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Author Archive

25. September 2018

Meine Tante wohnt im Russischen Reich…

Erinnern Sie sich noch an Fantomas, den französischen Groschenroman-Verbrecherkönig aus der Belle Époque (Blog vom 27. September 2016)? Für Interessierte hat buchplanet.ch jetzt einen Sammelband mit vier Romanen (den Nummern 29 bis 32 der Serie) von Marcel Allain und Pierre Souvestre im Angebot – allerdings wohlgemerkt im Original, in der Sprache Molières!

In La cravate de chanvre (wörtlich Die Hanfkrawatte, also der Galgen) treibt Fantomas sein Unwesen in Russland. Gleich zu Beginn ermordet er Boris Pokroff, den Chef der kaiserlichen Geheimpolizei, und kremiert ihn in seinem eigenen Ofen. Dann nimmt er, ein Meister der Verkleidung, Pokroffs Platz ein. Doch wo Fantomas ist, da sind seine beiden ewigen Widersacher nicht weit: Kommissar Juve von der französischen Kriminalpolizei und der Journalist Jérôme Fandor von der Zeitung La Capitale sind ihrer Nemesis auf den Fersen. Und sogar Seine Majestät Zar Nikolaus II. höchstpersönlich tritt auf! Aber natürlich kommt es so, wie es kommen muss – am Ende steht der gute Juve in St. Petersburg am Bahnhof und sieht zähneknirschend dem Zug nach, mit dem Fantomas verduftet. In La Fin de Fantomas folgt schliesslich das ganz grosse Finale: Als der Luxusdampfer Gigantic mit einem Eisberg zusammenstösst und sinkt (kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor, geschätztes Publikum? Das Buch erschien erstmals 1913!) gehen Fantomas und Juve gemeinsam zugrunde. Im letzten Moment teilt der Oberschurke dem Polizisten noch im Vertrauen mit, er sei – nein, nicht sein Vater! Aber sein Zwillingsbruder… Dann versinken die Beiden im Ozean.

Doch keine Sorge, die Todesfälle von Juve und Fantomas sind ebenso vorübergehend wie jener von Sherlock Holmes.

20. September 2018

Die Frau im Schatten

Ein neues „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau namens Josefine. Sie wird am 29. August 1894 im bayrischen Ebersberg geboren und tritt als junge Frau in den Orden der Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz ein. Josefine ist noch nicht 24 Jahre alt, als sie nach München geschickt wird, um dem dortigen Nuntius den Haushalt zu führen. So begegnet sie zum ersten Mal jenem langen, hageren Priester mit der eindrucksvollen Nase, dem sie 40 Jahre lang nicht mehr von der Seite weichen wird. Ihr Dienstherr wird Nuntius in Berlin – Josefine geht mit. Er wird als Kurienkardinal nach Rom berufen – Josefine geht mit. Als der Papst im Sterben liegt, ist Josefine diejenige, die den entscheidenden Telefonanruf entgegen nimmt. Der 2. März 1939 ist einer der Höhepunkte in Josefines Leben: Nach nur gerade zwei Tagen Konklave tritt ihr Chef für sein erstes Urbi et Orbi auf den Balkon des Petersdoms. Fortan führt Josefine den Haushalt des Papstes – des politisch wohl umstrittensten Papstes des 20. Jahrhunderts. Obwohl die bayrische Ordensschwester sich nie in den Vordergrund drängt, wird sie doch eine Persönlichkeit des öffentlichen Interesses; immerhin kennt sie das Kirchenoberhaupt, das sich meistens aristokratisch-unnahbar gibt (und übrigens, abgesehen von den jährlichen Reisen in die Sommerfrische nach Castel Gandolfo, den Vatikan nur sehr selten verlässt) aus nächster Nähe. Schon bald kursieren viele Anekdoten, zum Beispiel die, dass Josefine eines Tages mitten in eine Privataudienz hereingeplatzt sei, um dem Heiligen Vater mitzuteilen, das Essen werde kalt. Nach dem Tod des Papstes am 9. Oktober 1958 zieht sie in das Päpstliche Nordamerikanische Priesterkolleg in Rom. Josefine stirbt am 10. November 1983 – sie hat nicht nur „ihren“ Papst überlebt (um 25 Jahre!) sondern auch drei seiner Nachfolger.

Ihr Ordensname war Pascalina und als Schwester Pascalina Lehnert, langjährige Haushälterin und Vertraute von Papst Pius XII., ist sie in die Geschichte des Vatikans eingegangen. Jetzt bei buchplanet.ch: Gottes mächtige Dienerin von Martha Schad.

