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Archiv vom ‘Bücher’

9. November 2017

Herr Lukanga aus Kitara

by Gabriel Weber

Hans Paasche, ein deutscher Offizier, trotzdem bekennender Pazifist und Antimilitarist, schrieb 1912 die fiktiven Briefe eines afrikanischen Forschungsreisenden, der seinem König über seinen Aufenthalt in Deutschland Bericht erstattet. Damit hielt Paasche seinen Landsleuten sozialkritisch den Spiegel vor.

Im fernen Deutschland bezahlt man nicht mir Rindern, Ziegen oder ähnlichen nützlichen Dingen, sondern mit Metall und Papier. Und das Papier ist auch noch wertvoller als das Metall! Die Luft ist grässlich, trotzdem halten sich die Eingeborenen mit Vorliebe in geschlossenen Räumen auf, wo die Luft noch schlechter ist. Die Menschen haben es immer eilig, sind Sklaven der Arbeit, ohne die sie sich wertlos fühlen, und wer etwas gelten will, muss erstens viel Geld haben und sich zweitens mit völlig unnötigen Dingen umgeben. Jeder Mann trägt einen Hut, selbst wenn ihm deswegen die Haare ausgehen. Wenn das passiert, gibt er lieber viel Geld für künstliche Abhilfe aus, als auf seinen Deckel zu verzichten. Überhaupt ist die Bekleidung in Deutschland ein Witz. Stehkragen und Korsett – sowohl unnötig als auch unbequem. Narben von Säbelhieben mitten im Gesicht gelten bei Männern als besonders schmückend. Es wird ein unverhältnismässiger Aufwand betreiben, um Eisenbahnen zu bauen – nur damit einige Leute den Weg von A nach B noch schneller zurücklegen können. Am Geburtstag ihres Königs kommen die Deutschen zusammen, um zu saufen, und wer auch nur halbwegs nüchtern bleibt, gilt als Verräter – dabei erweisen sie ihrem König eigentlich einen Bärendienst, bieten sie doch gerade dadurch dem Feind die beste Gelegenheit für einen Angriff! Ausserdem bezeichnen die Deutschen alles, was sie haben, sind und tun, als „Kultur“ und glauben, alle anderen Menschen wollten diese „Kultur“ unbedingt auch haben. Sich selber halten sie für die Besten und die Grössten.

Der Autor von Die Forschungsreise des Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland (jetzt bei buchplanet.ch erhältlich) wurde seiner Gesinnung wegen 1920 von Rechtsextremen ermordet.

7. November 2017

Eltern werden ist nicht schwer…

by Gabriel Weber

…Eltern sein hingegen sehr! Kinder zu erziehen ist eine schwierige Aufgabe. Noch schwieriger wird sie dadurch, dass unzählige selbsternannte Erziehungsfachleute beiderlei Geschlechts in der Welt herumlaufen und Alles besser wissen. Das Lexikon der Erziehungsirrtümer von Andrea Bischhoff ist eine sehr aufschlussreiche Lektüre.

Hier eine Auswahl von Irrtümern, die leider immer noch sehr verbreitet sind: Wenn ein Kind ein Geschwisterchen bekommt, muss es sich unbedingt schon im Voraus freuen. Homosexualität der Kinder ist unnatürlich und eine Folge schlechter Erziehung. Für gute Eltern muss immer und überall das Kind an erster Stelle stehen. Früher hatten es die Kinder generell einfacher. Früher hatten es die Kinder generell schwerer. Der Nachwuchs sollte stets korrigiert werden, wenn er etwas nicht absolut perfekt gemacht hat. Für jeden noch so kleinen Handgriff im Haushalt sind die lieben Kleinen speziell zu belohnen. Gute Eltern müssen für ihre Kinder „Kumpels“ sein. Je besser man die Sprösslinge behütet, desto weniger kann ihnen passieren.

Diese und noch andere Irrtümer werden von der Autorin ausführlich widerlegt. Alleine die Ausführungen über die hohe Kunst des Stillens füllen 16 Seiten. Übrigens ist es gesund, die Nase hochzuziehen, und mit dem blossen Finger holt man viel mehr aus dem Riechkolben heraus als mit dem Taschentuch! Ätsch!

