koch der Welt. Sein Kochkunstführer (Guide Culinaire) war bis vor Kurzem bei buchplanet.ch erhältlich. Kaum hatte ich das Buch ins System eingespeist und mit dem Blog angefangen, schon wurde es bestellt.

Wissen Sie,  was ein Sauté de Veau aux Nouilles ist? Nein? Kalbsragout mit Nudeln (Seite 406). Und wissen Sie, was ein Soufflé aux Avelines ist? Was, auch nicht? Haselnuss-Auflauf (Seite 634). Aber dann ist Ihnen doch wenigstens die Potage d’Orge au Céleri ein Begriff? Na, Sie wissen aber auch gar nichts! Das ist Gerstensuppe mit Sellerie (Seite 149). Escoffiers Buch ist sehr gründlich: 82 weisse Saucen, 56 braune Saucen. 11 einfache Salate, 57 zusammengesetzte Salate. Selbstverständlich gibt es nicht nur Rezepte, sondern auch technische Erläuterungen, zum Beispiel folgende: Suppen werden in zwei Kategorien eingeteilt, nämlich klare und gebundene Suppen. Die gebundenen wiederum werden in fünf Arten eingeteilt. Ausserdem ist es in jedem Fall äusserst wichtig, dass die Suppe sehr heiss serviert wird. Neben der Kochkunst kann man hier zugleich auch die französische Sprache erlernen, die Gerichte haben nämlich (auch in der deutschen Version) alle klangvolle französische Namen.

Also, auf in die Küche! Arbeiten wir den ganzen Escoffier systematisch durch, von den Vorspeisen bis zu den Desserts. Guten Appetit!

12. Juli 2018

Nur für Fortgeschrittene!

Es gibt viele Bücher über das Schach (vergleiche Blog vom 13. April 2017), auch solche für Anfänger. Schachphilosophie von Josef Seifert hingegen ist definitiv nur etwas für Fortgeschrittene.

Es gibt viele interessante philosophische Knacknüsse beim Schach. Man stelle sich vor: In der Realität nur ein kariertes Brett (sozusagen das Brett, das die Welt bedeutet) und 32 komische kleine Figürchen – in der Fiktion des Spiels eine ganze Miniaturwelt. Der König als schwache und angreifbare Figur, die aber dennoch direkt oder indirekt das ganze Geschehen bestimmt. Die Dame als starke, dominante Figur, die meistens eine sehr zentrale Rolle spielt (ausgesprochen feministisch). Eine fast unendliche Vielfalt an Möglichkeiten. Regeln, die im Grunde völlig willkürlich sind, aber trotzdem von jedermann eingehalten werden (der Läufer zieht so, der Turm zieht so, der Bauer zieht so…). Daneben gibt es auch noch „inoffizielle“ Faustregeln (zum Beispiel: Möglichst früh das Zentrum besetzen), die nicht willkürlich, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Erfahrung sind. So geht es über 100 Seiten weiter: „Anwendung allgemeiner logischer, ontischer und mathematischer Wesensgesetze beim Schach“ (Du lieber Himmel!), „Empirische und apriorische Erkenntnis notwendiger Gesetze“ (Wie bitte?)… Ein eigenes Kapitel ist der Ethik des Schachspiels gewidmet (es gibt nämlich eine solche!), ein weiteres dem Schach in der Kunst. Ebenfalls betrachtet wird die Frage, ob der Computer je den menschlichen Schachspieler verdrängen wird. Ich persönlich glaube das nicht. Ausserdem macht das Schachspielen gegen Menschen viel mehr Spass, von den Erfolgschancen mal ganz zu schweigen.

Sind Sie noch da, geschätztes Publikum? Lassen Sie sich durch dieses ganze Gequassel ja nicht vom Schachspielen abhalten!

