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Archiv vom ‘Bücher’

24. Mai 2018

„He flies through the air with the greatest of ease…

by Gabriel Weber

…the daring young man on the flying trapeze“, so beginnt der Refrain eines alten Schlagers. Ums Trapez geht es auch in der Fernsehserie Salto Mortale, jetzt in Buchform (von Heinz Oskar Wuttig) bei buchplanet.ch vorhanden.

Die Dorias, wohnhaft in Solothurn, sind eine Familie von Trapezakrobaten. Und zwar gehören sie in ihrem Fach zur absoluten Weltspitze! Der Patriarch Carlo steigt zwar aus Altersgründen nicht mehr selber in die Zirkuskuppel, hält jedoch die Zügel fest in der Hand. Er leitet die Truppe, schliesst die Verträge ab, kommandiert beim Training und sagt überhaupt, wo es langgeht. Die aktive Akrobatik besorgen seine Kinder Sascha, Francis und Viggo sowie die Schwiegerkinder Lona und Rodolfo (übrigens sind bis dato auch schon drei Enkelkinder vorhanden). Eigentlich wollten die Dorias gerade eine Saison aussetzen und Urlaub machen, doch dann unterbreitet ihnen der Impresario Jakobsen ein so lukratives Angebot, dass die Familie nicht widerstehen kann. Und so geht es mit dem Zirkus Krone auf Europa-Tournee! Amsterdam, London, Marseille, Sevilla, Neapel, Athen, Istanbul… Wenn man so lange so eng beieinander lebt, bleiben gewisse menschliche Spannungen natürlich nicht aus. Zirkusdirektor Kogler und seine Sekretärin Helga haben alle Hände voll zu tun, damit alles glatt geht und jeden Tag eine funktionierende Vorstellung zustande kommt. Denn ganz egal, was auch passiert, die Show muss weitergehen! Auch bei der Familie Doria hängt hin und wieder der Haussegen schief (bzw. der Wohnwagensegen). Meistens ist es dann an Carlo, dem liebevollen Diktator, die Sache irgendwie wieder einzurenken. Und wenn wieder einmal der Abenteurer Mischa aufkreuzt, das schwarze Schaf der Familie, dann bedeutet das meistens Ärger. Was immer auch dazu gehört, ist die Angst. Denn schliesslich könnte, gerade in der Branche der Dorias, jeder Auftritt der letzte sein…

Zum 70. Geburtstag von Hauptdarsteller Gustav Knuth (Carlo Doria) wurde diese Sonderausgabe herausgegeben, ergänzt durch zahlreiche Bilder aus der Serie.

22. Mai 2018

Herr L. und sein Irrtum

by Gabriel Weber

Friedrich Lodemanns Erinnerungen Der grosse Irrtum (herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von seinem Sohn Jürgen) sind eine sehr aufschlussreiche Lektüre.

Friedrich Lodemann (1894-1973) war Ingenieur bei der Firma AEG und ausserdem Blockwart in Essen, also gewissermassen „Unteroffizier“ der NSDAP (Parteimitglied seit 1931). Hier erzählt er aus der Zeit des Dritten Reichs, aber auf eine besondere Art. Im Gegensatz zu vielen seiner zeitgenössischen Landsleute ist Lodemann aufrichtig: Er bestreitet nichts, verharmlost nichts, versucht nicht, sich irgendwie herauszureden, sondern übernimmt ganz offen und ehrlich die moralische Verantwortung für sein damaliges Verhalten. Er erläutert klar, warum er Nationalsozialist wurde (vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen) und warum er sich schliesslich noch vor 1945 wieder vom Nationalsozialismus abwandte (aus Enttäuschung über nicht eingehaltene Versprechungen). Auch den Holocaust nennt Lodemann schonungslos beim Namen.

Im Ersten Weltkrieg war Lodemann übrigens Matrose in der Kaiserlichen Marine. Seine Karriere als Offiziers-Anwärter endete dadurch, dass er einen Vorgesetzten ohrfeigte… Auf dem Umschlag des Buches zu sehen sind Lodemann Senior, flankiert von seinen beiden älteren Söhnen in HJ-Uniformen – und vorne der kleine Jürgen. Von seinem Vater (so zumindest die familiäre Überlieferung) aus Pflichtgefühl gezeugt, weil die sogenannte „arische Rasse“ sich ja vermehren sollte und dafür, rein mathematisch gesehen, pro Ehepaar mindestens drei Kinder nötig waren.

