Santé!

In Wein & Krieg von Don und Petie Kladstrup erfährt man einiges über einen kuriosen und fast vergessenen Nebenschauplatz des Zweiten Weltkriegs.

Als 1940 die deutsche Wehrmacht in Frankreich einfiel, wurden nicht nur Museen, sondern auch Weinkeller geplündert. Nach dem Waffenstillstand gehörten riesige Weinbaugebiete zum besetzten Territorium, unter anderem jene in der Champagne und in der Gegend von Bordeaux. Und während die Franzosen praktisch auf dem Trockenen sassen, wurde der edle Rebensaft hektoliterweise nach Deutschland verfrachtet. Adolf Hitler, obwohl bekanntlich Abstinenzler, erkannte die symbolische Wirkung dieses Wein-Entzuges für den besiegten Feind; Joachim von Ribbentrop, selber ursprünglich aus der Wein- und Sektbranche kommend, war gewissermassen beruflich interessiert; aber der massloseste NS-Weinliebhaber war, nicht weiter überraschend, Hermann Göring. Auch andere Herren aus der Chefetage des Dritten Reichs taten sich keinen Zwang an. In den verschiedenen Weinbaugebieten wurden spezielle Mittelsmänner platziert (im Volksmund nannte man sie „Weinführer“), in der Regel Fachleute aus dem deutschen Weinhandel, welche die Produktion und den Abtransport überwachten. Die Franzosen jedoch liessen sich diesen Raub ihres „Lebenselixiers“ nicht so ohne weiteres bieten und gingen zum Gegenangriff über. Die Winzer füllten jene Flaschen, auf denen die vornehmsten Etiketten prangten, mit dem miesesten Fusel aus ihrem Vorrat und lieferten das Ganze den Deutschen (und anscheinend gab es nur selten Reklamationen). Manche Wein-Widerständler gingen sogar noch einen Schritt weiter. Ganze Güterzüge, die mit vollen Flaschen in Richtung Deutschland unterwegs waren, verschwanden mitsamt der Ladung spurlos. Und schliesslich war es ein Weinhändler, nämlich Pierre Taittinger von der bekannten Champagner-Firma, der 1944 General Dietrich von Choltitz davon überzeugte, Hitlers Befehl zur Zerstörung von Paris nicht auszuführen.

Besonders kreativ in diesem Reben-Krieg war die Pariser Teppichreinigung Chevalier. Diese lieferte nämlich den bei ihr reichlich anfallenden Staub an verschiedene Restaurants, wo Flaschen mit dem ordinärsten Billigwein durch diesen Staub ein nobles Aussehen erhielten und sodann den Deutschen kredenzt wurden…

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