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14. September 2017

Bewahret Euch vor Weibertücken!

by Gabriel Weber

Dieses Zitat aus der Zauberflöte könnte man Christoph Nettersheims Buch Schrecklich nette Frauen als Motto voranstellen. Darin erzählt er von 30 historischen Verbrecherinnen und ihren Untaten – teils widerwärtig und degoutant, teils skurril bis tragikomisch, aber jedenfalls in perverser Weise faszinierend.

Neben den „Stars“ wie Bonnie Parker (von Bonnie and Clyde) und Belle Starr gab es da zum Beispiel die Quacksalberin Linda Burfield Hazzard, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ihrer Klinik für Fastenkuren die Patienten buchstäblich verhungern liess, um sich dann ihr Geld unter den Nagel zu reissen. Vera Renczi hatte solche Angst davor, verlassen zu werden, dass sie auf Nummer sicher ging – und jeden Mann, mit dem sie eine Liebesbeziehung hatte, tötete (insgesamt 2 Ehemänner und rund 30 Liebhaber). Auf der Suche nach dem Mann fürs Leben räumte Nannie Doss rücksichtslos alle, die ihr im Weg standen, aus demselben (darunter 4 ihrer 5 Ehemänner). Als Giftmischerin im grossen Stil betätigte sich Gesche Gottfried aus Bremen (15 Opfer). Vergleichsweise harmlos waren die Vergehen der Hochstaplerin Cassie Chadwick, die eine ganze Bank in die Pleite trieb, und der Betrügerin Adele Spitzeder, die um 1870 herum in München Tausende von Anlegern um ihr Geld prellte. Kate Barker kochte und wusch für ihre vier kriminellen Söhne, weiter nichts; erst nach ihrem Tod 1935 machte sie in der Populärkultur Karriere als die legendäre Bandenchefin Ma Barker. Am grusligsten sind die Geschichten von Mörderinnen wie Belle Gunness, Kate Bender oder Sharon Kinne, die eines Tages von der Bildfläche verschwanden, ohne dass irgendjemand mit Sicherheit weiss, was aus ihnen geworden ist…

Walburga Oesterreich (die hiess wirklich so), genannt Dolly, schiesst bezüglich Skurrilität ihres Falles den Vogel ab: Sie verhalf ihrem Liebhaber zur Flucht, nachdem dieser ihren Ehemann erschossen hatte. Das Besondere daran? Der Liebhaber hatte zuvor zehn Jahre lang im Einfamilienhaus der Oesterreichs gewohnt – und zwar auf dem Dachboden, ohne Wissen des Herrn Gemahls.

12. September 2017

Das grosse Goethe-Wort

by Gabriel Weber

Das wohl bekannteste Zitat der deutschsprachigen Literatur findet man im 3. Akt von Johann Wolfgang von Goethes Drama Götz von Berlichingen: „Er aber, sags’s ihm, er kann mich am [oder im] Arsch lecken.“ (Die drei letzen Wörter werden oft unterdrückt.) Heinz-Eugen Schramm untersucht in L. m. i. A. – Götz von Berlichingens denkwürdige Fensterrede die einmalige Karriere dieses Zitats.

…da schrie ich wieder zu ihm hinauf, er sollte mich hinten lecken…“ So steht es in den Memoiren des historischen Götz. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Goethe den fraglichen Kraftausdruck schon in seiner Kindheit gekannt haben dürfte; woher, das wird wohl immer ungeklärt bleiben. Im Laufe der Zeit entstanden dann unzählige Variationen und Umschreibungen von Du kannst mir… oder Du kannst mich... (Ich behaupte, hochgeschätztes Publikum, das jeder und jede von Ihnen einige davon kennt – LMAA zum Beispiel oder LMA²). Übrigens war der Herr Geheime Rat aus Weimar nicht der einzige Klassiker, der das A-Wort kannte und benutzte. Auch Leute wie Mozart oder Luther konnten sich recht deftig ausdrücken.

Das Buch enthält auch einen Sprachführer, in dem aufgelistet ist, wie das „Grosse Goethe-Wort“ in anderen Sprachen lautet. Zum Beispiel auf Lateinisch: Lambe mihi podicem! Oder auf Schweizerdeutsch: Bloos mir is Füdli!

