„The Phaaaantom of the Opera is there…“

Die Opéra Garnier in Paris ist eines der berühmtesten Opernhäuser der Welt, nicht zuletzt dank Gaston Leroux und Andrew Lloyd Webber (vergleiche Blog vom 3. Mai 2018).

Der Architekt Charles Garnier gewinnt 1860 einen Wettbewerb für den Entwurf eines neuen Pariser Opernhauses. Doch erst nach vielen Mühen und Unterbrechungen wird seine kostspielige Extravaganz am 5. Januar 1875 mit viel Pomp eingeweiht, in Anwesenheit der crème de la crème Frankreichs, unter anderem jener von Patrice de Mac-Mahon, dem Präsidenten der Republik. Die Opéra ist kein Theater wie jedes andere, sondern ein Gesamtkunstwerk, fabriziert für ein Publikum, für das bei einem Opernbesuch die Aufführung im Grunde Nebensache war. Ein Gang in die Oper war in erster Linie ein gesellschaftliches Ereignis! Deshalb nehmen die Foyers, Salons, Treppen etc. einen auffallend grossen Teil des Gebäudes ein. Der unterirdische See im Keller, bei dem es sich in Wirklichkeit (wenig romantisch) um ein Grundwasserbecken handelt; der spezielle Eingang für den Kaiser, den Napoleon III. (der Thurgauer) nie benutzt hat; der Aufzug, der eigens für den dritten Aga Khan eingebaut wurde und heute zum Transport von Rollstuhlfahrern dient; die Decke des Zuschauerraums, die von Marc Chagall bemalt wurde; der Kronleuchter, der noch nie heruntergekracht ist, während allerdings am 20. Mai 1896 eines der Gegengewichte des Leuchters in den Saal stürzte; Maria Callas, deren Pariser Debüt am 19. Dezember 1958 sogar am Fernsehen übertragen wurde; Jacques Rouché, der ursprünglich aus der Parfümindustrie kam und dann 30 Jahre lang die Opéra leitete. Selbstverständlich wird auch das hauseigene „Schlossgespenst“ erwähnt, das Phantom Erik. Seine Loge, die er energisch vereidigt, die Loge Nr. 5 im ersten Rang, gehört übrigens nicht zu den besten des Hauses. Warum hat Leroux seinen Romanhelden wohl gerade dort platziert?

Jean-Philippe Saint-Geours und Christophe Tardieu erforschen in L’Opéra de Paris die Geheimnisse der Opéra Garnier. Dieselbe wurde übrigens von 1973 bis 1980 von einem Schweizer geleitet, nämlich von Rolf Liebermann.

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