18. September 2018

Ahoi, Herr Kapitän!

Der Fliegende Holländer ist nicht nur eine Oper von Richard Wagner, sondern auch ein legendäres Geisterschiff.

Chapelvale, England, Anno Domini 1896: Ein blonder, seemännisch wirkender Junge und sein Hund kommen ins Dorf. Was niemand ahnt: Erstens sieht der Junge (er nennt sich Ben) zwar nicht älter aus als dreizehn, hat aber in Wirklichkeit schon sage und schreibe 289 Jahre auf dem Buckel. Zweitens können er und sein schwarzer Labrador (namens Ned) sich in Gedanken miteinander unterhalten. Und drittens waren sie beide seinerzeit auf dem Fliegenden Holländer. Als die Mannschaft jenes Schiffes einst dazu verdammt wurde, für immer und ewig über die Weltmeere zu segeln, wurden der stumme Küchenjunge und ein ihm zugelaufener Hund, den er heimlich auf das Schiff geschmuggelt hatte, von der Strafe ausgenommen, weil sie die einzigen unschuldigen Seelen an Bord waren. Stattdessen bekamen die Beiden die Aufgabe, durch die Welt zu ziehen und Gutes zu tun. Dafür wurde Ben, der damals noch Neb hiess (Abkürzung für Nebukadnezar), und Ned, der damals noch Den hiess (Abkürzung für Denmark), die Gabe der Sprache und der ewigen Jugend geschenkt. So kommen Ben und Ned also 276 Jahre später, aber keinen Tag älter geworden, nach Chapelvale und finden Aufnahme bei der gastfreundlichen Kapitänswitwe Winifred Winn, genannt Winnie. Schon bald haben sie Gelegenheit, sich nützlich zu machen. In Chapelvale ist die Welt nämlich gar nicht so heil wie es scheint; Der sogenannte Fortschritt droht dem Ort den Garaus zu machen. Ausserdem gibt es da einige jugendlichen Streithähne, die Schwächere tyrannisieren und denen man dringend eine Lektion erteilen sollte. Der Junge mit den ungewöhnlichen blauen Augen hat glücklicherweise die hilfsbereiten Geschwister Amy und Alex Somers kennengelernt.

Eines ist klar: Am Ende müssen Ben und Ned sich schweren Herzens von Chapelvale und seinen Einwohnern verabschieden und weiterziehen… Diese Geschichte erzählt Brian Jacques in seinem Roman Die Gestrandeten.

13. September 2018

Die rettende Oase

Wissen Sie, geschätztes Publikum, was eine Steueroase ist? Das muss man sich folgendermassen vorstellen: Ein bemitleidenswerter Kapitalist schleppt sich erschöpft durch die Wüste (das Land, in dem er lebt). Unbarmherzig knallt die Sonne (Vater Staat) auf ihn herab und sorgt dafür, dass der Geldsack des Kapitalisten immer leichter wird, weil immer mehr verdunstet (Steuern). Das schöne, sauer verdiente Geld! Da – endlich erblickt der Kapitalist kurz vor dem Verdursten (Pleite) am Horizont die rettende (Steuer-)Oase, wo er unter schattigen Palmen (niedrigere Steuern) ungestört seinen Geldsack wieder füllen kann (lockere Regulierung der Finanzwelt). Manchmal macht er Spaziergänge in der Wüste, um von ihren Vorzügen zu profitieren, und dreht der Sonne jedes Mal eine lange Nase, bevor er grinsend in seine Oase zurückkehrt.

Nicholas Shaxson befasst sich in seinem Buch Schatzinseln. Wie Steueroasen die Demokratie untergraben mit diesem Problem. Der Autor erklärt genau, wodurch sich eine typische Steueroase auszeichnet, zum Beispiel durch eine effiziente Geheimhaltung (Stichwort Bankgeheimnis). Für SteuerhinterzieherInnen, GeldwäscherInnen und solche, die es werden wollen, wird auch das System eingehend erläutert. Die Schweiz gilt als Steueroase (insbesondere die Kantone Zug und Schwyz), ferner die Kleinstaaten Luxemburg, Liechtenstein und Monaco. Panama hat ebenfalls einen einschlägigen Ruf. Aber auch Länder wie das Vereinigte Königreich von Grossbritannien und Nordirland (Jersey) oder die Vereinigten Staaten von Amerika (Delaware) haben ihre steuertechnischen Hinterzimmer, sprechen jedoch in der Regel nicht gerne davon.

