Spruch der Woche – Gedanken von Goethe

Wir erschrecken über unsre Sünden, wenn wir sie an andern erblicken.

Sie fahren in Ihrem Auto und wollen links abbiegen, überqueren die andere Fahrspur, kreuzen knapp vor einem entgegenkommenden Personenwagen. Vor Ihnen rechts möchte ein Wagen ausparken und steht mit seinem Hinterteil bereits halb auf der Strasse. Elegant umfahren Sie ihn, weil Sie der Meinung sind, es fährt sich grad so schön. Sie nehmen wieder Fahrt auf und müssen zügig bremsen, weil in einer schmalen Strasse zwischen einer Häuserallee, an beiden Seiten gesäumte parkende Wagen die Strasse noch enger machen. Ein Lastwagen entlädt sein Mitgeführtes und sie versuchen mit Millimeterarbeit an dem Gefährt vorbei zu kommen, der Fussgänger der hinter dem LKW hervortritt und direkt vor Ihrer Motorhaube auftaucht schreckt zusammen, als er Sie sieht. Sie bremsen und beschweren sich, seiner Unachtsamkeit wegen.

Sie fahren auf der Strasse und ein entgegenkommendes Fahrzeug kreuzt sie schnippisch um vor Ihnen abzubiegen. Sie regen sich über diesen Fahrer auf, er sei ein *** der könne doch nicht so knapp fahren, spinnt denn der, das hätte ja ‚knallen‘ können. Sie fahren rückwärts aus einer Parklücke und schimpfen schon wieder mit hochrotem Kopf über den anderen Fahrer, der hinter Ihnen schnell durch geflitzt ist, obwohl der hätte sehen müssen, dass sie bereits mit dem halben Auto auf der Strasse stehen. „Hätte der sich nicht gedulden können?“ regen Sie sich auf. Sie warten auf einen Freund der gleich aus dem Haus in Ihren Wagen steigen wird und Sie parken in zweiter Reihe in einer engen Strasse. Ein Auto quetscht sich an Ihrem neuen Flitzer vorbei, Millimeterarbeit sozusagen. Sie sehen sein Wagnis im Seitenspiegel und flippen aus.

Man könnte Goethes Spruch ergänzen mit, wenn zwei das gleiche tun ist es nicht dasselbe.

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