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16. August 2018

Euer Land trägt Edelstein

Kürzlich hatte ich das Vergnügen, Stuttgart zu besuchen. Es ist ganz einfach. Man steigt in Zürich HB in den Zug und in Stuttgart Hbf wieder aus. Man beachte übriges die unterschiedlichen Abkürzungen von „Hauptbahnhof“.

Die Hauptstadt des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg liegt am Neckar, in einem Talkessel. Die Autostadt (Mercedes und Porsche) und Theater-Metropole war lange als nicht sonderlich attraktive Stadt, als reiner Industriestandort verschrien. Dies liegt vermutlich daran, dass ein grosser Teil der Stadt nach dem Krieg in Schutt und Asche lag und und dann viele funktionale, wenig ästhetische Neubauten errichtet wurden. Hier einige Tipps für Stuttgart-Reisende: Die neue Stadtbibliothek (mit Dachterrasse). Das Buchhaus Wittwer (prominenteste Lage, direkt am Schlossplatz). Der Hoppenlau-Friedhof (richtig romantisch – mitten zwischen modernen Gebäuden ein kleiner Park mit uralten, verwitterten Grabsteinen, darunter dem von Wilhelm Hauff, vergleiche Blog vom 15. April 2014). Das Schiller-Denkmal (das älteste seiner Art in ganz Deutschland). Das Denkmal für König Wilhelm II. von Württemberg (ein Fussgänger im Gehrock mit zwei Hunden – seltene Darstellung eines Monarchen). Auch die Umgebung kann sich sehen lassen: Ludwigsburg (das schwäbische Versailles). Marbach (Geburtsort Schillers und Standort des Literatur-Archivs). Tübingen (bezaubernde Universitätsstadt, in der, dies nur ganz nebenbei bemerkt, meine Mutter aufgewachsen ist). Schönbuch (Waldgebiet). Lichtenstein ohne ie (pseudo-mittelalterliche Burg). Übrigens muss natürlich auch die schmackhafte schwäbische Küche erwähnt werden, insbesondere Maultaschen (so eine Art überdimensionierte Ravioli in klarer Brühe) und Käs-Spätzle.

Bei buchplanet.ch haben wir zum Beispiel Das Stuttgarter Hutzelmännlein von Eduard Mörike (der Dichter ruht auf dem Pragfriedhof), das Stuttgarter Biblische Nachschlagewerk und Andreas Streichers Schillers Flucht.

14. August 2018

Kleine graue Zellen

Mein Lieblingsdetektiv Hercule Poirot (ordnungsliebender Belgier mit makellosem Schnurrbart und gesundem Selbstbewusstsein, erdacht von Dame Agatha Christie) ist zurück! Sophie Hannah hat ihn in ihrem Kriminalroman Die Monogramm-Morde wiederaufleben lassen.

Hercule Poirot sitzt eines Abends gemütlich in einem Café und macht dort die Bekanntschaft einer verängstigten Dame namens Jennie. Jennie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie erstens demnächst ermordet werden wird und dass es ihr zweitens ganz recht geschieht. Begreiflicherweise wundert Poirot sich ein wenig. Umso alarmierter ist er, als sein Freund, der Polizist Edward Catchpool, ihm von dem geheimnisvollen Dreifachmord im Hotel Bloxham erzählt. Zwei Frauen und ein Mann starben dort beinahe gleichzeitig an Gift, wurden geradezu hingerichtet – und im Mund jeder Leiche befand sich ein goldener Manschettenknopf mit dem eingravierten Monogramm PIJ. Hercule bringt seine berühmten kleinen grauen Zellen in Schwung und seinen „Watson“ Catchpool durch seine pedantische Genauigkeit beinahe zur Verzweiflung. Bald stellt sich heraus, dass zwischen den drei Mordopfern durchaus eine Verbindung besteht. Sie stammten nämlich alle aus dem gleichen Dorf und haben sich offenbar gut gekannt. Ausserdem ist Poirot felsenfest davon überzeugt, dass sein Jennie-Erlebnis irgendwie mit diesem Fall zusammenhängt. Wird sie vielleicht schon bald das vierte Opfer des geheimnisvollen Giftmörders? Eigentlich wäre es ja nur allzu logisch, wenn eine gerade Anzahl Manschettenknöpfe im Verkehr wäre…

Eine der zentralen Fragen im Fall Bloxham: Warum haben die drei zukünftigen Mordopfer (immerhin Engländer!) im Hotel Five o‘ clock Tea aufs Zimmer bestellt – zu einem Zeitpunkt, als eigentlich ein Dinner fällig gewesen wäre? Das ist doch höchst seltsam!