2. November 2017

Wer ist wer

by Gabriel Weber

Eine spannende historische Quelle ist das englischsprachige Nachschlagewerk Who’s Who in Switzerland aus dem Jahr 1952. Da ist die ganze damalige Prominenz mit Adressen und Telefonnummern verzeichnet. Auch über Mitgliedschaften, Hobbys usw. bekommt man Auskunft.

Der Komponist Paul Burkhard wohnte damals noch am Zeltweg in Zürich – nach Zell im Tösstal zog er erst später. Ebenfalls in Zürich wohnten die Schauspieler Anne-Marie Blanc und Heinrich Gretler, der Regisseur Leopold Lindtberg, Gastronom und Mövenpick-Besitzer Ueli Prager, Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler und natürlich Stadtpräsident Emil Landolt. Der Kunsthändler Siegfried Rosengart residierte an der Haldenstrasse in Luzern, der Sammler und Mäzen Oskar Reinhart natürlich am Römerholz in Winterthur. Die Adresse von Hermann Hesse ist kurz und bündig mit „Montagnola near Lugano“ angegeben. In Pully bei Lausanne wohnte Ex-General und Nationalheld Henri Guisan an einer Strasse, die seinen Namen trug, und betrieb hobbymässig Landwirtschaft. Der Kabarettist Walter Lesch, wohnhaft in Goldbach-Küsnacht am Zürichsee, sammelte Mineralien, während sein in Bassersdorf ZH ansässiger Kollege Max Werner Lenz in seiner Freizeit gärtnerte. Die Schriftstellerin Mary Lavater-Sloman lebte in Ascona TI, der Theologe Karl Barth in Basel. Der St. Moritzer Hotelier Hans Badrutt konnte damals bereits auf über 50 Dienstjahre in seinem Hotel „Palace“ zurückblicken. In Carouge GE war die Philosophin Jeanne Hersch zuhause, in St. Gallen die Dichterin Regina Ullmann. Bundespräsident Eduard von Steiger hatte seinen Wohnsitz an der Muristrasse in Bern.

Ein besonders interessanter Eintrag befindet sich auf Seite 542. Der NZZ-Redaktor Dr. phil. Werner Weber, geboren am 13. November 1919, verheiratet mit Marie-Louise Bachem, wohnhaft an der Neptunstrasse in Zürich-Hottingen – mein Grossvater.

31. Oktober 2017

Gullivers andere Reisen

by Gabriel Weber

Lemuel Gullivers Reisen nach Liliput (Land der Zwerge) und Brobdingnag (Land der Riesen) sind allgemein bekannt. Weniger bekannt ist hingegen, dass Jonathan Swifts Romanheld auch noch zwei weitere Reisen unternommen hat, die kaum weniger spektakulär sind.

Auf seiner dritten Reise wird der englische Schiffsarzt Lemuel Gulliver von Piraten überfallen und in einem kleinen Boot ausgesetzt. So gerät er nach Laputa. Dies ist eine fliegende Insel, deren Bewohner so tief in Gedanken versunken sind, dass sie nichts sehen, nichts hören und nichts sagen, sofern man sie nicht durch sanftes Klopfen oder Schlagen daran erinnert. Weil das bei Gulliver nicht nötig ist, haben die Laputier keine hohe Meinung von den geistigen Kapazitäten ihres Besuchers. Die nächste Station auf dieser Reise ist Balnibari. Dort haben die Leute die kuriosesten Ideen bezüglich Landwirtschaft und Bauwesen, was dazu führt, dass die Häuser verfallen, die Menschen verarmen und das Land brachliegt, während die Leute ihre angeblich so „fortschrittlichen“ Schnapsideen nur umso eifriger verfechten. Besonders die Gelehrten an der Akademie beschäftigen sich absolut ernsthaft mit den absurdesten Experimenten – in der felsenfesten Überzeugung, der Menschheit damit einen Dienst zu erweisen. Die Insel Glubbdubdrip wird von Zauberern bewohnt, deren Gouverneur in der Lage ist, die Geister von Verstorbenen heraufzubeschwören; Gulliver begegnet bei dieser Gelegenheit zum Beispiel Alexander dem Grossen und Julius Cäsar. Im Königreich Luggnagg muss jeder Zeitgenosse, der vom Monarchen empfangen wird, auf dem Weg zum Thron den Staub vom Boden auflecken (im vorliegenden Fall hat man den Boden freundlicherweise vorher geputzt – das ist nicht immer so!). Die vierte Reise führt Gulliver – inzwischen Kapitän geworden und einer Meuterei zum Opfer gefallen – in das Land der Houyhnhnms. Bitte was? Houyhnhnms sind so eine Art hochintelligente Pferde.