7. September 2017

Möbellos

by Gabriel Weber

Stellen Sie sich einmal vor, geschätztes Publikum: Sie kommen eines Abends nichtsahnend nach Hause und die Wohnung ist leer. So ergeht es Mr. und Mrs. Ransome in Alan Bennetts Così fan tutte.

Bei der Rückkehr von einem Opernbesuch müssen die Ransomes feststellen, dass bei ihnen eingebrochen wurde. Doch die Täter haben nicht bloss einige Wertgegenstände mitgehen lassen, sondern die komplette Wohnungseinrichtung, vom Bett im Schlafzimmer bis zum letzten Teelöffel in der Küche, nicht einmal das Toilettenpapier haben sie da gelassen (deshalb muss das Così fan tutte-Programm zweckentfremdet werden…). Dieser neue Sachverhalt stellt die Eheleute Ransome vor verschiedene Probleme: Wie ruft man die Polizei, wenn man kein Telefon mehr hat? Was soll man essen, wenn der Backofen mitsamt dem darin befindlichen Schmorbraten verschwunden ist? Nach den ersten paar Dutzend Schrecksekunden entdeckt Mrs. Ransome das Positive an der Situation. Ihre Ehe ist im Grunde schon seit längerer Zeit ein Auslaufmodell; ihr Gatte und sie haben sich nicht mehr viel zu sagen. Mr. Ransome scheint sich mehr für Klassische Musik zu interessieren als für seine Frau Gemahlin. Vielleicht könnte dieser Ausbruch aus der faden Alltags-Routine ihrem Leben wieder neuen Schwung geben…

Richtig interessant wird die Geschichte, als der Hausrat plötzlich wieder auftaucht!

5. September 2017

Si tu veux faire mon bonheur, Marguerite

by Gabriel Weber

Ein weiteres Exemplar aus meiner Sammlung „Wahre Märchen“:

Es war einmal eine Frau namens Marguerite. Sie wird in New York geboren, und zwar in eine steinreiche Familie Schweizer Abstammung hinein. Vom Reichtum ihrer Familie hat sie allerdings nicht besonders viel; als ihr Vater 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben kommt, ist er längst aus dem Familienunternehmen ausgeschieden und hinterlässt nur relativ wenig Geld (aber „relativ wenig“ ist in diesem Fall immer noch eine ganze Menge!). Als junge Frau entdeckt Marguerite dann die beiden Leidenschaften, die ihr ganzes Leben bestimmen werden: die Kunst – und die Männer. Wassily Kandinsky, Max Ernst, Jackson Pollock, Hans Arp und Sophie Taeuber, Piet Mondrian, Alexander Calder, Fernand Léger, Alberto Giacometti, Samuel Beckett – Marguerite kennt und fördert sie alle (obwohl sie, wie gesagt, keineswegs unermesslich reich ist), manche liebt sie auch, den einen oder anderen heiratet sie sogar. Lange lebt die Kunstsammlerin und Galeristin in Paris, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, kehrt sie (als Jüdin) vorübergehend nach Amerika zurück. Ihre Bilder und Skulpturen (im Nazi-Vokabular „entartete Kunst“) hat sie in Frankreich sorgfältig versteckt. Nach dem Krieg kauft Marguerite in Venedig einen alten Palazzo, in dem sie repräsentativ wohnen und ihre ständig grösser werdende Sammlung standesgemäss unterbringen kann. Übrigens besitzt sie die letzte Privat-Gondel in der Geschichte der Lagunenstadt.

Offiziell hiess sie zwar Marguerite, aber für alle Welt war sie Peggy, genauer gesagt Peggy Guggenheim. Ihr Palazzo in Venedig ist heute ein Museum. Ihre Memoiren Ich habe alles gelebt sind jetzt im Katalog von buchplanet.ch zu finden.

31. August 2017

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist

by Gabriel Weber

Im Wiener Stadtpark steht er, die Geige am Kinn, sogar vergoldet: Johann Strauss Sohn, der Walzerkönig. Der Donauwalzer, die Tritsch-Tratsch-Polka, der Kaiserwalzer, die Annen-Polka, Rosen aus dem Süden – „Schani“ Strauss hat der Welt viele unvergessliche Melodien beschert.