9. August 2018

Scheiden tut weh

Der Titel dieses Romans von Hera Lind ist sozusagen Programm: Das Superweib.

Franziska sitzt mit zwei kleinen Kindern brav zuhause, während der Herr Gemahl, Regisseur von Beruf, in der Karibik weilt und Fernsehserien dreht. So kann das doch nicht weitergehen! Deshalb reicht Franziska kurzerhand die Scheidung ein und setzt sich hin, um für ihren Anwalt die Geschichte ihrer missglückten Ehe aufzuschreiben. Mehr oder weniger durch Zufall gerät das Manuskript in die Hände eines Verlages – und wird, zum Roman mit dem Titel „Ehelos glücklich“ umgearbeitet, ein riesiger Erfolg! Allerdings benutzt die Verfasserin nicht ihren eigentlichen Namen Franziska Herr (ja, Herr wie Dame), sondern das Pseudonym Franka Zis. Mit dem Rechtsanwalt Dr. Enno Winkel (welch passender Name für einen Advokaten, haha!) tritt natürlich auch prompt ein interessanter neuer Mann in das Leben der frischgebackenen Bestseller-Autorin. Hach, so ein netter, gutmütiger, attraktiver, tüchtiger, wohlhabender Mann! Ein Muttersöhnchen zwar, aber mit einer Mutter gesegnet, neben der jedes Bilderbuch-Grosi vor Neid erblassen würde! Ferner gibt es da auch noch den Lektor von Franziskas Verlag, der auch gar nicht übel ist – also der Lektor, nicht der Verlag… Doch dann steht ganz plötzlich ihr zukünftiger Ex-Mann Wilhelm Grosskötter (wie kann man nur so heissen!) vor der Tür. Er hat ein neues Projekt für seine Regie-Tätigkeit. Und zwar will er einen Roman verfilmen, diesen erfolgreichen neuen Roman von Franka Zis, „Ehelos glücklich“. Das Drehbuch für den Film will Wilhelm mit der Autorin zusammen schreiben. Wer das ist, weiss er (noch) nicht.

Auch wenn die Geschichte hin und wieder bedenklich in Groschenroman-Nähe absackt (besonders, was Franziskas komplizierte Beziehungen zum männlichen Geschlecht und dessen diversen Vertretern betrifft), so ist der Roman doch sehr unterhaltsam. Die Erzählerin hat nämlich einen ausgesprochen schrägen Humor, garniert mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Und die beiden Knirpse Franz (4 Jahre) und Willi (2 Jahre) sind einfach unschlagbar!

7. August 2018

Der 2. Juni 1743

Wieder ein „wahres Märchen“:

Es war einmal ein Mann namens Giuseppe. Geboren wird er am 2. Juni 1743 in Palermo, doch über seine frühen Jahre weiss man nur wenig. 1768, soviel steht fest, taucht Giuseppe in Rom auf. Am 20. April dieses Jahres heiratet er dort Lorenza Feliciani. Das Ehepaar reist quer durch Europa; er betätigt sich als Betrüger und Fälscher, sie knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten. Während eines Aufenthaltes in London 1776/1777 kommt es zur Zäsur: Fortan ist Giuseppe ein Graf, der mit alchemistischen Experimenten und spiritistischen Séancen, als Wunderheiler und Wahrsager Aufsehen erregt. Er wird Freimaurer und gründet bald seine eigene Loge, die geradezu sektenähnliche Züge annimmt. Seitdem die Religion von der Aufklärung „entthront“ wurde, besteht in Europa nämlich eine grosse Nachfrage nach Esoterik, Okkultismus usw. Von den Einen abgöttisch verehrt, von den Anderen abgrundtief gehasst, so zieht Giuseppe mit seiner Frau durch die Lande (1787/1788 halten sie sich übrigens in der Schweiz auf) und feilt dabei immer weiter an der Kunstfigur, die er kreiert hat. Einen besonders publikumswirksamen Auftritt hat er vor Gericht während der Halsbandaffäre (siehe Blog vom 18. Juni 2018). Am 27. Dezember 1789 wird Giuseppe in Rom verhaftet. Nicht wegen seiner Betrügereien, sondern als Ketzer und Revolutionär verurteilt ihn die Inquisition zum Tode. Von Papst Pius VI. zu lebenslanger Haft begnadigt, verbringt der Sizilianer seine letzen Jahre im Gefängnis. Giuseppe stirbt am 26. August 1795 an einem Schlaganfall – doch sein Mythos lebt weiter.