Gullivers Reisen von Jonathan Swift, dieser Klassiker der Weltliteratur, der oft fälschlicherweise für ein Kinderbuch gehalten wird, ist natürlich auch bei buchplanet.ch erhältlich.

26. Oktober 2017

Allzeit bereit!

by Gabriel Weber

Auch Pfadfinder und Pfadfinderinnen finden bei buchplanet.ch passende Literatur: Pfadfinder von Robert Baden-Powell, eine Ausgabe aus dem Jahr 1930.

Wer Pfadfinder erster Klasse werden will, muss u. A. entweder Hafergrütze, Speck oder Gulasch befriedigend (was immer das heisst… ) kochen können, und zwar vorzugsweise auf dem offenen Lagerfeuer. Alternativ kann auch ein Kaninchen oder ein Vogel zubereitet werden. Für das Fähigkeitsabzeichen als Telegraphist muss der Pfadfinder morsen können, und zwar mindestens 30 Buchstaben in der Minute. Für das Abzeichen als Pfeifer muss er auf einem Dudelsack (Jawohl, nicht auf einem Alphorn oder einer Blockflöte, sondern auf einem Dudelsack) einen Marsch oder einen schottischen Tanz spielen können. Es gibt auch Fähigkeitsabzeichen für Bienenzüchter, Dolmetscher, Wäscher, Trompeter, Feuerwehrmänner, Buchdrucker, Sternkundige, Geflügelzüchter und noch viele andere. Übrigens ist es für einen Pfadfinder sehr nützlich, schwimmen zu können (wann weiss ja nie, wann man jemanden vor dem Ertrinken retten muss!). Ausführlich wird der strenge Verhaltens-Kodex der Pfadfinder besprochen. Ein Pfadfinder soll ehrlich, hilfsbereit und körperlich fit sein, weder rauchen noch Alkohol trinken, sein Vaterland lieben und stets zu dessen Verteidigung bereit sein. Baden-Powell weist allerdings den Vorwurf des Militarismus zurück und betont, es gehe trotz des ganzen militärischen Untertones (Uniformen, Drill, Patriotismus) eben gerade nicht darum, Kinder in kleine Soldaten zu verwandeln. Ausserdem hält er fest, die Pfadfinder seien politisch und religiös völlig neutral und Standesunterschiede gebe es bei ihnen nicht.

Auf Seite 33 findet man etwas, das (zumindest auf das heutige Publikum) reichlich irritierend wirkt, nämlich das Dankesabzeichen der Pfadfinder. Das Irritierende daran: Es ist ein Hakenkreuz…

24. Oktober 2017

Heute noch auf stolzen Rossen…

by Gabriel Weber

Kaum ein Tier hat in der Kulturgeschichte der Menschheit eine so grosse Bedeutung wie das Pferd.

Im frühen 18. Jahrhundert schenkt der Sultan von Marokko dem französischen König Louis XV sechs der prachtvollsten Hengste aus seiner Zucht. Er ahnt wohl nicht, dass zu dieser Zeit in Europa ganz andere Pferde Mode sind – nämlich grosse, schwere Modelle; diese schlanken, zierlichen Araber weiss man in Versailles nicht zu schätzen. Der stumme Stallbursche Agba versteht das überhaupt nicht; der Hengst Sham, den er schon seit seiner Geburt gepflegt, mit der Flasche aufgezogen und jetzt auf Befehl des Sultans nach Frankreich begleitet hat, ist für ihn das schönste und beste Pferd der Welt. Doch jetzt wird Sham verächtlich zum Arbeitstier degradiert! Er muss den Karren ziehen, wenn der Küchenchef des königlichen Hofes auf den Markt fährt, man stelle sich das einmal vor! Später wird Sham an einen Fuhrmann verkauft. Agba bleibt an seiner Seite. Schliesslich geraten die beiden nach England, wo sie nach manchen Abenteuern dem Earl of Godolphin (übrigens ein Schwiegersohn von John Churchill, dem 1. Duke of Marlborough, einem berühmten Feldherrn und Vorfahren Winston Churchills) begegnen. Und Lord Godolphin erkennt endlich Shams Qualitäten für die Pferdezucht. So wird Sham als „The Godolphin Arabian“ der Stammvater des Englischen Vollblutes und bis auf den heutigen Tag Ahnherr vieler erfolgreicher Rennpferde. Er erreicht, von Agba bis zum letzten Tag gut versorgt und gepflegt, das für Pferde fast schon biblische Alter von 29 Jahren.

