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Author Archive

19. Oktober 2017

Schlechter Geschmack ist auch ein Geschmack

by Gabriel Weber

Der „gute Geschmack“ ist sehr wichtig für die Kulturgeschichte der Menschheit. Ebenso wichtig ist aber auch sein Gegenteil, der sogenannte „Kitsch“.

Kitsch ist in der Regel etwas sehr Einfaches, das keine hohen Ansprüche stellt, aber gleichzeitig eine grosse Wirkung erzielt – und deshalb vielen Leuten gefällt. Nicht umsonst waren und sind viele Diktatoren grosse Fans des Kitsches. Er bietet nicht nur eine wirksame Art der Selbstdarstellung, sondern auch die Möglichkeit, die breite Masse zu becircen, indem man das, was ihr gefällt, zur einzig wahren Kunst erklärt. Ein weiteres Indiz für Kitsch ist die falsche, geheuchelte Sentimentalität, das „Drücken auf die Tränendrüse“ (egal, ob Tränen der Trauer, der Rührung oder der Freude). Selbst bedeutende Kunstwerke wie die Mona Lisa oder Bauwerke wie der schiefe Turm von Pisa können sehr leicht verkitscht werden, nämlich indem man sie en masse reproduziert (etwa als Souvenir) und damit aus ihrem Umfeld herausholt.

Jetzt bei buchplanet.ch: Der Kitsch von Gillo Dorfles. Meiner Ansicht nach sollte man nicht zu sehr über den Kitsch schimpfen; erstens befindet sich zwischen Kitsch und Nicht-Kitsch eine ziemlich grosse Grauzone – und zweitens ist der Kitsch zwar ein schlechter Geschmack, aber immerhin ein Geschmack. Und als solcher hat er schon auch eine gewisse Daseinsberechtigung.

17. Oktober 2017

Das woll’n wir doch mal seh’n, ob’s nicht Gespenster gibt in Wales!

by Gabriel Weber

Wie Sie wissen, hochgeschätztes Publikum, sind die Schlösser des Vereinigten Königreichs eine unerschöpfliche Quelle für Geschichten, besonders für unheinliche. Auch der ungarische Schriftsteller Antal Szerb (1901-1945) hat eine beigesteuert: Die Pendragon-Legende.

Owen Pendragon, 18. Earl of Gwynned, ist ein bisschen exzentrisch. Der junge ungarische Gelehrte János Bátky ebenfalls. So sind sich die beiden Herren auf Anhieb sympathisch und Lord Gwynned lädt den Ungarn nach Schloss Llanvygan ein, seinem Familien-Stammsitz in Wales. Und kaum ist János dort angekommen, ist auch schon die Hölle los: Auf den Earl wird ein Mordanschlag verübt, offenbar nicht der erste. Eine dunkle Gestalt reitet nachts um das Schloss. János entdeckt das Grab Asaph Pendragons, des 6. Earls of Gwynned, eines legendären Okkultisten und Rosenkreuzers – doch das Grab ist leer… Was treibt der Earl in seinem geheimen Labor? Sucht er etwa nach dem Geheimnis des ewigen Lebens? Hat dieser kuriose Kauz namens George Maloney wirklich nicht alle Tassen im Schrank oder tut er nur so? Welche Rolle spielen die Geschwister Osborne und Cynthia Pendragon, Neffe und Nichte des Earls? Zieht die geheimnisvolle Eileen St. Claire aus dem Hintergrund die Fäden? Und der Dorfpfarrer, Reverend Dafyd Jones – warum ist der so nervös und ängstlich? Was ist nur Aberglaube und wo steckt mehr dahinter?

Alchemie, geheime Logen, der Graf von St Germain und alte Familien-Legenden der Pendragons auf der einen Seite, durchaus handfeste irdische Interessen um eine grosse Erbschaft auf der anderen Seite – János Bátky weiss bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Und Miss Cynthia verwirrt den weltfremden Bücherwurm irgendwie…

12. Oktober 2017

Ich bin vom Gotthard der letzte Postillon…

by Gabriel Weber

In eine Zeit lange vor der NEAT entführt der Roman Gotthard-Express 41 verschüttet von Emilio Geiler (erschienen 1942) das Publikum.