Giuseppe Balsamo hiess er ursprünglich, doch einst kannte ihn ganz Europa als den Grafen Cagliostro. Thomas Freller untersucht in Cagliostro. Die dunkle Seite der Aufklärung die vielen Mythen, die es über diesen Mann gibt. Im deutschen Spielfilm Münchhausen (1943) tritt Cagliostro auf, dargestellt von Ferdinand Marian (vergleiche Blog vom 18. August 2016). Baron Münchhausen, dargestellt von Hans Albers, sagt über ihn: „Was sollten die Dummen ohne ihn anfangen? Er pumpt ihnen seine Fantasie, allerdings gegen Wucherzinsen.

26. Juli 2018

Lasset uns graben!

Die Familie Gruber macht ihrem Namen Ehre. Vater, Mutter, Tochter Fabienne und Sohn Henrik – alle graben neuerdings mit Leidenschaft Löcher im Garten. Warum? Tja – um das zu erfahren, muss man das Buch Hilfe! Ich will hier raus! von Salah Naoura lesen.

Eines schönen Tages steht Oma Cordula vor der Tür. Diese alte Dame, die je nach Situation geistig mehr oder weniger verwirrt ist, quartiert sich bei den Grubers ein und stellt das Leben ihrer sterbenslangweiligen Verwandtschaft gewaltig auf den Kopf. Unter Anderem behauptet sie, irgendwo im Garten seien Goldbarren versteckt. Die Grubers greifen zum Spaten und bald hat der Garten (den Frau Gruber wohlgemerkt bisher immer mit so viel Hingabe gepflegt hat) mehr Löcher als ein Emmentaler Käse. Nun gut, das ginge ja noch. Doch als die Nachbarn Wind von dem Gold bekommen, gerät die Sache ausser Kontrolle! Da der Kurpark direkt an den Gruberschen Garten angrenzt und der Schatz nach Oma Cordulas Aussage auch irgendwo dort vergraben sein könnte, bricht ein regelrechter Goldrausch aus. Die ganze Stadt schaufelt im Kurpark herum, die Strassen sind leer, das öffentliche Leben kommt beinahe zum Erliegen. Es wird gebuddelt, was das Zeug hält! (Goethe, Faust I: „Am Golde hängt, zum Golde drängt…„) Doch von den Goldbarren fehlt jede Spur…

Und Oma Cordula liegt unterdessen seelenruhig im Liegestuhl und schaut zu! Aber wer weiss, vielleicht bringt sie bei den Grubers endlich mal ein bisschen Leben in die Bude – unabhängig davon, ob der Schatz nun gefunden wird oder nicht (und ob es ihn überhaupt gibt).

24. Juli 2018

Miss Universum

Es gab eine Zeit, in der Menschen mit körperlichen Anomalien vor zahlendem Publikum zur Schau gestellt wurden wie Tiere im Zoo. Daran erinnert nicht nur Tod Browning in seinem Film Freaks (1932), sondern auch Margrit Schriber in ihrem Roman Die hässlichste Frau der Welt.

Rösli aus Morschach in der Zentralschweiz wollte eigentlich nach Amerika auswandern. Doch es kommt ganz anders. Das Mädchen strandet in der englischen Hafenstadt Southampton (während der Rest ihrer Gruppe davonsegelt) und läuft dort einem Herrn namens Theodore Fairchild Lent über den Weg. Lent ist Schausteller und hat gerade eine neue Errungenschaft aus Amerika mitgebracht: Julia Pastrana. Mit ihrem deformierten, haarigen Gesicht wird Julia dem Publikum als „Affenfrau“ und „Hässlichste Frau der Welt“ präsentiert und ist eine enorme Attraktion im Varieté. Doch nicht nur das Publikum, sondern auch die Wissenschaft interessiert sich brennend für Julia – schliesslich befindet man sich gerade in der Zeit von Darwins Evolutionstheorie, da sind Affen grosse Mode. Lent engagiert Rösli; ihre Aufgabe besteht darin, für das Publikum durch ihre Schönheit den Effekt von Julias Aussehen zu unterstreichen. Ausserdem wird „Rosie la Belle“, wie man sie nun nennt, sozusagen das Faktotum von Mr. Lent und die Zofe des Stars. So tut Rösli manche Einblicke ins Showbusiness. Am Anfang hat sie Angst vor Julia, doch dann erkennt sie den Menschen hinter dem „Monster“. Einen Menschen mit Gefühlen, Empfindungen – und einer Leidenschaft für Handarbeit.

