Du väbrännti Zainä!

Wenn Friedrich Glauser (Blogs vom 15. November 2018 und vom 5. Januar 2017) der Vater der Schweizer Kriminalliteratur ist, so ist Carl Albert Loosli der Grossvater.

Das Dorf Habligen im Emmental erlebt im Sommer 1893 eine extreme Hitzewelle. Gross ist die Freude, als endlich der ersehnte Regen einsetzt; doch am nächsten Morgen wird Andreas Rösti, der ehemalige Bauer der Schattmatt (der Hof wird inzwischen von seinem Schwiegersohn Fritz Grädel bewirtschaftet), erschossen aufgefunden. Der verschrobene, streitsüchtige Alte war nicht gerade beliebt, besonders Schwiegersohn Grädel hat sehr unter „Schattmatt-Rees“ gelitten. Die Pistole, die Zigarrenspitze und ein Stofffetzen, die am Tatort gefunden werden, gehören allesamt Grädel. Ausserdem hat er dem verhassten Schwiegervater am Abend zuvor noch den Tod gewünscht, das weiss, dem allgemeinen Klatsch sei Dank, das ganze Dorf. (Erfahrene Krimi-Leser wissen: Wenn so viel gegen einen Verdächtigen spricht, dann ist er höchstwahrscheinlich unschuldig.) Grädel wird festgenommen und kommt in Untersuchungshaft; Hugo Brand, Gemeindepräsident, Fürsprech (Anwalt) und Kavallerieoffizier, ist jedoch von der Unschuld seines Freundes überzeugt. Deshalb gräbt er im Familienleben der Grädel-Röstis herum. Liegt des Rätsels Lösung in der Vergangenheit? Hat sie vielleicht etwas mit dem eigenartigen Charakter des Schattmatt-Rees zu tun? Die Untersuchung bliebt schliesslich in einer Sackgasse stecken. Fritz hatte ein Motiv und eine Gelegenheit, ausserdem liegen diverse belastende Indizien vor; überhaupt scheint er als einziger für die Tat in Frage zu kommen. Doch ein eindeutiger Beweis fehlt und der Angeklagte beteuert immer wieder seine Unschuld. Vor Gericht steht es gewissermassen unentschieden zwischen Anklage und Verteidigung. Was nun?

Die Schattmattbauern aus dem Jahr 1926 gehören zu den ältesten Schweizer Kriminalromanen. Gleichzeitig ist es aber eigentlich kein typischer Krimi. So gibt es keine einzelne Detektiv-Figur, stattdessen suchen verschiedene Personen nach der Wahrheit. Dass diese – nach über 20 Jahren – zuletzt doch noch ans Licht kommt, ist weniger kriminalistischen Schlussfolgerungen zu verdanken als vielmehr so einer Art deus ex machina.

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