10. Juli 2018

Die Fahrt der Frau Benz

Berta Benz, die Gattin von Carl Benz, fuhr 1886 mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard von Mannheim nach Pforzheim – die erste Autoreise der Geschichte. Frau Benz wollte der Welt (und insbesondere ihrem Ehemann) beweisen, dass diese neue Maschine etwas taugte.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Auto ein kostspieliges Luxusobjekt. Unternehmen wie Rolls-Royce (Blog vom 29. März 2016), Maybach und Duesenberg bauten exquisite Strassenkreuzer für eine wohlhabende Kundschaft. Obwohl die Vorteile des Kraftwagens offensichtlich waren (im Gegensatz zu Pferden verbraucht er nur dann Treibstoff, wenn man ihn benutzt), hatte das Automobil in manchen Gegenden Mühe, sich durchzusetzen. Kaum hatte man sich einigermassen an das neue Verkehrsmittel gewöhnt, wollte man auch schon seine Grenzen austesten. Autorennen kamen in Mode, immer noch weiter und noch spektakulärer. Einer der Höhepunkte war das Rennen Peking-Paris im Jahr 1907 (siehe Blog vom 20. Oktober 2015). In den 1950er Jahren begann schliesslich das Zeitalter des Autos als Massenprodukt, und zwar mit allen Nebenwirkungen. 30 Jahre später wurde der „Umweltverschmutzer Nummer 1“ dann vom Sockel gestürzt. Ein eigenes Kapitel ist die Beziehung zwischen dem Auto und dem Kino. Das Automobil und der Film sind nicht nur fast gleich alt, sie haben sich auch gegenseitig beeinflusst, man denke nur an James Bonds legendären Aston Martin in Goldfinger oder an das Wunderauto Chitty-Chitty-Bang-Bang (siehe Blog vom 19. Januar 2016).

Jetzt bei buchplanet.ch: Eine Jahrhundertliebe. Menschen und Automobile von Judith Jackson. In zahlreichen Bildern (und mit einem Geleitwort von Henry Ford II, dem Sohn von Autokönig Henry Ford) erlebt man da die ganze Geschichte der „Kutschen ohne Pferde“.

5. Juli 2018

Will ich in mein Gärtlein geh’n…

Auf weit mehr als das „bucklicht Männlein“ aus dem Gedicht stossen die Protagonisten im Jugendbuch Wolfsgarten von Antonia Michaelis.

Achim und Karl sind zwei Jungen, die in einem Kinderheim aufgewachsen sind. Inzwischen leben beide in Adoptivfamilien, aber jetzt kehren sie noch einmal in das Heim zurück, in dem sich nämlich rätselhafte Dinge abspielen. Achim und Karl finden in der Nähe des Kinderheims einen ummauerten Garten, in dem ein uraltes, verlassenes Herrenhaus steht. Das wäre ja noch nicht so aussergewöhnlich – aber die Tatsachen, dass sich erstens das Tor des Gartens von innen nicht mehr öffnen lässt und dass sich zweitens die Jungen, als sie schliesslich über die Mauer klettern, in einer völlig fremden Welt wiederfinden, sind doch recht merkwürdig. Die Strassen und Häuser ausserhalb des Gartens sind plötzlich verschwunden, stattdessen erstrecken sich Getreidefelder bis zum Horizont, nur das bewusste Kinderheim ist noch da. Dort lebt jetzt eine Gruppe von Kindern unter dem strengen Regiment einer gewissen Frau Heinrich, welche die Kinder zu einem intensiven Lauf-Training zwingt. Aber wozu? Was ist mit den „Hohen Herren“, von denen immer wieder die Rede ist? Wer sind die weisse und die schwarze Gestalt, die im Garten herumgeistern? Wer ruht unter der Grabplatte vor dem Herrenhaus? Lässt ein mysteriöser Tee die Trinkenden alles vergessen? Gibt es im Garten tatsächlich Wölfe, wie behauptet wird? Wo sind Achim und Karl überhaupt? Und wie zum Kuckuck kommen sie wieder nach Hause?

Was als reine Fantasie-Geschichte beginnt, bekommt ganz plötzlich eine neue, historisch-politische Komponente. Die beiden Protagonisten bilden ein geradezu klassisches Duo: Achim ist der schüchterne, zurückhaltende Denker – Karl der kräftige, zupackende Mann der Tat. Ihre Beziehung zueinander wird im Laufe dieser Geschichte auf eine harte Probe gestellt. Achim will sich nicht mehr dauernd von Karl beschützen lassen und Karl will nicht mehr, dass Achim ständig für sie beide denkt.

3. Juli 2018

Hereinspaziert!

„Wenn ich in den Zirkus gehe, abends dann und wann…“ Das ist aus Emmerich Kalmans Operette Die Zirkusprinzessin. Genau in diesem Milieu spielt auch das Kinderbuch Die Zirkusbuben von Jenö Marton.