Der Gotthard-Express 41 düst von Bellinzona aus in Richtung Norden. Man befindet sich gerade im Kehrtunnel zwischen Lavorgo und Giornico – da geht ein Bergsturz nieder, der beide Tunneleingänge blockiert. Der Zug mitsamt Personal und Passagieren ist zwar intakt, aber komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Wenigstens gelangt durch einen Spalt genug frische Luft in den Tunnel. Während draussen sofort und mit schweizerischer Präzision die Rettungsarbeiten eingeleitet werden, die Angehörigen sich Sorgen machen und die Presse sich eifrig auf diese sensationelle Geschichte stürzt, müssen Lokomotivführer Merz, sein Gehilfe Rossi, Zugführer Weber (was für ein schöner Name!) und 183 weitere Verschüttete bis auf Weiteres im Berg drin ausharren. Die Lebensmittelvorräte des Speisewagens werden streng rationiert, auch um eine möglichst gute Beleuchtung muss man sich kümmern. Ein weiterer Punkt ist das Zusammenleben; wenn so viele unterschiedliche Menschen für eine unbestimmte Zeit auf so kleinem Raum zusammengepfercht sind, bleibt das natürlich nicht ohne Folgen. Unter den Passagieren befinden sich übrigens auch einige ausgesprochen verdächtige Individuen… Drama, Krimi, Liebesgeschichte, Komödie: in diesem Buch ist alles vorhanden.

Man merkt deutlich, dass der Autor in erster Linie Eisenbahner ist und nicht Schriftsteller; er schreibt zwar mit viel Fachwissen, aber manchmal fast ein bisschen zu detailliert. Als Leser bekommt man den Eindruck, dass der Autor hin und wieder zwischen den vielen technischen Einzelheiten beinahe die Handlung vergisst. Aber jedenfalls ist das Buch ein Leckerbissen für alle Leute, die sich für historische Eisenbahnen interessieren.

10. Oktober 2017

Herr Ober!

by Gabriel Weber

Die hohe Kunst des Servierens und Bedienens im Restaurant ist eine Wissenschaft für sich.

Selbstverständlich muss das Lokal stets ordentlich und gepflegt sein, der erste Eindruck ist nämlich auch hier entscheidend. Jeder Kellner und jede Kellnerin sollte ein Gefühl für die psychologisch richtige Behandlung jedes einzelnen Gastes entwickeln. Wichtig ist das Gedeck: Gabel links, Messer und Suppenlöffel rechts, Wasserglas oberhalb der Messerspitze, Weinglas etwas weiter rechts, Champagnerglas dahinter. Beim Abräumen tut man gut daran, das ganze Besteck in den obersten Teller des Stapels und die Reste in einen separaten Teller zu legen. Dann gibt es noch Dutzende weitere Tätigkeiten, die erst einmal gelernt sein wollen, wie zum Beispiel das Wechseln eines Tischtuchs oder das Tranchieren eines Bratens. Wichtig ist natürlich auch, dass man die dienstliche Hierarchie mit Oberkellner, Chef de rang, Commis etc. genau kennt. Tafelsilber darf man nie mit blossen Händen anfassen, man muss immer Handschuhe, eine Serviette o. Ä. benutzen. Im Ablauf eines Menüs kommen (im Allgemeinen) die jüngeren Weine zuerst, die älteren später. Für den Mokka sind die Tassen zu erwärmen. Eine Champagnerflasche muss unbedingt geräuschlos entkorkt werden!

Wer in dieser Hinsicht etwas lernen will, kann Jules Klopfensteins Lehrbuch Der Tafeldienst aus dem Jahr 1929 zu Rate ziehen.

