6. Dezember – Aus unserer Rubrik Schweizer Kultur & Geschichte

Josef Zihlmanns recherchierte HEILIGE BÄUME UND ORTEHeilig waren unseren Vorfahren alle Bäume, wenn man heilig recht versteht. Die Alten kannten noch das Horchen und das Staunen, sie lebten ganzheitlich den Wechsel der Jahreszeiten und betrachteten das immergrüne Beharren vieler Bäume als Zeichen der Zuversicht und Hoffnung und des Fruchtbarbleibens. Der Baum war Lebensbaum. Eine Heilige Eiche stand im 16. Jahrhundert in der Bächleten, hart an der Gemeindegrenze zwischen Pfaffnau und Roggliswil. Sie ist 1580 namentlich nachgewiesen im Haupturbar des Klosters St. Urban; danach stösst ein Grundstück „an den kilchweg by der Heiligen Eich“. Sie ist offensichtlich durch ein Helgestöckli ersetzt worden, das heute noch steht. Der Ort der Christus- und Heiligenverehrung an oder bei Bäumen wurzelt wohl im Naturreligiösen, aber der Kult selber ist längst nicht mehr ein Baumkult. Darum kann auch nicht von heidnischem Aberglauben die Rede sein, wie die Gegner der immer noch heilig genannten Bäume sich auszudrücken pflegten. Was bei diesen Heiligen Bäumen sich ereignete, war kaum etwas anderes als landläufiges volksreligiöses Brauchtum, wie man es in jedem beliebigen Gnadenkapellchen und Wallfahrtsort antreffen konnte.

Bäume sind offensichtlich vernünftiger als wir, sie streben immer nach dem Licht.
(Anke Maggauer-Kirsche [wie passend] (1948), deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin und ehemalige Betagtenbetreuerin in der Schweiz)

 

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