Der arme Kapitalist mit seinem schwindenden Geldsack kann einem so schreeecklich leid tun… Hoffen wir, dass die Oase sich am Ende nicht als Fata Morgana erweist!

11. September 2018

Zurich, Ontario

Von Zürichtal auf der Krim (Ukraine oder Russland? Ich habe den Überblick verloren…) über Berna in Argentinien bis nach Locarno Spring in Australien führt die Reise im Weltatlas der Schweizer Orte von Petra Koci.

In den vergangenen Jahrhunderten sind viele Schweizer ausgewandert. Trotzdem blieben sie ihrer alten Heimat oft verbunden, zum Beispiel jene Leute aus dem Kanton Zürich, die 1805 unter der Leitung von Major Hans Caspar Escher (Grossvater Alfred Eschers) auf die Halbinsel Krim zogen und Zürichtal (heute Zolotoe Pole) gründeten. Doch sie waren nicht die ersten Auslandschweizer in Russland: Schon im 18. Jahrhundert entstanden an der Wolga Orte, die Namen wie Zürich, Schaffhausen, Basel oder Zug trugen, bevor sie von den Sowjets „russisiert“ wurden. Im amerikanischen Bundesstaat Indiana liegt im Switzerland County der Ort Vevay (ausgesprochen „Wiiwii“). Dort richtete der Winzer Jean-Jacques Dufour aus – erraten! – Vevey eines der ersten Weingüter der USA ein und lieferte einmal sogar 10 Gallonen an Präsident Thomas Jefferson nach Washington. Heute gibt es in Vevay allerdings keine Rebberge mehr. In New Glarus (Wisconsin, Amerika) ist das Schweizer Erbe heute noch unübersehbar, in Berne (Indiana, Amerika) sind es nicht zuletzt die Amish, welche die Erinnerung an die helvetischen Stadtgründer wachhalten – und die Erinnerung an den Gründer ihrer Gemeinschaft, den Berner Jakob Ammann (siehe Blog vom 10. Dezember 2015). Der erste Flugplatz Argentiniens befand sich in Villa Lugano, einem Stadtteil von Buenos Aires. Walliser Auswanderer in Algerien nannten ihr Dorf folgerichtig St Maurice (heute hat der Ort allerdings einen arabischen Namen).

Ja, die Schweiz ist auf ihre Weise eine Weltmacht!

6. September 2018

Tücken der Technik

Nicht nur in englischen Landhäusern wohnt das Grauen, sondern auch jenseits des Kanals. Selbst im Land des savoir vivre ist man nicht sicher! Die einschlägige Lektüre dazu: Der dunkle Wächter von Carlos Ruiz Zafón.

1937: Nach dem Tod ihres Mannes zieht Simone Sauvelle mit ihren Kindern Irene und Dorian aus Paris in ein kleines Küstenstädtchen. Dort findet sie eine Stelle als Hausdame in Cravenmoore, dem Wohnsitz des reichen Spielwarenfabrikanten Lazarus Jann. Die Arbeit wird gut bezahlt und Lazarus ist ein sehr sympathischer, liebenswürdiger Herr – aber das riesige Haus, vollgestopft mit mechanischen Spielereien aller Art, ist nicht ganz geheuer. Ganz alleine, nur zusammen mit seiner bettlägerigen Gattin Alexandra, die niemand je gesehen hat, haust der alte Mann in seiner bizarren Fantasie-Welt. Es ist offensichtlich, dass Lazarus einige Heimlichkeiten hat. Warum zum Beispiel ist ein Zimmer als Kinderzimmer eingerichtet, obwohl es in Cravenmoore doch gar keine Kinder gibt und nie welche gegeben hat? Richtig aufregend wird es, als das Dienstmädchen Hannah im Park von Cravenmoore tot aufgefunden wird – Todesursache: Herzversagen aufgrund von Panik, sie ist buchstäblich vor Angst gestorben. Angst wovor? Irene und ihr Freund Ismael stellen fest, dass irgendetwas in diesem Gebäude erwacht sein muss, in diesem Labyrinth voller unheimlicher Automaten. Irgendetwas Dunkles aus der Vergangenheit des Hausherrn, denn Lazarus hütet ein düsteres Geheimnis. Wohlverwahrt zwar, aber unzweifelhaft vorhanden und sehr aktiv. Und warum, zum Kuckuck, hat er eigentlich keinen Schatten?