5. Oktober 2017

Ich bin die fesche Lola

by Gabriel Weber

Wieder einmal ein „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau, die (wahrscheinlich) 1820 in Schottland geboren wurde. Sie wird Eliza Rosanna getauft, doch heisst sie nun Oliverez wie ihre ledige Mutter, eine Kreolin? Oder Gilbert wie ihr Vater, ein schottischer Offizier, der sie halbherzig anerkannt hat? Wie auch immer, jedenfalls verläuft Elizas Leben zunächst einigermassen gradlinig; Mädchenpensionat, dann Heirat mit dem Offizier Thomas James. Doch er ist nicht der Einzige – Eliza ist schön, charmant, bezaubernd, die Herren fliegen auf sie. Aber sie ist auch emanzipiert und weiss sich gegen Männer durchzusetzen. Schliesslich verlässt sie ihren Ehemann, legt sich einen neuen Namen zu, gibt sich als Spanierin aus und macht Karriere als Tänzerin. Nach einer ganze Serie von Affären (zum Beispiel mit Franz Liszt) wird, anlässlich eines Auftrittes in München, der König von Bayern auf Eliza aufmerksam und verliebt sich in sie. Bis über beide Ohren. So wird Mrs. James eine der letzten Vertreterinnen einer aussterbenden Spezies: maitresse en titre, die gewissermassen „offizielle“ Geliebte eines Monarchen. Welch ein Skandal! Der verheiratete König des katholisch-konservativen Bayern geht ganz offen eine Liaison ein mit einer Ausländerin von derart zweifelhaftem Ruf, überschüttet sie mit Aufmerksamkeiten, ja erhebt sie sogar in den Adelsstand! Wie die meisten Mätressen hat die nunmehrige Gräfin von Landsfeld viele Gegner, ob nun aus moralischen oder aus politischen Gründen. Als 1848 überall in Europa die Revolution ausbricht, ist in Bayern Eliza der entscheidende Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt; der König muss abdanken, Eliza verlässt das Land (übrigens ein filmreifer Abgang). Sie tanzt wieder, heiratet wieder und stirbt 1862 in Amerika. Was bleibt, ist die Legende von der femme fatale, die einen König den Thron kostete.

Nicht als Eliza Rosanna Gilbert bzw. Oliverez ist sie berühmt geworden, sondern als Lola Montez. So lautet auch der Titel der Romanbiografie, die Marianne Wintersteiner verfasst hat.

3. Oktober 2017

Grosses Preisrätsel

by Gabriel Weber

Hochgeschätztes Publikum: Der folgende Text bezieht sich auf ein Buch aus dem Katalog von buchplanet.ch. Lesen Sie ihn durch und versuchen Sie zu erraten, wer der Autor des fraglichen Buches ist. Bereit? Achtung, fertig, los!

Vance Erikson ist im Hauptberuf Geologe und bei einer Erdölfirma angestellt. Im Nebenberuf hingegen ist er Experte für Leben und Werk Leonardo da Vincis (eine interessante Kombination, finde ich). Als solcher untersucht er einen bisher unbekanntem Kodex mit Schriften Leonardos und macht eine interessante Entdeckung. Da fehlt ein Teil – und zwar nicht zufällig! Die Seiten wurden mit voller Absicht entfernt. Aber von wem? Warum? Und wo befinden sich die fehlenden Seiten jetzt? Erikson macht sich auf die Suche und stösst dabei auf Zeitgenossen, welche die fraglichen Dokumente entweder schon besitzen oder um jeden Preis vor ihm finden wollen. Zum Beispiel eine mysteriöse religiöse Gemeinschaft, eine Mischung aus Mönchsorden und Sekte, die mit Hilfe von Leonardos Schriften zum Sturm auf das Papsttum blasen will. Zusammen mit der Journalistin Suzanne Storm (Material für eine saftige Liebesgeschichte) verfolgt Erikson eine Spur, die an den Comer See führt. Ein uraltes Geheimnis, das die Welt ins Wanken bringen könnte; Mörder in Mönchskutten; Mordopfer, die kryptische Nachrichten hinterlassen; Verabredungen in düsteren Kirchen; hin und wieder eine kleine Schiesserei; obskure Verschwörungstheorien; die Nazis; geheimnisvolle Hintermänner mit viel Geld und guten Beziehungen; religiöse Fanatiker ohne die geringsten Skrupel; Schurken, die in jeder Hinsicht durch und durch Schurken sind; Informanten, die entweder sterben, verschwinden oder aus Angst schweigen; ein Attentat auf den Papst (das Buch erschien erstmals 1983), das unbedingt verhindert werden muss; ein Detektiv mit brillanten Geistesgaben, einer Menge Sexappeal und einem problematischem Privatleben… Klischees rauf, Klischees runter.