Geboren wird Johann Strauss am 25. Oktober 1825. Er ist das erste Kind seiner (übrigens erst seit gut drei Monaten verheirateten) Eltern Johann und Anna Strauss. Johann Strauss Vater (Urheber der heimlichen Nationalhymne Österreichs, des Radetzkymarsches) macht in den folgenden Jahren eine grosse Karriere als Musiker und Orchesterleiter. Das Familienleben hingegen ist ziemlich zerrüttet. 1844 gibt Johann sein Debüt vor Publikum und wird auf einen Schlag der grösste Konkurrent seines Vaters. Nach dessen Tod 1849 ist der Junior der unbestrittene neue Walzerkönig. Johann ist ungeheuer aktiv, schreibt Walzer, Polkas, Quadrillen etc. am laufenden Band, entdeckt später auch die Bühne, unternimmt Reisen, verdient viel Geld, wird mit Ehrungen überschüttet. Selbst der notorisch unmusikalische Kaiser Franz Joseph äussert sich wohlwollend. Doch Johann hat nicht nur Erfolg. Von seinen diversen Operetten können sich längerfristig nur Die Fledermaus und Der Zigeunerbaron wirklich durchsetzen. Das Familienleben bleibt turbulent: Johann heiratet Henriette Treffz, genannt Jetty, eine Frau mit bewegter Vergangenheit. Ihr plötzlicher Tod 1878 stürzt ihn in einer ernsthafte Krise. Völlig überstürzt geht Johann eine zweite Ehe ein, die sich als Debakel erweist. Von Angelika Dittrich, genannt Lily, lässt er sich scheiden – selbst wenn er dafür Staatsbürger von Sachsen-Coburg-Gotha und Protestant werden muss, weil im katholisch-konservativen Österreich damals keine Ehescheidung erlaubt ist – und findet 1887 in Adele Deutsch endlich die richtige Frau für seinen Lebensabend. Am 3. Juni 1899 stirbt Johann unter grosser Anteilnahme der Wiener Bevölkerung, die ihm sogar seine „Auswanderung“ nach Coburg verziehen hat.

Ich liebe die Werke von Johann Strauss sehr. Bei seiner Musik kann man einfach keine schlechte Laune haben. Jetzt bei buchplanet.ch: Johann Strauss. Um die Welt im Dreivierteltakt von Franz Endler.

29. August 2017

Tooooor!

by Gabriel Weber

Von einer etwas ungewöhnlichen Fussballmannschaft erzählt Eduard Bass in seinem Buch Klapperzahns Wunderelf, erstmals erschienen 1922 (einer der ältesten Fussball-Romane überhaupt).

Herr Klapperzahn aus Nieder-Buckwitz in Tschechien hat sage und schreibe elf Söhne. Was tut man mit elf Söhnen? Dumme Frage, man gründet eine Fussballmannschaft! Nach Jahren intensiven Trainings betritt die Klapperzahn-Elf den Rasen – und erobert im Sturm die tschechische Meisterschaft, ohne auch nur ein einziges Gegentor zu kassieren. Doch das ist noch längst nicht alles! Berlin – Mailand – Barcelona (schon damals eine Fussballhochburg) – London (König George V ist very amused, trotz der englischen Niederlage – er verleiht sogar seinen ältesten Sohn, den Prince of Wales, für eine Weile als Ersatzspieler an die Klapperzähne). Nichts scheint die Jungs aus Nieder-Buckwitz aufhalten zu können. Doch dann erleben die Klapperzähne ihre erste Niederlage, und das nicht einmal während eines Spiels. Ein kleiner Junge sagt ihnen mitten in die elf Gesichter, sie würden ja nur des Geldes wegen spielen, er hingegen für die Ehre. Dieser Vorwurf erschüttert die Brüder zutiefst; sie haben sich selber gar nie als Profis verstanden, sondern nur immer voller Leidenschaft gespielt, während ihr Vater – Klapperzahn Senior, Vater, Trainer und Manager in einer Person – für das Geschäftliche zuständig war. Jetzt wollen die Klapperzähne ihre Karriere schleunigst beenden und künftig nur noch als Amateure „tschutten“. Doch ein wichtiges Spiel steht ihnen noch bevor.