17. Mai 2018

In blaues Tuch gehülltes Abführmittel

by Gabriel Weber

Ach, Sie wissen nicht, was das ist? Ein Polizist (Aber Vorsicht! Dieser Ausdruck kostete in Bochum einmal 300 D-Mark Geldstrafe. Beamtenbeleidigung…). Schimpfwörter können ungemein wohltuend sein, auch wenn (und gerade weil) in vielen Fällen niemand so genau weiss, was sie eigentlich bedeuten. Für solche Fragen gibt es Das grosse Schimpfwörterbuch von Herbert Pfeiffer.

Also, dann schimpfen wir mal! An die Adresse von Frauen: Circe! Gewitterziege! Heulsuse! Beisszange! Waschweib! An die Adresse von Männern: Bierfass! Pantoffelheld! Milchbubi! Brutalo! Halbes Hemd! Geschlechtsneutral: Leiche auf Urlaub! Lahme Ente! Hofschranze! Schönwetterdemokrat! Zweckoptimist! Manchmal beweisen die Schimpfwörter bemerkenswerte Kreativität, zum Beispiel im Fall von Sargnagel, Pumpier (wie „Bankier“ mit französischer Endung auszusprechen) oder Pfingstochse. Ausdrücke wie Seelenklempner, Pfaffe, Beamtenseele oder Pauker deuten auf bestimmte (nicht immer besonders geschätzte) Berufe hin.

Das tut gut, was? Sogar Kapitän Haddock könnte da noch etwas lernen! Man braucht diese Wörter ja niemandem an den Kopf zu werfen, aber sie manchmal leise vor sich hin zu sagen oder sie einsam im stillen Kämmerlein laut herauszuschreien, das ist eine wahre Wohltat. Zu meinem Lieblingswörtern gehören übrigens Adabei (jemand, der unbedingt immer überall, wo etwas los ist, „auch dabei“ sein muss) und Gschaftlhuber (ein vielbeschäftigter Mensch, der ununterbrochen furchtbar viel zu tun hat).

15. Mai 2018

Bitte einsteigen!

by Gabriel Weber

Haben Sie Lust auf eine kleine Zeitreise? Ja? Dann gibt es einige Dinge, die Sie beachten sollten.

Es gibt Zeitfernseher, mit denen Sie sich historische Ereignisse auf Video ansehen können (von geübten Zeitreisenden vor Ort heimlich gefilmt); Chronovisions-Geräte, die es ermöglichen, an einen bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit zu blicken; Zeitgürtel, die einfachste und bequemste Art, sich persönlich in die Vergangenheit zu begeben; und Zeitfahrzeuge, die mehr Komfort und und mehr Platz für Gepäck bieten (auch für mehrere Personen). Natürlich dürfen nicht alle Leute einfach nach Belieben kreuz und quer durch die Zeit rasen, das Ganze ist genau reglementiert. Unerlässlich ist jedenfalls der Besitz einer Zeitkarte. Falls man selber ein Zeitfahrzeug lenkt, ist selbstverständlich auch ein entsprechender Führerschein vonnöten. Ferner muss man, wie bei jeder Reise, Zoll- und Einreisebestimmungen beachten und sich gegebenenfalls impfen lassen. Überhaupt kann die Notwendigkeit einer sorgfältigen Vorbereitung gar nicht genug betont werden (am Besten wenden Sie sich an ein Reisebüro)! Passende Kleidung ist wichtig (im Fachgeschäft mieten), über die Ernährungslage am Reiseziel sollte man sich im Voraus informieren, ebenso über die sanitären Einrichtungen. In Erwägung zu ziehen ist ferner die Bedrohungslage in der gewählten Epoche (für Frauen, Juden, Schwarze etc.). Zwei oft gestellte Fragen sollen hier noch beantwortet werden: Puncto Alter spielt es keine Rolle, ob Sie für zwei Wochen in das heutige oder in das antike Rom reisen. Bei ihrer Rückkehr sind Sie auf jeden Fall zwei Wochen älter. Und Reisen in die Zukunft sind auch möglich – allerdings nur für Auswanderer, die nie zurückkehren wollen.

Ich empfehle Ihnen, den Führer für Zeitreisende von Howard J. Blumenthal, Dorothy F. Curley und Brad Williams zu Rate zu ziehen. Für Anfänger gibt es zu theoretischen Übungszwecken Bücher wie The Time Machine von H. G. Wells, Fernsehserien wie Voyagers und Filme wie Time Bandits.