Haben Sie vielleicht zufällig an Dan Brown gedacht, geschätztes Publikum? Falsch! Der Thriller Die Da-Vinci-Verschwörung ist von Lewis Perdue – und wohlgemerkt älter als Dan Browns Bestseller.

28. September 2017

Zwei flogen über Paris

by Gabriel Weber

Heute sind Flugzeuge und Hubschrauber ziemlich alltäglich, auch im militärischen Zusammenhang. Aber das war nicht immer so!

Paris, im Winter 1870/71: Die Stadt wird von der preussischen Armee belagert. Die Situation ist nahezu aussichtslos. Die letzte Hoffnung besteht darin, dass Kriegsminister Léon Gambetta dem Feind mit seinen Truppen von Tours aus in den Rücken fällt. Aber wie soll man Gambetta in Tours von der eingekesselten Hauptstadt aus die entscheidende Nachricht zukommen lassen? Die einzige Möglichkeit ist der Luftweg. Doch das Flugzeug ist noch nicht erfunden, der Zeppelin auch nicht – es bleibt also nur der Heissluftballon. Am Abend des 24. November 1870, während die ausgehungerte Bevölkerung von Paris in ihrer Verzweiflung schon den Zoo leer isst, startet der Ballon. An Bord: die Herren Léon Bezier und Paul Rolier (die sich übrigens gegenseitig gar nicht sympathisch sind), begleitet von den guten Wünschen der Dritten Republik. Aber oha lätz: Der Wind bläst aus der falschen Richtung… Als am 25. November 1870 der Morgen graut, befindet sich der Ballon samt Besatzung irgendwo über der Nordsee. Ohne Telefon, ohne Handy, ohne Smartphone, ohne Internetzugang. Tja, dumm gelaufen bzw. geflogen. Was nun?

Diese (übrigens auf historischen Tatsachen beruhende) Geschichte erzählen Torsten Baaland und Per Paaske Gulbrandsen in ihrem Roman Gambettas Kurier.

26. September 2017

Shall we dance

by Gabriel Weber

Im 19. Jahrhundert wurde die Welt immer kleiner. Fremde Gegenden wurden erforscht, die Transportmittel wurden besser, die Grossmächte Europas rissen sich immer grössere Teile des Planeten unter den Nagel. In dieser Zeit engagierte der König von Siam (dem heutigen Thailand) eine englische Hauslehrerin für seine Kinder. Jetzt bei buchplanet.ch: Der König und Ich von Margaret Landon.

Sie ist 28 Jahre alt, verwitwet und Mutter zweier Kinder, als sie 1862 in Bangkok an Land geht: Anna Harriette Leonowens, geborene Crawford. Ihr erster Eindruck ist herzlich schlecht – als alleinstehende Frau hat sie es in Siam nicht gerade leicht und dieser launische Despot von einem König, vor dem seine Untertanen buchstäblich im Staub kriechen, ist ihr zuwider. Doch Anna reisst sich zusammen und beginnt ihre Arbeit. Ihre Schulklasse ist gross, denn König Mongkut (dessen Nachkommen bis heute auf dem thailändischen Thron sitzen) hat eine ganze Reihe von Ehefrauen und eine dem entsprechende Anzahl Kinder (darunter der Thronfolger und spätere König Chulalongkorn, siehe Blog vom 21. September 2017), Tendenz steigend. Nach den ersten Auseinandersetzungen (in denen sie ihrem Arbeitgeber fleissig Paroli bietet) erkennt Anna die guten Absichten des Königs, seine Zerrissenheit zwischen Tradition und Fortschritt und seinen aufrichtigen Wunsch, sein Land behutsam in die Moderne zu führen – und sei es nur, damit Siam nicht den europäischen Kolonialmächten in die Hände fällt. Anna will ihr Möglichstes tun, um den Monarchen zu unterstützen.