Diese in den Grundzügen wahre Geschichte erzählt Marguerite Henry in ihrem Buch König des Windes.

23. Oktober 2017

Sagenhafte Sagen

by Julia S.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst…“ etc. das kennen wir alle, die meisten jedenfalls. Aber kennen Sie auch diesen Abgang? Und zum dritten Tag schuf Gott die Stadt Solothurn mit den Feldern, die sie umgeben, und dem Berg, der sie überragt… und so weiter. Das ist der Anfang der Erzählung „Wie die Leute von Solothurn die Schöpfung und Sintflut mit ansahen“ aus der alten Schweiz. Das Buch mit diesen merkwürdigen Sagen finden Sie jetzt im www.buchplanet.ch. Weiter heisst es im Text: „Nun muss man aber bedenken, dass zwischen dem zweiten und dem dritten Tag Hunderte und Millionen von Jahren vergingen.“ Aufschlussreiche Ansicht! Eine weitere Geschichte handelt von Sankt Kolumban, Sankt Gallus und den irischen Mönchen. Gallus war so ein irischer Mönch, er hatte ein Kloster gegründet, das immer grösser wurde, bis darum herum St.Gallen in der Schweiz entstand. Was er im siebten Jahrhundert im Bodenseeraum trieb, ist in dieser Sagensammlung nachzulesen, der auch dreierlei Arten von Erzählungen sind. Einige sind frei erfunden, andere behandeln ein bestimmtes Thema und andere endlich stützen sich auf Dokumente. Welche von dem einen oder anderen abstammen finden Sie schon heraus. Von dem Grafen von Greyerz, der Bärenjagd, ein Drache wird erwähnt – bin froh, dass sich weder das eine noch das andere Tier heute noch in unseren Wäldern befindet. Aha – von Frauentreue und den Söldnern, ebenfalls vom Nikolaus Omli ist die Rede als Titelüberschriften. Die schöne Sage von den Schwyzern und den Leuten aus dem Haslital ist ein Kapitel, mehr noch und für schaurige schöne Liebhaber äh Liebhaber schaurig Schöner Geschichten gibt’s den Rat der Toten. Die wunderbaren Abenteuer des Königs von Bern häng ich noch an, aber jetzt ist Schluss! Viel Vergnügen mit denkwürdigem aus einer alten Zeit.

19. Oktober 2017

Schlechter Geschmack ist auch ein Geschmack

by Gabriel Weber

Der „gute Geschmack“ ist sehr wichtig für die Kulturgeschichte der Menschheit. Ebenso wichtig ist aber auch sein Gegenteil, der sogenannte „Kitsch“.

Kitsch ist in der Regel etwas sehr Einfaches, das keine hohen Ansprüche stellt, aber gleichzeitig eine grosse Wirkung erzielt – und deshalb vielen Leuten gefällt. Nicht umsonst waren und sind viele Diktatoren grosse Fans des Kitsches. Er bietet nicht nur eine wirksame Art der Selbstdarstellung, sondern auch die Möglichkeit, die breite Masse zu becircen, indem man das, was ihr gefällt, zur einzig wahren Kunst erklärt. Ein weiteres Indiz für Kitsch ist die falsche, geheuchelte Sentimentalität, das „Drücken auf die Tränendrüse“ (egal, ob Tränen der Trauer, der Rührung oder der Freude). Selbst bedeutende Kunstwerke wie die Mona Lisa oder Bauwerke wie der schiefe Turm von Pisa können sehr leicht verkitscht werden, nämlich indem man sie en masse reproduziert (etwa als Souvenir) und damit aus ihrem Umfeld herausholt.

Jetzt bei buchplanet.ch: Der Kitsch von Gillo Dorfles. Meiner Ansicht nach sollte man nicht zu sehr über den Kitsch schimpfen; erstens befindet sich zwischen Kitsch und Nicht-Kitsch eine ziemlich grosse Grauzone – und zweitens ist der Kitsch zwar ein schlechter Geschmack, aber immerhin ein Geschmack. Und als solcher hat er schon auch eine gewisse Daseinsberechtigung.