8. Mai 2018

Ludwigs Haar in der Suppe

by Gabriel Weber

Um eine ganz besondere Reliquie geht es im Buch Beethovens Locke von Russell Martin.

Ludwig van Beethoven stirbt am 26. März 1827 in Wien – 56 Jahre alt, stocktaub und menschenscheu, aber in ganz Europa berühmt. Ferdinand Hiller ist zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt und erst kürzlich von seinem Musiklehrer Johann Nepomuk Hummel mit Beethoven bekannt gemacht worden. Der musikbegeisterte Junge schneidet eine Locke aus der berühmten Mähne des Maestro und bewahrt sie auf. Über ein halbes Jahrhundert später schenkt Hiller, inzwischen Kapellmeister in Köln, das Andenken seinem Sohn Paul. Das nächste Mal tauchen die bräunlich-weissen Haare im Jahr 1911 auf, als Paul Hiller das Medaillon, in dem sie aufbewahrt werden, von Hermann Grosshennig restaurieren lässt. Dann wird es schwierig, den Weg dieser Dinger, welche einmal Bestandteile des grossen Beethoven waren, zu verfolgen. Paul stirbt 1934; wie es seiner (der Abstammung nach jüdischen) Familie in der Folge ergeht, ist ebenso unbekannt wie der Verbleib von Beethovens Locke. Doch dann kommt der 6. Oktober 1943. In der kleinen dänischen Hafenstadt Gilleleje übergibt ein Unbekannter dem Arzt Kay Fremming – im Zusammenhang mit einer grossen Rettungsaktion für die dänischen Juden – das Medaillon mit den kostbaren Haaren darin. Woher weiss man, dass es dieselben Haare sind, dass es sich gerade um dieses Medaillon handelt? Ganz einfach: Bei der Restaurierung 1911 wurde das Medaillon sorgfältig versiegelt und beschriftet. Am 1. Dezember 1994 versteigert das Auktionshaus Sotheby’s in London das gute Stück, den Zuschlag erhält ein Käufer aus Amerika. Bald wird die Locke wissenschaftlich untersucht. Gibt sie vielleicht Aufschluss über Beethovens Krankengeschichte? Eventuell sogar über die Todesursache?

Die Odyssee von Beethovens Locke ist der reinste Krimi. Wie bedeutsam und wertvoll doch einige uralte gekräuselte Haare sein können, wenn sie vom Kopf eines Menschen namens Ludwig van Beethoven stammen! Früher waren es die körperlichen Überreste von Heiligen, um die man sich riss, heute sind es jene von Prominenten.

3. Mai 2018

Wo brennt’s, Erik?

by Gabriel Weber

Fast jeder kennt das Musical The Phantom of the Opera von Andrew Lloyd Webber. Aber wer kennt die Vorlage, den Roman Le fantôme de l’Opéra von Gaston Leroux?

Als Armand Moncharmin und Firmin Richard, die beiden neuen Direktoren der Pariser Oper, ihr Amt antreten, halten sie die Gerüchte von einem Phantom für albernes Gerede bzw. für einen schlechten Scherz. Es gibt da aber tatsächlich jemanden. Einen maskierten Jemand, der sich von der Operndirektion gut bezahlen lässt – quasi als Gegenleistung dafür, dass er den Betrieb nicht sabotiert. Und er hat ziemlich rabiate Methoden, um seinen Forderungen einen gewissen Nachdruck zu verleihen (Stichwort Kronleuchter)! Die junge Sängerin Christine Daaé kennt das Phantom besser, als ihr lieb ist: Es handelt sich um einen Mann namens Erik, der, obwohl musikalisch und technisch ausserordentlich begabt, wegen seines fürchterlich entstellten Gesichtes von der Menschheit ausgestossen wurde; die komplizierte Vorgeschichte wird in den Film- und Bühnenversionen meistens unterschlagen. Jedenfalls hat er sich schliesslich im untersten Kellergeschoss der Opéra Garnier einquartiert. Als Erik seine geliebte Christine, die mit dem Aristokraten Raoul de Chagny so gut wie verlobt ist, eines Tages in sein unterirdisches Heim entführt, reisst sie ihm die Maske vom Gesicht…

Vermutlich wären Leroux und sein Phantom schon lange in Vergessenheit geraten, wäre nicht der Filmproduzent Carl Laemmle auf das Buch gestossen (siehe Blog vom 28. November 2013). Seither treibt Erik in unzähligen Variationen auf der Leinwand und auf der Bühne sein Unwesen. Übrigens ist die Opéra Garnier in Paris eines der faszinierendsten Gebäude, die ich je betreten habe.