Die Geschichte von Anna Leonowens wurde schon dreimal verfilmt und diente auch als Vorlage für das Musical The King and I, aus dem der Titel dieses Blogs stammt.

21. September 2017

Princes and Presidents

by Gabriel Weber

Ein hochinteressantes historisches Dokument aus dem Vorrat von buchplanet.ch: Living Rulers of Mankind von H. N. Hutchinson.

In diesem reich illustrierten englischsprachigen Nachschlagewerk aus dem Jahr 1902 sind alle damaligen Staatsoberhäupter der Welt aufgelistet (leider haben wir nur den zweiten Band im Vorrat, von J wie Japan bis Z wie Zanzibar). Da kann man zum Beispiel lesen, dass König Alfonso XIII. von Spanien kurioserweise schon vom Augenblick seiner Geburt an König war. Oder dass König Alexander I. von Serbien nicht rauchte. Oder dass König Chulalongkorn von Siam einen Bruder und zwanzig Halbbrüder hatte. Der Schah von Persien, Muzaffar-Ed-Din, konnte sechs Söhne und zwölf Töchter vorweisen. Der Sultan von Marokko, Mulai Abdul Aziz, besass unter Anderem einen goldenen Fotoapparat. Auf einen besonders beeindruckenden Namen hörte der Herrscher von Nepal: Maharaja Dhiraj Pirthivi Bir Bikram Shamser Jung Bahadur Shah Bahadur Shamser Jung. Schweden und Norwegen waren noch in Personalunion vereint, und zwar unter König Oscar II. Königin Wilhelmine der Niederlande war, selbst für fürstliche Begriffe, äusserst wohlhabend. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind selbstverständlich mit der imposanten Persönlichkeit ihres 26. Präsidenten Theodore Roosevelt vertreten. Selbst Monaco (Fürst Albert I., Ur-Ur-Grossvater von Fürst Albert II.) kommt vor, auch Papst Leo XIII. wird ausführlich erwähnt (obwohl es die Vatikanstadt als souveränen Staat damals noch gar nicht gab), Liechtenstein hingegen fehlt aus irgendeinem Grund.

Und was steht in der alphabetischen Auflistung zwischen Schweden und Tibet, waseliwas? „The small, happy, and democratic state of Switzerland“ mit seinem Präsidenten Josef Zemp. Man sieht sogar das damals nagelneue Berner Parlamentsgebäude.

19. September 2017

Uuund Action!

by Gabriel Weber

Das Hollywood alten Stils, das Hollywood der 30er Jahre ist die Szenerie, in welcher der Roman Die Liebe des letzten Tycoon von F. Scott Fitzgerald (Der grosse Gatsby) spielt.

Monroe Stahr ist zwar noch nicht alt, aber ein Filmproduzent der alten Schule: Er regiert unumschränkt in seinem Studio, ist immer und überall mit dabei, dirigiert die Herstellung seiner Filme vom Anfang bis zum Schluss. Mitten in diesem Eintopf aus Kunst und Geschäft investiert er eine Menge Herzblut; Mittelmass oder Banalität wird nicht geduldet. Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren – Stahr jongliert mit vielen Leuten, um gute Filme zu machen. Eines Tages (bzw. eines Nachts) geschieht es, dass er, der Witwer, sich verliebt. Bis über beide Ohren. Kathleen Moore heisst die junge Dame, die übrigens, im Gegensatz zu vielen anderen jungen Damen, überhaupt nicht an einer Film-Karriere interessiert ist. Stahr ist so sehr von ihr fasziniert, dass er die Annäherungsversuche von Celia Brady, der Tochter seines Geschäftspartners (und Ich-Erzählerin des Romans), völlig übersieht. Jetzt ist natürlich die grosse Frage: Was wird daraus? Schliesslich ist das Leben ja bekanntlich kein Film…

Dieses Fragment – Fitzgerald starb 1940 mitten in der Arbeit – ist vermutlich der erste Hollywood-Roman überhaupt. Das Vorbild für Stahr soll Irving Thalberg gewesen sein.