Von Natur aus

Eine Gewissensfrage, geschätztes Publikum: Gibt es ein Naturrecht? Gibt es gewisse Rechte, die jeder Mensch von Natur aus hat und die über jeder menschlichen Gesetzgebung stehen? Klar, werden Sie wahrscheinlich sagen, die Menschenrechte! Die sind doch das Fundament unserer Gesellschaft! Stimmt, aber sie sind auch nicht einfach so vom Himmel gefallen, man musste erst auf die Idee kommen.

Der Gedanke an sich ist alt; schon der griechische Dichter Sophokles verweist in seiner Tragödie Antigone auf „der Götter ungeschriebnes, ewiges Gesetz„. Bereits zuvor ist spätestens seit seinem Kollegen Hesiod (um 700 v. Chr.) die Überzeugung belegt, es gebe eine gewisse Ordnung in der Welt, die nicht von Menschen gemacht sei. Auch den alten Römern war diese Theorie bekannt. Der Rechtsgelehrte Ulpian spricht vom Naturrecht als dem, „was die Natur alle Lebewesen gelehrt hat„. Den „Wohnort“ des Naturrechts lokalisiert der Apostel Paulus. Seinem Römerbrief zufolge ist es jedem Menschen „ins Herz geschrieben„. Besonders nach dem Holocaust besann man sich wieder auf dieses universell geltende, jeder staatlichen Gesetzgebung übergeordnete Naturrecht. Wenn der deutsche Bundespräsident Theodor Heuss sagte, Europa beruhe auf drei Hügeln (Akropolis, Kapitol und Golgatha), dann meinte er damit wohl auch das in der griechischer Philosophie, im römischem Recht und im Christentum verwurzelte Naturrecht. Bloss: Was beinhaltet dieses Naturrecht eigentlich genau? Moderne Verfassungen enthalten oft einen mehr oder weniger umfangreichen „Grundrechtskatalog“. Aber was davon ist nun effektiv Naturrecht?

Wolfgang Waldstein untersucht in seinem Buch Ins Herz geschrieben. Das Naturrecht als Fundament einer menschlichen Gesellschaft die kulturhistorische Herkunft des Naturrecht-Gedankens und seine politischen Konsequenzen.

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