1. Mai 2018

Do You hear the People sing?

by Gabriel Weber

Als das eigentliche Hauptwerk von Victor Hugo gilt der Roman Die Elenden (Les Misérables). Er entstand im Exil und erschien erstmals 1862.

Wenn man seine besten Jahre im Gefängnis verbracht hat, ist es schwierig, sich danach in der Aussenwelt zurecht zu finden. Besonders, weil man als „Vorbestrafter“ in der Regel kein hohes Ansehen geniesst. Diese Erfahrung muss Jean Valjean machen, als er nach 19 Jahren endlich auf freien Fuss gesetzt wird (verdonnert wurde er ursprünglich wegen Brot-Diebstahls; später wurde die Strafe wegen seiner ständigen Fluchtversuche immer wieder verlängert). Doch dann ergibt sich für ihn durch einen grosszügigen Mitmenschen eine einmalige Gelegenheit für einen Neuanfang. Valjean macht Karriere, doch seine Vergangenheit lässt ihn nicht los. Der Ex-Knastologe Valjean, der sich eine neue Existenz aufbauen will, aber stets von der Vergangenheit eingeholt wird;  seine Nemesis, der unerbittliche Gesetzeshüter Javert; Valjeans Adoptivtochter Cosette und deren Mutter Fantine; das kriminelle Ehepaar Thénardier; der gewitzte Strassenjunge Gavroche; der Student Marius, der sich in Cosette veliebt; der ehrwürdige Bischof von Digne, der Valjean vertraut und ihm eine zweite Chance gibt; und viele andere Charaktere, welche in die französische Literaturgeschichte eingegangen sind… Dem Leser präsentiert sich ein gewaltiges Panorama Frankreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und es geht auch hochpolitisch zu und her (Franzosen scheinen eine grosse Leidenschaft für Revolutionen zu haben!).

Gavroche ist im französischen Sprachgebrauch geradezu sprichwörtlich geworden. Er steht sogar im Wörterbuch drin! Sehr populär wurde Hugos Meisterwerk in der jüngeren Vergangenheit namentlich auch durch das erfolgreiche Musical, dem der Titel dieses Blogs entnommen ist.

26. April 2018

Der Kampf um das Universum

by Gabriel Weber

Ein grössenwahnsinniger Schurke und sein missgestalteter Handlanger, zwei unwahrscheinliche Helden und ein mysteriöser Fremder… Der Schattenbeschwörer von G. P. Taylor ist ein aufregendes Buch!

18. Jahrhundert, an der  Küste von Yorkshire: Thomas und Kate, zwei Kinder aus dem Dorf Thorpe, machen die Bekanntschaft eines jungen Afrikaners, der sich Raphah nennt. Gemeinsam kommen sie Obadiah Demurral, dem Pfarrer und Dorf-Tyrannen, auf die Schliche. Demurral hat nämlich grosse Pläne: Nichts weniger als die Herrschaft über das Universum ist sein Ziel! Erste Vorbereitungen hat er bereits getroffen. Eine goldene Statue, der sogenannte Keruvim, verleiht dem dämonischen Prediger (der sich innerlich längst von Gott abgewandt hat) eine unheimliche Macht. Es gibt zwei Keruvim auf der Welt; jetzt fehlt Demurral zur Verwirklichung seiner Pläne nur noch der andere. Wie sollen zwei Kinder wie Thomas und Kate ihn aufhalten? Zum Glück gibt es Raphah, dessen Besonderheit schon bald offensichtlich wird. Raphah scheint nämlich so eine Art Heiliger zu sein, er tröstet die Armen und Verzweifelten, heilt einen Stummen und exorziert sogar einen Dämon, alles in unerschütterlichem Vertrauen auf Gott. Selbst zum Märtyrertod ist er bereit, wenn es sein muss. In Begleitung seiner beiden neuen Freunde stellt Raphah sich dem machtgierigen Pastor in den Weg. Was Demurral nicht ahnt: Er ist in seinem ganzen Wahn selber nur die Marionette eines ganz anderen, noch viel schlimmeren Bösewichts… eines Bösewichts, der schon sehr lange auf seine grosse Chance wartet… In der Kirche von Whitby kommt es schliesslich zum epischen Showdown.

Und das Alles geschieht auf ein paar Quadratkilometern mitten in der tiefsten englischen Provinz! Im Nachwort verweist der Autor ausdrücklich darauf, dass es die im Roman beschriebenen Orte im Norden Englands wirklich gibt. Man merkt bald, dass es in diesem Buch in erster Linie um die Religion geht. Je länger man liest, desto offensichtlicher wird der Bezug zum christlichen Glauben.

