„Lustig ist die Jägerei, Lotte war im Weg dabei“

Dieser Vers aus einem Chanson von Georg Kreisler wäre ein gutes Motto für Das Mordsbuch, herausgegeben von Nina Schindler. Das Buch trägt den Untertitel Alles über Krimis. Geradezu mörderisch unterhaltsam!

Eugène François Vidocq war weder ein Autor noch eine Romanfigur, aber trotzdem ist der moderne Krimi ohne ihn undenkbar. Der ehemalige Gauner wurde im frühen 19. Jahrhundert Chef der Pariser Kriminalpolizei (logisch: wer wüsste besser über die Unterwelt Bescheid als ein Insider) und entwickelte diverse Techniken, die ihn zum Begründer der modernen Kriminalistik machten – und zum «Detektiv» schlechthin. In der Schweiz waren bekanntlich die beiden Friedrichs, nämlich Herr Glauser (Blog vom 15. November 2018 und vom 5. Januar 2017) und Herr Dürrenmatt (Blog vom 2. Oktober 2014), die Pioniere des lokalen Krimis. In Vidocqs Heimat Frankreich gehören Gaston Leroux (Blog vom 2. April 2015) und Maurice Leblanc (Blog vom 27. September 2018) zu den Gründervätern. In Amerika machte natürlich Edgar Allan Poe den Anfang. In jüngerer Vergangenheit haben sich auch Italien (Donna Leon, Andrea Camilleri) und Skandinavien (Henning Mankell, Hakan Nesser) als Krimi-Produzenten etabliert. Der Inbegriff der Kriminalliteratur aber ist und bleibt, jeder weiss es – das Vereinigte Königreich von Grossbritannien und Nordirland. Arthur Conan Doyle, Agatha Christie und Dorothy L. Sayers heissen da die „Säulenheiligen“. Den Geruch des „Trivialen“, der „Schundliteratur“ sind die Kriminalromane bis heute nicht losgeworden. Warum eigentlich? Können oder wollen Krimis keine „höhere“ Literatur sein?

Besonders witzig im Mordsbuch ist der Text Auf keine Fälle Stefanie. Aus dem Tagebuch der Stationsschwester im Feierabendheim für alte Kommissare. Als 20 Mark aus der Kaffekasse verschwinden, ist der Spürsinn der alten Kriminalisten gefragt. Toll ist auch der Krimibaukasten: Anhand eines ganz einfachen Plot-Beispiels werden verschiedene Krimi-Genres durchgespielt. Die Psycho-Variante, die Landhaus-Variante, die Spionage-Variante, die Kinderkrimi-Variante, die Harte-Kerle-Variante, die Katzenkrimi-Variante, die Edgar-Wallace-Variante… Ausserdem hat das Publikum Gelegenheit, selber seine Kombinationsgabe auf die Probe zu stellen. Und natürlich dürfen auch zahlreiche Literatur-Empfehlungen nicht fehlen!

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