Ein Schauerroman mit furiosem Finale, das wieder einmal zeigt, wie dicht das Übernatürliche neben unserer ach so rationalen Welt liegt. Automaten, künstlich hergestellte Wesen, sind ein uraltes Thema (siehe Blog vom 20. April 2017). Ebenso verbreitet ist das Motiv des Menschen, der in einem schwachen Augenblick einer Versuchung erliegt und fortan mit den Konsequenzen leben muss. Einzelne Elemente im Roman erinnern ausserdem an den Studenten von Prag, an Peter Schlemihl und ähnliche Geschichten.

4. September 2018

Sprachlos

In seinem Buch Redens Arten philosophiert Dieter E. Zimmer über den heutigen Sprachgebrauch.

Ein Job ist nicht unbedingt ein Beruf, geschweige denn eine Berufung. Er ist einer von unzähligen Anglizismen, die sich in der Sprache Schillers tummeln, wie zum Beispiel auch das oft gehörte etwas macht Sinn. Ein uraltes Phänomen sind Euphemismen, beschönigende Ausdrücke wie zum Beispiel die früheren Gastarbeiter (als ob sie Gäste gewesen wären!). Alt ist im Grunde ein völlig neutraler Begriff – aber wer von den heutigen Senioren möchte noch so bezeichnet werden? Die Psychologie ist auch sehr nützlich, wenn es um Sprache geht, ihr Vokabular hört man heutzutage auf Schritt und Tritt. Man muss sich öffnen, etwas an sich heranlassen… Ein schier unendliches Problem ist die Frage der politischen Korrektheit in Bezug auf die verschiedenen Geschlechter. Warum heisst es der Junge, obwohl Mädchen doch ganz eindeutig auch jung sind? Obwohl das Mädchen ein sächliches Wort und damit eigentlich unkorrekt für weibliche Menschen ist, gibt es bis heute keine brauchbare Alternative (wer würde im 21. Jahrhundert schon ernsthaft die Maid sagen?). Und ein Vaterland kann man nicht einfach so in Mutterland umbenennen, weil das nicht das Gleiche ist.

Ja, das sogenannte Neudeutsch ist eine fast unerschöpfliche Fundgrube für Kuriositäten.

30. August 2018

Die sieben Hügel

Wie ich schon mehrmals erwähnt habe (zum Beispiel im Blog vom 23. Juni 2016), liebe ich die lateinische Sprache sehr (trotz sechs Jahren Unterricht). Personen, bei denen das bisher leider noch nicht der Fall ist, empfehle ich Harry Mounts Buch Latin Lover.

Keine Sorge, in diesem Buch stehen nicht nur endlose Konjugationen (amo, amas, amat – ich liebe, du liebst, er liebt…) und Deklinationen (dominus, domini, domino – der Herr, des Herrn, dem Herrn…) drin. Man lernt ausserdem auch viele kleine Hilfestellungen kennen, die wir zahllosen früheren Generationen von Lateinlernenden zu verdanken haben, zum Beispiel für das Wort tandem (endlich): Endlich haben wir ein solches Fahrrad! Ausserdem wird das Publikum auf Schönheiten und Kuriositäten aufmerksam gemacht, etwa die Deklination von hic, haec, hoc (ein regelrechtes Gedicht) oder jene von ille, illa, illud (der reinste Zungenbrecher). Noch etwas, das selbstverständlich nicht fehlen darf und das jede/r Lateinschüler/in nur allzu gut kennt: Die rhetorischen Stilfiguren (Asyndeton, Ellipse, Metonymie, Oxymoron etc.). Der Autor nennt viele Gründe, warum Latein als Sprache keineswegs tot, sondern im Gegenteil sehr lebendig ist – und warum es sich immer noch einer gewissen Beliebtheit erfreut (zum Beispiel wegen seiner nobel-gebildeten Aura, siehe Harry Potter). Wieso ist es für uns heute eigentlich so schwer vorstellbar, dass Menschen jemals wirklich Lateinisch miteinander geredet haben sollen? Bei Chinesisch scheint uns das irgendwie viel plausibler… Mounts Ansicht nach liegt das daran, dass kein heutiger Mensch (und auch kein Grossvater oder Urgossvater eines heutigen Menschen) je Latein-Muttersprachler reden gehört hat, noch je hören wird. Wir kennen eben nur die gedrechselten literarischen Texte, die Umgangssprache hingegen kaum. Harry Mount hält ein Plädoyer dafür, dass man auch heutzutage noch Latein lernen soll. Und er erklärt auch, warum.

