Wie lieb und luftig…

Zeit für ein neues „wahres Märchen“:

Es war einmal eine Frau namens Barbe-Nicole. 1777 geboren, heiratet sie mit gerade 20 Jahren den Sohn eines Weinhändlers. So weit, so gewöhnlich. Doch 1805 schlägt die grosse Stunde der jungen Frau! Der Ehemann stirbt; der Schwiegervater will sich altershalber aus dem Weinhandel zurückziehen; Barbe-Nicole, 28 Jahre alt und Mutter einer kleinen Tochter, übernimmt das Geschäft. Sie war nämlich nicht nur eine enge geschäftliche Vertraute ihres Mannes, sie versteht auch etwas vom Weinbau. Man befindet sich übrigens in der Champagne, deshalb produziert und verkauft die Firma der jungen Witwe natürlich nicht irgendeinen Wein, sondern Schaumwein, eben Champagner. Es ist nicht einfach, denn ganz Europa befindet sich im Krieg, nicht gerade ideal für die Luxus-Industrie. Doch Barbe-Nicole erweist sich als tüchtige, umsichtige Geschäftsfrau, die ihr Unternehmen sicher durch die turbulenten Zeiten steuert und auch mal ihren Schmuck verkauft, wenn das Geschäft Kapital benötigt. Als sich nach dem Wiener Kongress die politischen Verhältnisse wieder stabilisieren, beginnt schliesslich der Höhenflug der Firma. Während der Kriegsjahre sassen die Fürstenhöfe und Adelsfamilien Europas auf dem Trockenen; jetzt ist die Nachfrage enorm, so enorm, dass Barbe-Nicole zusätzliche Weinberge aufkaufen muss, um Lieferengpässe zu überbrücken. Doch Nachfrage hin oder her – wenn es um die Qualität geht, gibt es keine Kompromisse. Ausserdem wird ständig an Verbesserungen gearbeitet. 1843 setzt sich die Patronne zur Ruhe und übergibt die Unternehmensleitung ihrem loyalen Mitarbeiter Édouard Werlé, der das Geschäft in ihrem Sinne weiterführt. Als Barbe-Nicole 1866 stirbt, reich und hochangesehen, ist sie längst zur Legende geworden. Ihr Name bleibt eine Marke.

In einem Buch wie Kluge Geschäftsfrauen von Claudia Lanfranconi und Antonia Meiners darf Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin nicht fehlen. Veuve Clicquot wird bis heute auf der ganzen Welt getrunken.
Wilhelm Busch hat die Champagner-Königin in seiner Frommen Helene verewigt:

Wie lieb und luftig perlt die Blase
der Witwe Klicko in dem Glase.

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