24. April 2018

Elfen und Zwölfen

by Gabriel Weber

Glauben Sie an Elfen? Henry Atherton auch nicht. Aber manchmal erlebt man Überraschungen…

Eines Tages begegnet Henry einem Elf. Einem geflügelten Winzling namens Pyrgus Malvae. Er sieht genau so aus, wie man sich einen Elf im Allgemeinen vorstellt, doch das ist nur eine vorübergehende Erscheinung; schon bald tritt Pyrgus Henry als stattlicher, flügelloser Junge in seinem Alter und seiner Grösse gegenüber. Und das ist noch lange nicht alles! Pyrgus ist ein Prinz, der älteste Sohn des Purpurkaisers – er hat sich allerdings von seinem Vater und vom Hof losgesagt und lebt gewissermassen auf der Strasse. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Pyrgus der Thronfolger ist, und als solcher ist er in grosser Gefahr. Deshalb hat man ihn in die Menschenwelt geschickt. Henry ist begeistert; diese faszinierende neue Bekanntschaft ist für ihn eine grossartige Möglichkeit, den Turbulenzen in seinem Elternhaus zu entfliehen. Turbulent ist es allerdings auch in der Heimat von Pyrgus. Sein Vater hat politische Schwierigkeiten mit den Nachtelfen, ausserdem gibt es da die Leimfabrik Chalkhill & Brimstone, in der Einiges oberfaul ist. Staunend betritt Henry eine ihm völlig unbekannte Welt, in der er u. a. Pyrgus‘ Schwester Holly Blue kennen lernt.

Jetzt bei buchplanet.ch: Das Elfenportal von Herbie Brennan.

19. April 2018

Die dicke Bertha

by Gabriel Weber

Nur selten ist ein Land historisch so sehr mit einem Unternehmen verbunden wie Deutschland mit der Firma Krupp.

Gegründet wurde die Gussstahlfabrik Friedrich Krupp in Essen ursprünglich 1811. Unter Friedrichs Sohn Alfred Krupp expandierte das Unternehmen gewaltig und erreichte geradezu staatstragende Bedeutung, die Krupps erwarben sich den Ruf der „Kanonenkönige“ und „Waffenschmiede Deutschlands“, nicht zuletzt durch die Kriege, die Preussen mit Krupp-Waffen gewann. Als sichtbares Zeichen des Erfolgs liess Alfred die „Villa Hügel“ errichten, eine ebenso repräsentative wie unpraktische Residenz. Alfreds Sohn und Nachfolger Friedrich Alfred Krupp starb 1902 unter etwas merkwürdigen Umständen (siehe Blog vom 13. Oktober 2015) und hinterliess die Firma seiner ältesten Tochter Bertha. 1906 heiratete die reichste Erbin Deutschlands (und angebliche Namensgeberin der Kanone Dicke Bertha) den Diplomaten Gustav von Bohlen und Halbach, der die Leitung des Unternehmens übernahm und von Kaiser Wilhelm II. die Erlaubnis erhielt, zusätzlich zu seinem eigenen auch den Namen Krupp zu tragen. Der nunmehrige Gustav Krupp von Bohlen und Halbach führte die Firma durch zwei Weltkriege, wobei er und später auch sein ältester Sohn Alfried immer die Nähe der Mächtigen suchten (und die Mächtigen suchten die Nähe der Krupps), ob nun Kaiser oder Führer. Dies führte dazu, dass Vater und Sohn in Nürnberg auf der Anklagebank landeten. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach baute, zusammen mit Berthold Beitz, das Unternehmen nach dem Krieg wieder auf und überführte es schliesslich in eine Familienstiftung, nachdem sein Sohn Arndt offiziell auf sein Erbe verzichtet hatte (deshalb durfte der 1986 verstorbene Arndt auch nur noch „von Bohlen und Halbach“ heissen, ohne „Krupp“).

Jetzt bei buchplanet.ch: Krupp. Deutsche Legende und globales Unternehmen von Harold James. Selbst der französische Schriftsteller Jules Verne, gewiss kein Freund der Deutschen (siehe Blog vom 22. August 2013), hat die legendäre Stahlfabrik literarisch verewigt: Die Maschine des Unterseebootes Nautilus wurde, nach Aussage von Kapitän Nemo, „par Krupp, en Prusse“ hergestellt.