Der goldene Mund

1930 erschien Narziss und Goldmund von Hermann Hesse, dem „Gärtner von Montagnola“ und Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946.

Irgendwann im Mittelalter, irgendwo im deutschsprachigen Raum: Im Kloster Mariabronn begegnen sich zwei junge Menschen, zwei Gegensätze: Da ist einerseits Narziss, der Novize und Hilfslehrer. Ein brillanter Intellektueller und scharfsinniger Denker, dabei sehr vornehm, streng und zurückhaltend. Dann andererseits Goldmund, der Klosterschüler. Eine Künstlernatur, voller Leben und Fantasie. Es dauert eine ganze Weile, bis die beiden Gegensätze Freundschaft schliessen, dann jedoch hängen sie ihre Herzen so sehr aneinander, dass ihre Beziehung von Aussenstehenden zuweilen sogar als „naturwidrig“ geschmäht wird – übrigens hat Narziss durchaus auch körperliches Interesse an Goldmund, gestattet sich als strenger Asket jedoch auch hier keine Schwachheiten. (Überhaupt scheinen homoerotische Gefühle in diesem Kloster gar nicht mal so aussergewöhnlich zu sein!) Narziss, neben seinen vielen übrigen Talenten offenbar auch ein gewandter Psychoanalytiker, erkennt schon bald (noch bevor Goldmund sich dieser Tatsache selber ganz bewusst wird), dass sein Freund nicht für das Klosterleben geschaffen ist, dass seine sprühende Vitalität hinter den Mauern von Mariabronn verdorren würde. Deshalb hält er Goldmund auch nicht zurück, als dieser eines Tages aus dem Kloster türmt. Für den jungen Burschen beginnt eine lange Odyssee, eine Wanderung durch die Welt, mit vielen Begegnungen und vielen Liebschaften. Ausserdem entdeckt er seine künstlerische Begabung als Holzschnitzer.

Es wird lange dauern, bis die Beiden sich eines Tages wiedersehen; Narziss, nicht nur sympathisch in seinem ganzen intellektuellen Dünkel, und Goldmund, nicht nur unsympathisch in seinem überströmenden Lebenshunger. Narziss und Goldmund ist übrigens mein persönlicher Lieblings-Hesse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.