Diese menschenverachtende Sensationsgier, diese makabere Schaulust… Da sieht man wieder einmal, das in der „guten alten Zeit“ eben doch nicht alles besser war!

19. Juli 2018

Marlenes Suppe

À propos Essen (Blog vom 17. Juli 2018): Interessant ist auch die Frage, was berühmte Leute vor ihrem Ableben gespeist haben.

Es gibt Leute, die ganz genau wissen, welche Mahlzeit ihre letzte sein wird. Marie Antoinette nimmt vor ihrer Enthauptung nur ein Mignonette-Brötchen und ein Tasse Schokolade zu sich. Aus Hühnchen mit Pommes Frites und Erbsen besteht die Henkersmahlzeit von Bruno Richard Hauptmann, ehe der angebliche Mörder des Lindbergh-Babys den Gang zum Elektrischen Stuhl antritt. Heinrich von Kleist isst eine heisse Bouillon, bevor er sich das Leben nimmt. Maria Stuart lässt sich Haferbrot und Wein servieren. Die berühmteste Henkersmahlzeit überhaupt besteht ebenfalls aus Brot und Wein: jene von Jesus. In anderen Fällen ist es eher Zufall. Am Abend vor der Katastrophe, die für ihn tödlich enden wird, geniesst John Jacob Astor auf der Titanic ein Menü mit sage und schreibe elf Gängen. Franklin D. Roosevelt verzehrt einige Löffel Haferschleim. Ein amerikanisches Frühstück ist das letzte, was John F. Kennedy konsumiert. Menelik II., Kaiser von Äthiopien, isst (kein Witz!) einige Seiten aus dem Alten Testament, bevor er dahinscheidet. Marlene Dietrich lässt sich noch einmal ihr Leibgericht zubereiten: Hühnersuppe.

Richard Fasten (welch passender Name!) hat in Das letzte Gericht diese Fakten zusammengetragen, inklusive Rezepte.

17. Juli 2018

Än Guätä!

Auguste Escoffier war zu seiner Zeit der berühmteste Koch der Welt. Sein Kochkunstführer (Guide Culinaire) war bis vor Kurzem bei buchplanet.ch erhältlich. Kaum hatte ich das Buch ins System eingespeist und mit dem Blog angefangen, schon wurde es bestellt.

Wissen Sie,  was ein Sauté de Veau aux Nouilles ist? Nein? Kalbsragout mit Nudeln (Seite 406). Und wissen Sie, was ein Soufflé aux Avelines ist? Was, auch nicht? Haselnuss-Auflauf (Seite 634). Aber dann ist Ihnen doch wenigstens die Potage d’Orge au Céleri ein Begriff? Na, Sie wissen aber auch gar nichts! Das ist Gerstensuppe mit Sellerie (Seite 149). Escoffiers Buch ist sehr gründlich: 82 weisse Saucen, 56 braune Saucen. 11 einfache Salate, 57 zusammengesetzte Salate. Selbstverständlich gibt es nicht nur Rezepte, sondern auch technische Erläuterungen, zum Beispiel folgende: Suppen werden in zwei Kategorien eingeteilt, nämlich klare und gebundene Suppen. Die gebundenen wiederum werden in fünf Arten eingeteilt. Ausserdem ist es in jedem Fall äusserst wichtig, dass die Suppe sehr heiss serviert wird. Neben der Kochkunst kann man hier zugleich auch die französische Sprache erlernen, die Gerichte haben nämlich (auch in der deutschen Version) alle klangvolle französische Namen.

Also, auf in die Küche! Arbeiten wir den ganzen Escoffier systematisch durch, von den Vorspeisen bis zu den Desserts. Guten Appetit!

12. Juli 2018

Nur für Fortgeschrittene!

