Zu Tisch!

Hans A. Jenny lädt – nein, nicht zum Essen. Aber in Wir bitten zu Tisch zu einer Reise durch die Kulturgeschichte der Tafelfreuden.

Über das Essen und Trinken wurden in der Geschichte mehr Texte geschrieben als beispielsweise über die Erotik. Vom Hof der Königin Nofretete ist das Rezept für ein gebratenes Perlhuhn überliefert. Der Römer Marcus Gavius Apicius, Gourmet und Kochbuchautor, soll sich, als er bankrott war, vergiftet haben – nicht ohne zuvor noch ein letztes prächtiges Festmahl veranstaltet zu haben. Seinem sprichwörtlich gewordenen Landsmann Lucius Lucinius Lucullus verdanken wir u. A. den Import der Kirsche aus Kleinasien nach Europa. Als 1833 die Koch-Legende Antonin Carême im Sterben lag, sprach er noch bis zu seinem letzten Atemzug von einer Sauce, doch leider konnte er den Satz nicht mehr vollenden. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere gab Gioacchino Rossini das Komponieren auf, um sich fortan nur noch dem Kochen zu widmen. Aber natürlich müssen neben den kulinarischen auch die gesellschaftlichen Aspekte bedacht werden. Das gemeinsame Spachteln ist nämlich ein ganz zentraler Bestandteil von Einladungen, vom Staatsbesuch über das Familienfest bis hin zum romantischen Tête-à-Tête. Selbstverständlich hat die Nahrungsaufnahme bzw. die Tischkultur auch die Literatur beschäftigt: Man denke nur an die Märchen vom Tischlein deck dich und von Zwerg Nase, dann gibt es noch den Suppenkasper und den Zappelphilipp, bei den Buddenbrooks wird ausgiebig getafelt… Nicht zu vergessen die Gemälde zum Thema Essen, mit denen man ein ganzes Museum füllen könnte.

Und denken Sie immer daran: Wenn die Brombeerkonfitüre nach Fisch riecht, dann ist es Kaviar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.