Tücken der Technik

Nicht nur in englischen Landhäusern wohnt das Grauen, sondern auch jenseits des Kanals. Selbst im Land des savoir vivre ist man nicht sicher! Die einschlägige Lektüre dazu: Der dunkle Wächter von Carlos Ruiz Zafón.

1937: Nach dem Tod ihres Mannes zieht Simone Sauvelle mit ihren Kindern Irene und Dorian aus Paris in ein kleines Küstenstädtchen. Dort findet sie eine Stelle als Hausdame in Cravenmoore, dem Wohnsitz des reichen Spielwarenfabrikanten Lazarus Jann. Die Arbeit wird gut bezahlt und Lazarus ist ein sehr sympathischer, liebenswürdiger Herr – aber das riesige Haus, vollgestopft mit mechanischen Spielereien aller Art, ist nicht ganz geheuer. Ganz alleine, nur zusammen mit seiner bettlägerigen Gattin Alexandra, die niemand je gesehen hat, haust der alte Mann in seiner bizarren Fantasie-Welt. Es ist offensichtlich, dass Lazarus einige Heimlichkeiten hat. Warum zum Beispiel ist ein Zimmer als Kinderzimmer eingerichtet, obwohl es in Cravenmoore doch gar keine Kinder gibt und nie welche gegeben hat? Richtig aufregend wird es, als das Dienstmädchen Hannah im Park von Cravenmoore tot aufgefunden wird – Todesursache: Herzversagen aufgrund von Panik, sie ist buchstäblich vor Angst gestorben. Angst wovor? Irene und ihr Freund Ismael stellen fest, dass irgendetwas in diesem Gebäude erwacht sein muss, in diesem Labyrinth voller unheimlicher Automaten. Irgendetwas Dunkles aus der Vergangenheit des Hausherrn, denn Lazarus hütet ein düsteres Geheimnis. Wohlverwahrt zwar, aber unzweifelhaft vorhanden und sehr aktiv. Und warum, zum Kuckuck, hat er eigentlich keinen Schatten?

Ein Schauerroman mit furiosem Finale, das wieder einmal zeigt, wie dicht das Übernatürliche neben unserer ach so rationalen Welt liegt. Automaten, künstlich hergestellte Wesen, sind ein uraltes Thema (siehe Blog vom 20. April 2017). Ebenso verbreitet ist das Motiv des Menschen, der in einem schwachen Augenblick einer Versuchung erliegt und fortan mit den Konsequenzen leben muss. Einzelne Elemente im Roman erinnern ausserdem an den Studenten von Prag, an Peter Schlemihl und ähnliche Geschichten.

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