Es gibt viele Bücher über das Schach (vergleiche Blog vom 13. April 2017), auch solche für Anfänger. Schachphilosophie von Josef Seifert hingegen ist definitiv nur etwas für Fortgeschrittene.

Es gibt viele interessante philosophische Knacknüsse beim Schach. Man stelle sich vor: In der Realität nur ein kariertes Brett (sozusagen das Brett, das die Welt bedeutet) und 32 komische kleine Figürchen – in der Fiktion des Spiels eine ganze Miniaturwelt. Der König als schwache und angreifbare Figur, die aber dennoch direkt oder indirekt das ganze Geschehen bestimmt. Die Dame als starke, dominante Figur, die meistens eine sehr zentrale Rolle spielt (ausgesprochen feministisch). Eine fast unendliche Vielfalt an Möglichkeiten. Regeln, die im Grunde völlig willkürlich sind, aber trotzdem von jedermann eingehalten werden (der Läufer zieht so, der Turm zieht so, der Bauer zieht so…). Daneben gibt es auch noch „inoffizielle“ Faustregeln (zum Beispiel: Möglichst früh das Zentrum besetzen), die nicht willkürlich, sondern das Ergebnis jahrhundertelanger Erfahrung sind. So geht es über 100 Seiten weiter: „Anwendung allgemeiner logischer, ontischer und mathematischer Wesensgesetze beim Schach“ (Du lieber Himmel!), „Empirische und apriorische Erkenntnis notwendiger Gesetze“ (Wie bitte?)… Ein eigenes Kapitel ist der Ethik des Schachspiels gewidmet (es gibt nämlich eine solche!), ein weiteres dem Schach in der Kunst. Ebenfalls betrachtet wird die Frage, ob der Computer je den menschlichen Schachspieler verdrängen wird. Ich persönlich glaube das nicht. Ausserdem macht das Schachspielen gegen Menschen viel mehr Spass, von den Erfolgschancen mal ganz zu schweigen.

Sind Sie noch da, geschätztes Publikum? Lassen Sie sich durch dieses ganze Gequassel ja nicht vom Schachspielen abhalten!

10. Juli 2018

Die Fahrt der Frau Benz

Berta Benz, die Gattin von Carl Benz, fuhr 1886 mit ihren beiden Söhnen Eugen und Richard von Mannheim nach Pforzheim – die erste Autoreise der Geschichte. Frau Benz wollte der Welt (und insbesondere ihrem Ehemann) beweisen, dass diese neue Maschine etwas taugte.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg blieb das Auto ein kostspieliges Luxusobjekt. Unternehmen wie Rolls-Royce (Blog vom 29. März 2016), Maybach und Duesenberg bauten exquisite Strassenkreuzer für eine wohlhabende Kundschaft. Obwohl die Vorteile des Kraftwagens offensichtlich waren (im Gegensatz zu Pferden verbraucht er nur dann Treibstoff, wenn man ihn benutzt), hatte das Automobil in manchen Gegenden Mühe, sich durchzusetzen. Kaum hatte man sich einigermassen an das neue Verkehrsmittel gewöhnt, wollte man auch schon seine Grenzen austesten. Autorennen kamen in Mode, immer noch weiter und noch spektakulärer. Einer der Höhepunkte war das Rennen Peking-Paris im Jahr 1907 (siehe Blog vom 20. Oktober 2015). In den 1950er Jahren begann schliesslich das Zeitalter des Autos als Massenprodukt, und zwar mit allen Nebenwirkungen. 30 Jahre später wurde der „Umweltverschmutzer Nummer 1“ dann vom Sockel gestürzt. Ein eigenes Kapitel ist die Beziehung zwischen dem Auto und dem Kino. Das Automobil und der Film sind nicht nur fast gleich alt, sie haben sich auch gegenseitig beeinflusst, man denke nur an James Bonds legendären Aston Martin in Goldfinger oder an das Wunderauto Chitty-Chitty-Bang-Bang (siehe Blog vom 19. Januar 2016).

Jetzt bei buchplanet.ch: Eine Jahrhundertliebe. Menschen und Automobile von Judith Jackson. In zahlreichen Bildern (und mit einem Geleitwort von Henry Ford II, dem Sohn von Autokönig Henry Ford) erlebt man da die ganze Geschichte der „Kutschen ohne Pferde“.