No gehn S‘, san S‘ deppert?

Fritz von Herzmanovsky-Orlando (welch schöner Name!) war ein österreichischer Schriftsteller, der von 1877 bis 1954 lebte und insbesondere die k. u. k. Donaumonarchie humoristisch und satirisch bearbeitet hat. Ein Roman von ihm trägt den spektakulären Titel Der Gaulschreck im Rosennetz.

Jaromir Zdenko Maria Alois Johann von Nepomuk Franz von Assisi Edler von Eynhuf, seines Zeichens Hofsekretär (dessen Hauptaufgabe darin besteht, ein im Amtszimmer seines Vorgesetzten, Hofrat Sauerpfister, befindliches Gemälde abzustauben) und bedeutende Stütze des Habsburgerreichs, hat ein recht skurriles Hobby: Er sammelt Milchzähne. Ausserdem macht er der Tochter des Hofzwergs im Ruhestand Zephesis Zumpi den Hof und verkehrt im Salon der Frau Ursula Schosulan, welche einstmals schon die in Gott ruhende Kaiserin Maria Theresia zu bedienen die Ehre hatte und übrigens einen grossen Einfluss auf Bischof Chrysostomus Schoisgruber ausübt. Jetzt will Eynhuf dem Kaiser, Seiner allergnädigsten apostolischen Majestät, seine Zahnsammlung verehren, samt dazu passendem Gedicht. Ein Exemplar fehlt allerdings noch: ein Milchzahn der k. k. Kammersängerin Fräulein Höllteufel.

In Herzmanovsky-Orlandos Wien wimmelt es nur so von kuriosen Käuzen und überhaupt von jeder Art von Mensch, die ein „Hof-“ vor dem Beruf haben kann. Nur schon die abenteuerlichen Satzkonstruktionen und das „Weanarisch“ des Autors sind ein Vergnügen für sich. Und die Personennamen erst!

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