17. Oktober 2017

Das woll’n wir doch mal seh’n, ob’s nicht Gespenster gibt in Wales!

by Gabriel Weber

Wie Sie wissen, hochgeschätztes Publikum, sind die Schlösser des Vereinigten Königreichs eine unerschöpfliche Quelle für Geschichten, besonders für unheinliche. Auch der ungarische Schriftsteller Antal Szerb (1901-1945) hat eine beigesteuert: Die Pendragon-Legende.

Owen Pendragon, 18. Earl of Gwynned, ist ein bisschen exzentrisch. Der junge ungarische Gelehrte János Bátky ebenfalls. So sind sich die beiden Herren auf Anhieb sympathisch und Lord Gwynned lädt den Ungarn nach Schloss Llanvygan ein, seinem Familien-Stammsitz in Wales. Und kaum ist János dort angekommen, ist auch schon die Hölle los: Auf den Earl wird ein Mordanschlag verübt, offenbar nicht der erste. Eine dunkle Gestalt reitet nachts um das Schloss. János entdeckt das Grab Asaph Pendragons, des 6. Earls of Gwynned, eines legendären Okkultisten und Rosenkreuzers – doch das Grab ist leer… Was treibt der Earl in seinem geheimen Labor? Sucht er etwa nach dem Geheimnis des ewigen Lebens? Hat dieser kuriose Kauz namens George Maloney wirklich nicht alle Tassen im Schrank oder tut er nur so? Welche Rolle spielen die Geschwister Osborne und Cynthia Pendragon, Neffe und Nichte des Earls? Zieht die geheimnisvolle Eileen St. Claire aus dem Hintergrund die Fäden? Und der Dorfpfarrer, Reverend Dafyd Jones – warum ist der so nervös und ängstlich? Was ist nur Aberglaube und wo steckt mehr dahinter?

Alchemie, geheime Logen, der Graf von St Germain und alte Familien-Legenden der Pendragons auf der einen Seite, durchaus handfeste irdische Interessen um eine grosse Erbschaft auf der anderen Seite – János Bátky weiss bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Und Miss Cynthia verwirrt den weltfremden Bücherwurm irgendwie…

12. Oktober 2017

Ich bin vom Gotthard der letzte Postillon…

by Gabriel Weber

In eine Zeit lange vor der NEAT entführt der Roman Gotthard-Express 41 verschüttet von Emilio Geiler (erschienen 1942) das Publikum.

Der Gotthard-Express 41 düst von Bellinzona aus in Richtung Norden. Man befindet sich gerade im Kehrtunnel zwischen Lavorgo und Giornico – da geht ein Bergsturz nieder, der beide Tunneleingänge blockiert. Der Zug mitsamt Personal und Passagieren ist zwar intakt, aber komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Wenigstens gelangt durch einen Spalt genug frische Luft in den Tunnel. Während draussen sofort und mit schweizerischer Präzision die Rettungsarbeiten eingeleitet werden, die Angehörigen sich Sorgen machen und die Presse sich eifrig auf diese sensationelle Geschichte stürzt, müssen Lokomotivführer Merz, sein Gehilfe Rossi, Zugführer Weber (was für ein schöner Name!) und 183 weitere Verschüttete bis auf Weiteres im Berg drin ausharren. Die Lebensmittelvorräte des Speisewagens werden streng rationiert, auch um eine möglichst gute Beleuchtung muss man sich kümmern. Ein weiterer Punkt ist das Zusammenleben; wenn so viele unterschiedliche Menschen für eine unbestimmte Zeit auf so kleinem Raum zusammengepfercht sind, bleibt das natürlich nicht ohne Folgen. Unter den Passagieren befinden sich übrigens auch einige ausgesprochen verdächtige Individuen… Drama, Krimi, Liebesgeschichte, Komödie: in diesem Buch ist alles vorhanden.

Man merkt deutlich, dass der Autor in erster Linie Eisenbahner ist und nicht Schriftsteller; er schreibt zwar mit viel Fachwissen, aber manchmal fast ein bisschen zu detailliert. Als Leser bekommt man den Eindruck, dass der Autor hin und wieder zwischen den vielen technischen Einzelheiten beinahe die Handlung vergisst. Aber jedenfalls ist das Buch ein Leckerbissen für alle Leute, die sich für historische Eisenbahnen interessieren.