Spieglein, Spieglein an der Wand…

In vielen Märchen spielen Spiegel eine wichtige Rolle. So auch in Ivo Palas Kinderbuch Der Drache hinter dem Spiegel.

Wir schreiben das Jahr 1910. Während der Halleysche Komet an der Erde vorbeizieht, sind die Geschwister Herbert, Florence (genannt Fee), William, Bernadette und Diana auf dem Weg von London nach Schottland. Da ihr Vater schwer krank ist und die Mutter jetzt in Doppelschichten arbeiten muss, werden die Kinder zu ihrem Grossvater väterlicherseits geschickt; ihrem Grossvater, den sie wohlgemerkt noch nie gesehen haben. Sie kennen nur seinen Namen: Finn O’Brian. Schliesslich kommen die Geschwister an ihrem Ziel an – und aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Grossvater wohnt in einer ganz bescheidenen Hütte, die sich, ist man erst mal drin, als riesiges, prachtvolles Märchenschloss entpuppt. Es wird bald offensichtlich, dass Finn O’Brian über übernatürliche Fähigkeiten verfügt; aber er ist sympathisch und überschüttet seine Enkelkinder (von deren Existenz er bis dato gar nichts wusste) nur so mit Zuneigung. Die Kinder, die bisher nichts als Mangel und Entbehrung kannten, geniessen das luxuriöse Leben voller Magie – bis auf William. Dieser ist nämlich nicht nur ein Angsthase und ein Pessimist, sondern auch ein für seine zehn Jahre schon ganz schön verbittertes Kerlchen ohne jede Fantasie. Das harte Leben in Armut hat ihn gelehrt, dass einem nichts geschenkt wird, dass man mit dem Nötigsten zufrieden sein muss und Wunschträume von einem anderen Dasein bloss Zeitverschwendung sind. Was soll er also mit den traumhaften Gemächern und den abenteuerlichen Reisen anfangen, die sein Grossvater offeriert? Ausserdem werden die Geschwister vor einer grossen Gefahr gewarnt, einer Gefahr, der sie schutzlos ausgeliefert sind. Ist Finn O’Brian etwa gar nicht der, der er zu sein vorgibt?…

Obwohl das Buch relativ jung ist und von einem Deutschen verfasst wurde, erinnert es an die klassische viktorianisch-britische Kinderliteratur, zum Beispiel an Edith Nesbit (Blog vom 24. August 2017).

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