Jimmy und Jacky Fontanelli sind Zwillinge, Söhne des Zirkusdirektors Orlando Fontanelli und die jüngsten Kunstreiter der Welt. Als besonderes Merkmal tragen sie stets Breecheshosen (elegante Reithosen, die am Oberschenkel weit und am Unterschenkel eng sind) und Reitstiefel. Mit dem elterlichen Zirkus ziehen sie durch die Welt und erleben dabei so Manches. Zum Beispiel adoptieren sie mit dem Waisenjungen Jonny noch einen dritten Zwilling bzw. Drilling dazu. Aber am wichtigsten ist die Reise nach Atlantika. Die Zirkusbuben planen nämlich nicht nur eine spektakuläre neue Nummer für diese Tournee, sondern sie sind auch den dubiosen Machenschaften eines Tierwärters mit dem hochtrabenden (angeblichen) Namen Jean Jacques de Huquenbergée auf der Spur. In der atlantikanischen Stadt Coxburry machen Jimmy, Jacky und Jonny zunächst die Bekanntschaft von Betty, der Tochter des steinreichen Industrie-Magnaten Thomas Th. Knätschbull. Ausserdem schliessen die Zirkusbuben auch noch weitere nützliche Freundschaften mit einheimischen Kindern. Wird es ihnen wohl gelingen, den Schmugglern in der Flibustierbucht das Handwerk zu legen?

Eine echte Trouvaille im Katalog von buchplanet.ch, vom Autor selber originell illustriert.

28. Juni 2018

Von Hunden und Pferden

Da wir gerade von Detektiven sprechen: Ein ganz frühes Exemplar dieser Spezies findet man bei Voltaire. Moment mal! Hat Voltaire (vergleiche Blog vom 26. September 2013) etwa Krimis geschrieben? Das nicht gerade, aber in seinem Roman Zadig erlebt das Publikum ein Kabinettsstück des detektivischen Spürsinns.

Zadig ist ein ebenso reicher wie kluger junger Mann, der in Babylon lebt. Eines Tages werden der Hund der Königin und ein Pferd aus den königlichen Stallungen vermisst. Zadig kann über die Tiere genau Auskunft geben: Es handelt sich einerseits um eine kleine Hündin mit langen Ohren, die erst kürzlich Junge bekommen hat und auf dem linken Vorderfuss hinkt. Und andererseits um ein 5 Fuss hohes Pferd mit auffallend kleinen Hufen und einem 3,5 Fuss langen Schweif. Die Buckel des Zaumzeugs sind aus Gold, die Hufeisen aus Silber. So weit, so gut. Bloss… Zadig hat keines der beiden Tiere je gesehen. Aber er hat Spuren entdeckt: Pfotenabdrücke eines kleinen Hundes, wobei beim linken Vorderfuss der Sand weniger eingedrückt ist, als bei den anderen; längliche Furchen, die nur von herabhängenden Zitzen herrühren können; herabgefallene Blätter, die aus einer Höhe von 5 Fuss stammen; Abrieb von Metall an einem Stein…

Das nenne ich Schlussfolgerungen! Sherlock Holmes hätte es kaum besser machen können.

26. Juni 2018

Kombiniere…

Mal ehrlich: Was wäre die Filmwelt ohne den Kriminalfilm bzw. ohne Detektive?

Angefangen hat es (wie könnte es anders sein) mit… Na? Erraten! Sherlock Holmes. Noch vor dem Ersten Weltkrieg kam er berühmteste Detektiv der Welt mehrmals auf die Leinwand – obwohl es gerade im Stummfilm eher schwierig war, die komplexen Gedankengänge eines Meisterdetektivs darzustellen – und ist im Lauf der Jahrzehnte immer wieder dorthin zurückgekehrt, dargestellt durch ganz verschiedene Leute von Basil Rathbone über Robert Downey junior bis zu Ian McKellen. Im Fall von Agatha Christie war es so, dass zunächst vor allem ihre „Werke ohne Detektiv“ verfilmt wurden (Ten little Indians, Witness for the Prosecution). Hercule Poirot- und Miss Marple-Filme gab es erst etwas später, da diese Bücher ursprünglich als zu literarisch (zu viel Intellekt, zu wenig Action) für die Leinwand galten. In den Dreissiger Jahren kamen asiatische Detektive in Mode (wohlgemerkt waren nur die Figuren Asiaten, die Darsteller nicht): Charlie Chan, dargestellt von Warner Oland, Mr. Moto, dargestellt von Peter Lorre, und Mr. Wong, dargestellt von Boris Karloff, traten alle in mehreren Filmen auf. Nicht zu vergessen, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, ist natürlich auch der private eye, der typisch amerikanische Privatdetektiv im Trenchcoat – gewissermassen das Gegenteil des klassischen europäischen Lehnstuhl-Ermittlers. Nicht intellektuell, sondern kämpferisch; kein „besserer Herr“, sondern eine eher bescheidene, um nicht zu sagen gescheiterte Existenz; kein idealistischer Verbrechensbekämpfer, sondern ein bezahlter Arbeiter. Oft hat ein solcher private eye, im Gegensatz zu diesen unterkühlten Kopf-Akrobaten, auch ein Privatleben ausserhalb der Arbeit. Humphrey Bogart hat dieses Fach geprägt wie kaum ein anderer. Mit der Zeit entstanden immer wieder neue Sub-Genres des Kriminalfilms, zum Beispiel die Kriminalkomödie, der Krimi mit paranormalem Unterton und der Krimi für Kinder bzw. Jugendliche. Entsprechend gab und gibt es auch immer mehr unterschiedliche Variationen der Detektiv-Figur.