Ein witziges Buch, selbst wenn dem Leser (so wie mir) die Welt des Fussballs völlig fremd ist. Im Anhang werden glücklicherweise noch die vielen zeitgenössischen und länderspezifischen Anspielungen im Text erklärt.

24. August 2017

Ein Schloss voller Überraschungen

by Gabriel Weber

Nach langer Zeit (zum ersten Mal seit dem 26. November 2013) halte ich wieder einmal eine kleine Laudatio auf die englische Schriftstellerin Edith Nesbit (1858-1924). Eines ihrer Werke ist Das verzauberte Schloss (The Enchanted Castle).

Die drei Geschwister Gerald (als Ältester der unerschrockene, tatkräftige Anführer), Kathy (das fürsorgliche Mütterchen) und Jimmy (das gewitzte Nesthäkchen) müssen die Ferien im Internat verbringen, weil zuhause die Masern ausgebrochen sind. Doch diese Ferien werden nicht so sterbenslangweilig wie befürchtet. Die Kinder entdecken in der Umgebung ein verwunschenes Schloss, das nicht ganz das ist, was es zu sein scheint; eine schlafende Königstochter, die auch nicht ganz das ist, was sie zu sein scheint; einen Schlossverwalter, der – erraten! – auch nicht ganz das ist, was er zu sein scheint; ein Zimmer voller Juwelen; einen Park mit Statuen, die ein verdächtiges Eigenleben führen; und nicht zuletzt einen geheimnisvollen Ring. Letzerer erweist sich als ausgesprochen nützlicher Gegenstand, der allerdings so seine Tücken hat. Mit diesem Ring am Finger sollte man gut aufpassen, was man sagt!

Der Stil der klassischen angelsächsischen Kinderliteratur ist wirklich unvergleichlich! Edith Nesbit verbindet in diesem Werk altmodischen Charme mit britischem Humor. Besonders dann, wenn Gerald das Geschehen kommentiert – und zwar so, als lese er aus einem Buch vor.

22. August 2017

Blaue Mützen und elf Tote

by Gabriel Weber

Hach, was gibt es schöneres als den Gesang von Knabenchören! Soprane und Alte, noch ungefährdet vom Stimmbruch, wahre Engelsstimmen… Neben den Sängerknaben aus Wien (Blog vom 20. Februar 2014), den Thomanern aus Leipzig und den Domspatzen aus Regensburg sind im deutschsprachigen Raum vor allem die „Kruzianer“ zu nennen, die Mitglieder des Kreuzchors aus Dresden.

Alles begann mit einer Reliquie – einem Holzsplitter, der angeblich vom Kreuz Christi stammte. Dafür wurde im 13. Jahrhundert an die Nikolaikirche eine Kreuzkapelle (Capella Sanctae Crucis) angebaut. Dies war der Ursprung von Kreuzkirche, -schule und -chor. Bereits im 14. Jahrhundert existierte in Dresden eine Schule, deren Schüler regelmässig bei kirchlichen Feierlichkeiten den Chor stellten – besonders eben in der Kreuzkirche, die nach mehreren Umbauten aus der Nikolaikirche mit der Kreuzkapelle hervorgegangen war. Die Einführung der Reformation in der sächsischen Hauptstadt im Jahre 1539 war ein wichtiger Wendepunkt in der Chorgeschichte. Auch während des Ersten Weltkriegs führte der Kreuzchor seine Arbeit unbeirrt weiter, trotz abwesender Lehrkräfte sowie Mangels an Lebensmitteln und Heizmaterial. Die ökonomischen Turbulenzen nach dem Krieg führten beinahe zum Untergang des Chores, der daraufhin erstmals in seiner Geschichte Auslandstourneen unternahm und sich damit sanierte. In der Folge waren die charakteristischen blauen Mützen der Kruzianer in vielen Ländern zu sehen, sogar in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Elf Kruzianer sind bei der Bombardierung Dresdens 1945 ums Leben gekommen. Doch wie die Stadt in Trümmern lag und wieder aufgebaut wurde, so wurde auch der Kreuzchor neu organisiert, überdauerte die DDR und besteht bis heute. Jetzt bei buchplanet.ch: Capella Sanctae Crucis von Erna Hedwig Hofmann.

