„Mir ham’se als jeheilt entlassen“

Die „Psychiatrische Klinik“, die „Irrenanstalt“, die „Klapsmühle“, die „Spinnwinde“… Oft spricht man diese Worte mit Hohn oder mit leichtem Gruseln aus. Selbst wenn das Zeitalter von Zwangsjacke und Gummizelle längst vorbei ist, so bleibt doch immer noch die Berührungsangst.

Lange waren Irre, „Dorftrottel“ und dergleichen ein mehr oder weniger fester Bestandteil der Gesellschaft. Im 19. Jahrhundert, das den Beginn der modernen Psychiatrie markiert, dienten die Anstalten nicht unbedingt zur Heilung, sondern in erster Linie dazu, die Geisteskranken los zu werden (aus den Augen, aus dem Sinn). Gleichzeitig entdeckte die Staatsgewalt die Anstalten als nützliches Polizei-Instrument. Randständige und Problemfälle (beispielsweise schwere Alkoholiker) wurden kurzerhand für pathologisch erklärt und in Anstalten interniert (aus den Augen, aus dem Sinn – siehe oben). Auch wenn man nicht wusste, was man mit notorischen Kriminellen anfangen sollte – ab in die Anstalt. Der Übergang vom „Zuchthaus für Spinner, damit sie möglichst wenig Schaden anrichten“ zum „Spital zur Pflege und, soweit möglich, Heilung von Kranken“ ist relativ jung – und in den Köpfen mancher Leute noch nicht abgeschlossen. Wer gibt schon gern zu, dass er in einer Klinik war?

Dirk Blasius hat mit Der verwaltete Wahnsinn eine Sozialgeschichte des Irrenhauses verfasst. Notabene: Der Autor spricht ganz ungeniert von „Irren“ und „Irrenhäusern“.

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