Jetzt bei buchplanet.ch: Filmwissen Detektive von Georg Seesslen.

21. Juni 2018

Keine grosse Freiheit

In Die kleine Freiheit betrachtet Erich Kästner mit Kurzgeschichten, Liedern und Glossen die ersten Jahre der Bundesrepublik Deutschland.

Die grosse Freiheit ist es nicht geworden. / Es hat beim besten Willen nicht gereicht. So kommentiert Kästner ohne Illusionen den Neuanfang nach dem Krieg. Den Schulkindern gibt er einige gute Ratschläge mit: Haltet das Katheder weder für einen Thron noch für eine Kanzel! Lacht die Dummen nicht aus! Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Auch das Goethe-Jahr 1949 wird eingehend betrachtet, besonders die zahlreichen Publikationen dazu: „Goethe und die Bekämpfung der Kleidermotten“, „Goethe als Christ“, „Goethe als Atheist“, „Goethe als Junggeselle“, „Goethe und die doppelte Buchführung“ und so weiter und so fort. „Wir haben ziemlich jeden Schwur / geschworen und gehalten. / Das liegt nun mal in unsrer Natur / und wir sind noch ganz die alten. / Wir kommen, sehen und siegen / in ziemlich allen Kriegen, / ganz wurscht, unter welcher Regierung.“ Wem legt Kästner wohl diese Worte in den Mund? Ganz einfach: Die militärische Wiederaufrüstung der jungen Bundesrepublik brachte vielen ehemaligen Wehrmachts-Generälen wieder Arbeitsmöglichkeiten.

Dann gibt es, wie überall, in der BRD auch den Pechvogel. Der Pechvogel hat immer die Finger dazwischen, wenn irgendwo eine Tür zufällt. Sogar dann noch, wenn es sich zuletzt um die Himmelstür handelt…

18. Juni 2018

Klimbim

(Dies ist mein Blog Nr. 450!) Einer der grössten Skandäle in der Geschichte Frankreichs war im Jahr 1785 die sogenannte Halsbandaffäre (L’affaire du collier).

Louis René Édouard de Rohan –  Aristokrat, Kardinal, Bischof von Strassburg, Gross-Almosenier von Frankreich etc. – hatte fast alles. Doch etwas fehlte ihm: Königin Marie Antoinette strafte ihn mit Verachtung. Um die Gunst Ihrer Majestät zu gewinnen, war der lebenslustige Kirchenfürst bereit, fast alles zu tun. Jeanne de La Motte war eine verkrachte Gräfin, die unbedingt ein Leben in Saus und Braus führen wollte. Zu diesem Zweck becircte sie den Kardinal, tat so, als verstehe sie sich gut mit der Königin, und bat ihn „für sie“ um Geld. Kardinal de Rohan tat ihr natürlich gern den Gefallen. Zur gleichen Zeit hatte zwei Pariser Juweliere ein Diamanten-Collier fabriziert, dass nicht seinesgleichen hatte; Die Königin zeigte jedoch wenig Interesse. Deshalb wandte sich die Juweliere Böhmer und Bessange mit der Bitte um Fürsprache an Madame de La Motte, die angebliche Busenfreundin der Königin. Das Ende vom Lied: Die Königin sah das Collier nie; Die Juweliere sahen ihr Geld nie; Die La Motte verduftete mit den Diamanten; Rohan, der die Sache vermittelt und für die Bezahlung gebürgt hatte (im Glauben, Ihrer Majestät damit einen Gefallen zu tun), war blamiert. Er wurde sogar verhaftet, später allerdings freigesprochen. Der Skandal war auf jeden Fall perfekt. Umso mehr, als auch ein guter Bekannter des Kardinals, Graf Cagliostro, in die Sache verwickelt zu sein schien. Ungerechterweise entlud sich der Volkszorn weder über Seiner leichtgläubigen Eminenz noch über der später verurteilten Comtesse, sondern über der schon damals sehr unbeliebten Marie Antoinette.

Nachlesen kann man die ganze Geschichte in Marie Antoinette und die Halsbandaffäre von Benedetta Craveri. Wie konnte aus einem im Grunde harmlosen Betrug eine solche Staatsaffäre werden? Auch sonst gibt es in diesem Thriller noch einige offene Fragen.