Spruch der Woche – Gedanken von Goethe

Setzten wir uns an die Stelle anderer Personen, so würden Eifersucht und Hass wegfallen, die wir so oft gegen sie empfinden; und setzten wir andere an unsere Stelle, so würden Stolz und Einbildung gar sehr abnehmen.

Wann bin ich eifersüchtig und wann empfinde ich Hass? Hass habe ich mittlerweile aus meinem Vokabular gestrichen, diese Eigenschaft habe ich mir ganz abgewöhnt. Versetze ich mich jedoch in die Lage, auf den ich Eifersüchtig bin, würde ich erkennen, dass auch derjenige nicht nur aus dem Herrlichen besteht, das ich an ihm begehre, sondern er ebenfalls seine Sorgen und Ärgernisse hat, nicht alles in seinem Leben perfekt läuft, wie ich es gerade empfinden mag. Besinne ich mich aus Erfahrung, dass alle Mitbürger hin und wieder zu kämpfen haben, darf ich mir mit gutem Gewissen auch die Eifersucht abschaffen.

Sieht man in den Medien, jemand sehr junges, der zu gut für sein Alter singen kann – es fast nicht möglich ist, so einwandfrei fachlich gut zu singen, wofür andere Jahre bräuchten – so bewundert man den Sänger. Was wiederum Stolz und Einbildung bei ihm glühen lassen kann. Er krönt sich mit seinem Talent, das er nicht selber erarbeitet hat. Je nach seinem Charakter verhält er sich mit diesem von Gott gegebenem Talent, gebührlich nicht eingebildet oder ungebührlich mit eitlem Stolz. Wir wiederum hüten uns vor der Eifersucht, die wir auf seine nicht erlernten Singkünste haben.

Werfen Sie also den Hass über Bord, singen Sie stolzlos aber freudig in den Sonnenschein und ‚bilden‘ Sie sich ‚ein‘ Kunstwerk.

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