Um auf den Titel dieses Blogs zurückzukommen: Können Sie eigentlich die berühmten sieben Hügel Roms aufzählen? Na? (Kapitol, Palatin, Aventin, Esquilinus, Quirinalis, ViminalisCaelius)

28. August 2018

Woane gaasch?

Der Film Quo vadis? von 1951 ist ein Klassiker. Für Peter Ustinov in der Rolle des Kaisers Nero bedeutete er den internationalen Durchbruch als Schauspieler. Aber wer kennt heute schon noch die literarische Vorlage, den Roman Quo vadis? von Henryk Sienkiewicz? Der Autor erhielt 1905 immerhin den Nobelpreis für Literatur!

Der junge römische Offizier Marcus Vinicius kehrt gerade von einem Feldzug zurück. In Rom herrscht Kaiser Nero (der „Rotbart“) mit einer kuriosen Mischung aus brutaler Grausamkeit und schöngeistigem Möchtegern-Künstlertum. Doch das interessiert Vinicius momentan überhaupt nicht, er hat ganz andere Sorgen; er ist nämlich verliebt, verliebt in die fremde Königstochter Lygia, die er stürmisch umwirbt. Lygia ist Christin und und durch sie lernt Vinicius diesen neuen Glauben aus dem Nahen Osten kennen. Zunächst kann er nicht viel damit anfangen, aber er ist beeindruckt von diesen zuversichtlichen Menschen, die in ihrem Vertrauen auf Christus nicht einmal Neros Tyrannei fürchten. Gerade jetzt erwartet die Christengemeinde von Rom die Ankunft eines Mannes, der Jesus persönlich gekannt hat: Petrus. Von ihm erfährt Vinicius Näheres über das Christentum. Schliesslich kommt es zur Katastrophe: Rom steht in Flammen! Nero ist beglückt, hat er doch jetzt endlich eine Inspiration, um den Untergang Trojas zu besingen – im 46. Kapitel erlebt man die berühmt gewordene Szene, wie der Imperator angesichts der brennenden Stadt Harfe spielt. Das Volk will jedoch einen Schuldigen sehen, so schiebt Nero die Schuld am Brand den Christen in die Schuhe. Damit beginnt das grosse Schlachten bzw. das grosse Festmahl für die Löwen. Auch Vinicius‘ Onkel Petronius, der bisher als einziger mit Nero und dessen Launen umzugehen wusste, ist nicht mehr zu retten. Bevor er umgebracht wird, wählt er, ein Mann von Geist und Geschmack, einen stilvollen Freitod.

Bei seiner Flucht aus Rom begegnet Petrus Jesus und stellt ihm die berühmte Frage: „Quo vadis, Domine? Wohin gehst du, Herr?“

23. August 2018

Er reagierte sauer, Madame verschwand im Tower!

Eines der prägnantesten Wahrzeichen Londons ist die mittelalterliche Festung an der Themse, die allgemein als „The Tower of London“ bekannt ist.

Der Tower war vieles in seiner fast tausendjährigen Geschichte – Befestigungsanlage, Residenz, Arsenal, Museum – doch berühmt wurde er in erster Linie als Gefängnis. Minister und Generäle, Grafen und Herzöge, ja sogar Könige wie Richard II und Henry VI haben in diesen Mauern gebrummt. Zu den Leuten, die hier nicht nur eingesperrt, sondern auch je einen Kopf kürzer gemacht wurden, gehören Anne Boleyn und Catherine Howard (siehe Titel dieses Blogs und Blog vom 21. Juli 2015), Jane Grey sowie Thomas More (siehe Blog vom 9. Mai 2017). Prinzessin Elizabeth (später Königin Elizabeth I) hingegen verliess den Tower intakt. In manchen Fällen gingen Menschen eines Tages in den Tower hinein und wurden nie wieder gesehen, weder lebendig noch tot. Das bekannteste Beispiel sind König Edward V und Richard, Duke of York, die „Prinzen im Tower“ (siehe Blog vom 2. Mai 2017). Das letzte Mal geköpft wurde im Tower übrigens 1747; Der letzte Gefangene (wenn auch nur für vier Tage) war 1941 Rudolf Hess.

Zu erwähnen sind im Zusammenhang mit dem Tower natürlich auch die Raben und die britischen Kronjuwelen. Buchplanet.ch hat eine ausführliche Broschüre Der Tower von London im Angebot.