„Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen!“

Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler beschreibt die Stadt Gelsenkirchen im Ruhrgebiet in einem seiner Lieder nicht gerade schmeichelhaft und erntete dafür seinerzeit heftige Kritik (Kreisler: „Die Proteste waren zahlreich, vom Oberstadtdirektor bis zum kleinen Arbeiter.„). Eine Stadt, die praktisch nur aus Bergwerken und Fabriken besteht, grau, schmutzig und vom Qualm aus zahllosen Schornsteinen derart verpestet , dass jeder, der längere Zeit dort lebt, irgendwann Atemnot kriegt (aber wer lebt dort schon lange…). Wesentlich positiver ist der Band Gelsenkirchen aus der Reihe Monographien deutscher Städte von 1927.

Der damalige Oberbürgermeister von Gelsenkirchen, ein gewisser Herr von Wedelstaedt (hübscher Name, nicht?), formuliert das Problem so: „Es ist leider richtig, dass dort, wo Tag und Nacht die Förderkörbe die schwarzen Diamanten [so kann man die Kohle auch nennen] an die Erdoberfläche führen, wo tagaus tagein den Hochöfen die Feuerströme glühenden Eisens entfliessen, wo Hunderte von Essen rauchen, wo Tausende von Maschinen stampfen, wo die Walzstrassen mit Donnerrollen das Eisen recken, das Wesen der Landschaft dem natürlichen Zustande entfremdet ist.“ (Welch ein Satz!) Doch natürlich hat Gelsenkirchen mehr zu bieten als Ruhrpott-Atmosphäre! Die Stadt als solche ist zwar noch relativ jung (sie entstand aus dem Zusammenschluss diverser Dörfer), aber sie kann dennoch mit einigen Kunst- und Kulturdenkmälern aufwarten. Ausserdem gibt es sehr wohl Grünflächen auf dem Stadtgebiet.

Vermutlich hat sich Gelsenkirchen seither positiv entwickelt; besonders in den letzten Jahren hat sich das Ruhrgebiet grosse Mühe gegeben, von seinem etwas zweifelhaften Image loszukommen. Oberbürgermeister von Wedelstaedt schliesst das Buch sinnigerweise mit dem Gruss der Bergleute: „Glück auf!

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