17. August 2017

Mehr Buch als Planet

by Gabriel Weber

Wer sich von Berufs wegen mit Büchern befasst, sollte unbedingt Die Komödie des Buches von István Ráth-Végh lesen. Darin erzählt der Autor Kurioses und Groteskes aus der Welt der Bücher. Ich persönlich finde zwar die Quellenlage nicht immer ganz zweifellos, aber es ist jedenfalls unterhaltsam zu lesen.

In einer englischen Bibel von 1632 wurde an einer wichtigen Stelle das Wort „nicht“ vergessen. Dort steht also Du sollst ehebrechen (Seite 49). Um bei der Bibel zu bleiben: In früheren Zeiten vertraten ernsthafte Wissenschaftler die Meinung, niemand anderes als Adam und Eva (Jawohl, auch Eva!) hätten die ersten Bücher geschrieben (Seite 5ff.). Im 17. Jahrhundert beschrieb ein französischer Priester namens François Arnoulx in einem Buch sehr detailliert und fantasievoll sowohl den Himmel als auch die Hölle (Seite 284 und 295). Bücherwürmer besonderen Formats waren ein gewisser Monsieur Lenglet-Dufresnoy, der eines Abends so lange am Kamin las, bis er vor Erschöpfung ohnmächtig wurde und den Kamin-Feuertod starb, und der Dichter Alessandro Guidi, der dem Papst eines seiner Bücher überreichen wollte, aber auf dem Weg zur Audienz einen Druckfehler entdeckte und daraufhin tödlich vom Schlag getroffen wurde (Seite 74f.). Auguste Harmand, Direktor der Bibliothek in Troyes (Frankreich), plünderte jahrzehntelang unbemerkt seine eigene Institution (Seite 100). Selbst Johann Wolfgang Goethe blieb nicht von der Zensur verschont, besonders sein Faust wurde immer wieder „stubenrein“ gemacht (Seite 117ff.).

Und noch etwas für Leute, die es sehr makaber mögen: In der Bibliothek von Bury St Edmunds (England) gibt es ein Buch, das die Lebensgeschichte eines hingerichteten Mörders erzählt – gebunden in dessen eigene Haut (Seite 54)…

15. August 2017

Felix Austria

by Gabriel Weber

Manchmal (oder sogar oft) hängt der Verlauf der Weltgeschichte von Kleinigkeiten ab. Hannes Stein macht sich in seinem Roman Der Komet (jetzt günstig bei buchplanet.ch erhältlich) Gedanken darüber, welche Auswirkungen eine ganz kleine Veränderung haben könnte.

Österreich ist eine Monarchie unter Kaiser Franz Joseph II.; In Wien gibt es Salons und Psychoanalytiker und Exzellenzen und Erzherzöge; Lenin ist als verarmter und verbitterter Journalist in Zürich gestorben; Europa besteht zum grössten Teil aus Monarchien, Afrika aus Kolonien europäischer Staaten; Kuba möchte den Vereinigten Staaten von Amerika beitreten; Im Kino gibt es Wochenschauen; Der Mond ist seit der ersten Mondlandung 1945 eine deutsche Kolonie. Dort oben arbeitet zur Zeit auch der k. u. k. Hofastronom David Gottlieb, genannt Dudu (zu seinem Mondflug startet er nicht auf irgendeiner Raketen-Basis, sondern schlicht und einfach am Flughafen Wien-Schwechat). Und während seine Frau Barbara in Wien mit Alexej von Repin flirtet, hat Dudu dramatische Neuigkeiten: Ein Komet nähert sich der Erde. Ein grosser Komet. Ein sehr grosser Komet…

Und warum das alles? Nur weil Erzherzog Franz Ferdinand damals in Sarajevo nach dem ersten, gescheiterten Attentatsversuch auf dem Absatz kehrt machte und wieder nach Hause ging – anstatt im Automobil einem weiteren Attentäter direkt vor die Pistole zu fahren.